Rund 60 Teilnehmer vor Ort, über 70 Teilnehmer online und 11 Aussteller: Die 13. Schimmelpilzkonferenz im Hotel Mövenpick in Berlin knüpfte damit mühelos wieder an die Vorjahreszahlen an. Die eintägige Veranstaltung bot wie immer ein breit gefächertes Vortragsprogramm rund um die Sanierung von Schimmelpilzschäden.
Den Anfang machte Dr.-Ing. Beate Mattuschka mit dem Thema „Mykotoxinbestimmung bei Schimmelschäden“. Sie merkte an, dass die Belastung von Wohnräumen und Arbeitsplätzen (Innen- und Außenräume) mit Schimmelpilzen zu einer Exposition des Menschen mit Mykotoxinen führen könne, die über Stäube oder Luft aufgenommen beziehungsweise inhaliert werden könnten. Zudem bestehe bei Schimmelschäden ein gesundheitliches Risiko über den direkten Hautkontakt mit kontaminierten Materialien.
Die Vielzahl der möglicherweise vorkommenden Mykotoxine stelle spezielle Anforderungen an die Probenahme, Probenvorbereitung/-reinigung und die instrumentelle Analytik. Mit Hilfe einer Multi-Mykotoxin-Methode, die an der LMU München entwickelt und seit Jahren praktisch genutzt werde, sei es aber möglich, in einem Analysenlauf mehr als 25 Mykotoxine in einer Probe nachzuweisen. Damit eigne sich dieses Analysenverfahren in besonderer Weise für die Mykotoxinbestimmung und Abschätzung potenzieller Gesundheitsgefährdungen bei Schimmelschäden. In diesem Zusammenhang sei das Vorkommen von Mykotoxinen in der Luft und eine damit verbundene mögliche inhalative Aufnahme der Toxine von besonderem Interesse.
Im Anschluss daran widmete sich Jörg Kühn vom Lüftungsbüro Berlin/Brandenburg dem Thema „Warum kontrolliert Lüften gegen Feuchte- und Schimmelschäden im sanierten Bestand und Neubau?“. Er führte aus, dass durch gezieltes Lüften und Heizen die Luftfeuchtigkeit im Raum reduziert und weiteres Schimmelwachstum eingeschränkt werden könne. Diese Maßnahme sei allerdings nur dann sinnvoll, wenn zuvor bereits vorhandene Schimmelpilzsporen entfernt worden seien. Dagegen sei es bei Raumnutzungen mit hohem Feuchteausfall und hoher Luftdichtigkeit der Gebäudehülle oft nicht möglich, durch zumutbares manuelles Lüften die Luftfeuchtigkeit auf das notwendige Maß zu reduzieren. In solchen Fällen könne daher eine mechanische Be- und Entlüftung Abhilfe schaffen.
Dipl.-Biol. und Dipl.-Ing. Roland Braun vom Ingenieur- und Sachverständigenbüro Roland Braun erläuterte nach Mittag die Möglichkeiten und Grenzen der „Schimmelprävention durch Baustoffauswahl und -gestaltung“. Beispiele für günstige Baustoffe seien demnach diffusionsoffene Oberflächen, wie offenporige Wandputze oder diffusionsoffene Anstriche, alkalische Oberflächen, wie beispielsweise Kalk- oder Silkatputze aber auch nährstoffarme Materialien, wie mineralische Baustoffe.
Die Baustoffauswahl könne insbesondere in Räumen mit erhöhtem Schimmelpilzrisiko unterstützend sinnvoll sein. Darüber hinaus solle man jedoch beachten, dass die Baustoffauswahl nie die alleinige Maßnahme zur Schimmelprävention sein dürfe bzw. könne. Priorität bei der Schimmelprävention habe in erster Linie die Beseitigung/Vermeidung von Feuchteursachen.
Dipl.-Ing. Adriane Aust widmete sich danach dem Thema „Schimmelpilzbefall? – Sinnvolle und richtige Beprobungsmethoden“. Die Entscheidung, welche Art von Probe sinnvoll sei, stelle viele Baubiologen, Sanierer und Architekten vor ein Problem am Schadensort. Wie soll das Material abgenommen werden? Welche Analysen machen in der gegebenen Situation Sinn? Neben den theoretischen Ausführungen zur Materialentnahme und Methodik erläuterte Adriane Aust sehr anschaulich anhand von Beispielen, wie Proben richtig entnommen werden und wie die Bearbeitung im Labor aussieht. Auch die Methode der Luftkeim- und Partikelsammlung wurde intensiv demonstriert.
Einen Blick über den Tellerrand versprach der Vortrag von Dipl.-Ing. Ekkehard Flohr zum Thema „Thermische Bekämpfung holzzerstörender Organismen“. Unter dieser Überschrift stellte er die Bekämpfung von Holzschädlingen nach DIN 68800-4 vor, die zwar gesetzlich nicht bindend, aber als anerkannte Regel der Technik gelte und deshalb die Voraussetzung für eine fachgerechte Bekämpfungsmaßnahme sei.
Für die thermische Bekämpfung werde meist mit mobilen Gerätschaften beispielsweise ein ganzer Dachstuhl aufgeheizt. Es würden große Mengen heißer Luft in den Dachstuhl geblasen und durch die kontinuierliche Umströmung die freiliegenden Konstruktionshölzer langsam aufgeheizt.
Die Abtötung der darin befindlichen Larven und Eier erfolge bei einer Temperatur ab 55 °C im Holzinneren. Nach 60 Minuten sei durch die hohe Zeittoleranz die Abtötung in jedem Fall erfolgt. Die Wirkungsweise der thermischen Verfahren bestehe darin, dass durch ausreichend hohe Temperaturen im gesamten Holzquerschnitt die darin befindlichen Insekten durch Eiweißgerinnung in allen Stadien abgetötet würden. Durch regelmäßige Kontrolle der Luft- und Holzkerntemperaturen würde dann die Abtötung kontrolliert.
Alles in allem kann man sicher sagen, dass es auch diesmal wieder eine interessante Veranstaltung war, die die Teilnehmer mit fachlichen Impulsen, kontroversen Diskussionen und Ideen bereichert hat. Den ausführlicheren Bericht zur Veranstaltung finden Sie unter: www.bauenimbestand24.de . Wenn Sie mehr über die Veranstaltung erfahren und mitdiskutieren möchten, besuchen Sie uns im nächsten Jahr am 27. März 2025 in Berlin. Alle Informationen zur Veranstaltung finden Sie ab September unter www.schimmelpilzkonferenz.de .
