„C3“ in „C3RRO“ steht für die drei Services Code, Compute und Consult. (Quelle: C3RROlutions GmbH)

Gebäude + Energie

28. April 2022 | Teilen auf:

Webbasierte Bauteilsimulation

Ist es in Gebäuden zu feucht, geht viel Wärme verloren – auch kann sich leicht Schimmel bilden. Das 2021 gegründete Fraunhofer-Spin-Off „C3RROlutions GmbH“ (C3RRO) bietet Kunden die nötige Technologie, um hygrothermische Fragen zuverlässig zu beantworten.

C3RRO will Planern, Bauproduktherstellern, Baufirmen und Sachverständigen künftig eine Technologie zur Verfügung stellen, um Fragen rund um Temperatur- und Feuchtetransport in Gebäuden und Bauteilen zu beantworten und öffentlich-rechtliche Nachweise zu erstellen – sowohl für bereits bestehende Häuser als auch für geplante. Die Firma wurde 2021 als Spin-Off des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP gegründet, auf Basis der bekannten Fraunhofer IBP-Softwarefamilie WUFI, kurz für „Wärme Und Feuchte Instationär“. C3RRO – „Zero“ ausgesprochen –- steht dafür, dass die angebotenen Services einen Beitrag zu einer zero-carbon-future leisten sollen. Die drei Cs stehen für die drei Services Code, Compute und Consult.

„Während das Fraunhofer IBP die WUFI-Berechnungen als Desktop-Versionen anbietet, wird C3RRO die Fraunhofer Rechenkerne in moderne web-basierte Softwaretools umsetzen und das Angebot somit um „Software as a service“ erweitern“, erklärt Dr. Simon Schmidt, Abteilungsleiter am Fraunhofer IBP. Die Nutzung ist dann also im Browser möglich, der Kunde benötigt keine weiteren Programme auf seinem Rechner. Dadurch lassen sich die Simulationen von überall starten und es gibt keinerlei Anforderungen an die Leistung des Kundenrechners, da alle Berechnungen in einem Rechenzentrum laufen. „Zudem lassen sich unterschiedliche Tools und Randbedingungen verknüpfen, was in der Desktop-Version so nicht möglich ist. So könnte man beispielsweise die hygrothermische WUFI-Berechnung mit einer Simulation von Strömungspfaden der Luft kombinieren“, so Schmidt weiter. Die Kombination eines ganzheitlichen bauphysikalischen Modells mit einem vereinheitlichten Datenmodell – und zwar auf Cloudbasis – ermöglicht nicht nur einen leichteren Zugang zu den Tools, sondern auch eine interaktive Kollaboration zu Projekten. Zudem lassen sich Gebäude mit dem System schnell und kostengünstig designen.

3D-Modell des Gebäudes ist Grundlage der Berechnungen

Bevor eine Berechnung für ein Gebäude starten kann, wird wie bei der Desktop-Version des Fraunhofer IBP zunächst ein 3D-Modell des Gebäudes erstellt, ergänzt um die jeweiligen Randbedingungen: Wo steht das Gebäude – wie ist das Außenklima? Welche Materialien werden für die Wände verwendet? Welche Anlagentechnik wird eingesetzt? All diese Daten werden in das Simulationsprogramm eingegeben. Zudem sind Materialkennwerte im Programm hinterlegt, zum Beispiel Materialeigenschaften hinsichtlich des Temperatur- und Feuchtetransports, die die Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer IBP im Labor für unterschiedlichste Materialien ermittelt haben. „In der Desktop-Version müssen die Daten für jedes Haus und Bauteil einzeln eingegeben werden. In der Web-Version dagegen ist es denkbar, dass etwa Fertighaushersteller die Daten zu ihren Häusern hinterlegen und der Nutzer diese dann direkt verwenden kann. Die Möglichkeit des Austausches ist also sehr viel größer“, sagt Schmidt.

Was die Anwendungsgebiete und die Fragestellungen angeht, so sind diese bei der Desktop-Version des Fraunhofer IBP und der Web-Version von C3RRO ähnlich: Materialien, Bauteile, Systeme und ganze Gebäude können energetisch und feuchtetechnisch bewertet werden. Bereits in der Planungsphase sind Schwachstellen erkenn- und vermeidbar. Es wird für jede Zone im Gebäude dynamisch das stündliche Raumklima simuliert, der Heiz- und Kühlbedarf berechnet und die Luftvolumenströme ermittelt. Wichtig ist all dies für ein energieeffizientes Lüftungsverhalten ebenso wie für den sommerlichen Wärmeschutz oder zur Austrocknung nach Wasserschäden.

Mit der Beratung von Kunden anhand von Berechnungen, die die C3RRO durchführt, kann das Unternehmen direkt loslegen. Die web-basierte Anwendung soll Ende 2022 an den Start gehen: Bis dahin sollen die Schnittstellen zwischen den einzelnen Berechnungstools erstellt und zu einem Gesamtsystem kombiniert worden sein. C3RRO ist nicht nur aus dem Fraunhofer IBP hervorgegangen, sondern wird auch zukünftig eng mit dem Institut zusammenarbeiten. Geplant ist die Weiterentwicklung bestehender Produkte und gerade hinsichtlich neuer Themen. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 28.04.2022