Injektionsharz Riss
Mit einem zweikomponentigen Injektionsharz werden die Risse vorverfüllt. Danach werden Estrichklammern oder Rundeisen in die Risse eingelegt. (Abb.: PCI Augsburg)

Bauwerkserhaltung 2014-08-15T00:00:00Z Zusammenfügen, was zusammengehört

Die Dauerhaftigkeit und Tragfähigkeit von Betonbauwerken oder die Nutzbarkeit von Estrichen können durch Risse stark beeinträchtigt werden. Diese lassen sich oft nicht grundsätzlich vermeiden. Geschädigte Betonbauteile oder Estriche lassen sich aber so sanieren, dass diese wieder vollständig genutzt werden können.

Eine gründliche Rissanalyse ist unabdingbar, um eine fachgerechte Lösung für die Risssanierung zu erstellen. Außerdem muss klar definiert werden, welche Beanspruchung oder Nutzbarkeit mit der Sanierung erreicht werden soll. Nur wenn die Rissursachen sowie die weitere Nutzung und Beanspruchung des Betons oder Estrichs feststehen, kann eine zielgerichtete und dauerhaft funktionierende Sanierung in die Wege geleitet werden.

Rissen können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen

Risse entstehen häufig durch zu starkes Schwinden in der Trocknungsphase, während der Beton oder Estrichmörtel abbindet. Dieses zu schnelle Austrocknen kann durch eine zu geringe Luftfeuchtigkeit, Wind, Sonneneinstrahlung oder ungünstige Temperaturen begünstigt werden. In jungem und erhärtetem Beton oder Estrichen können Risse durch zu frühe und zu starke äußere Belastungen, mangelhafte oder fehlende Dehnfugen oder unzureichende Bewehrung entstehen. Bei schon lange bestehenden Betonbauteilen und Estrichflächen können Überbeanspruchungen, statische Mängel, starke Temperaturschwankungen, Frost oder Korrosion der Bewehrung Risse verursachen. Risse lassen sich nach ihren Formen und Merkmalen einteilen Die verschiedenen Risse lassen sich nach ihren Erscheinungsformen und Merkmalen grob einteilen. So treten oberflächliche Netzrisse vor allem an der Oberfläche flächiger Bauteile wie Betondecken oder Estrichflächen auf. Sie können entweder der Bewehrung folgen oder auch wild verlaufen. Die Risstiefe ist meist gering. Schwindrisse hingegen gehen meist durch die ganze Bauteildicke und verlaufen wild. Ihre Ursache liegt im verminderten Volumen, das beim Schwinden des Betons oder Estrichs entsteht. Oberflächige Netzrisse oder durchgehende Schwindrisse kommen am häufigsten vor. Diese Schädigungen können Handwerker, wie Bautenschützer, Fliesenleger oder Estrichbauer, ohne Probleme selbst sanieren.

Ist die Tragfähigkeit beeinträchtigt, sachkundigen Planer hinzuziehen

Risse längs der Bewehrung, Biege-, Schub-, Trenn- und Verbundrisse in Betonbauwerken beeinflussen sehr oft die Tragfähigkeit, Gebrauchstauglichkeit und Dauerhaftigkeit eines Bauwerks. Nach der Richtlinie „Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen“ des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStb) sind derartige Risse von einem qualifizierten, sachkundigen Planer oder Statiker zu beurteilen. Dieser muss ihre Ursache ermitteln und Angaben über die Notwendigkeit und Art der Sanierung machen. Hier ist auch die ZTV-ING, Teil 3 Massivbau, Abschnitt 5 „Füllen von Rissen und Hohlräumen in Betonbauteilen“ zu beachten. Für Risse, die die Tragfähigkeit beeinträchtigen, können keine allgemeinen Sanierungsempfehlungen gegeben werden. Daher konzentrieren sich die nachfolgenden Sanierungsbeispiele und -möglichkeiten auf oberflächliche Netz- und durchgehende Schwindrisse. Die aufgezeigten Methoden decken einen Großteil aller anfallenden Risssanierungen am Bau ab. In jedem Fall sollten Risse gefüllt werden, wenn eines oder mehrere der folgenden Ziele erreicht werden sollen:

❚ Hemmen oder Verhindern des Zutritts von korrosionsfördernden Stoffen in Betonbauteile durch Risse (Schließen),

❚ Beseitigen von rissbedingten Undichtigkeiten des Betonbauteils (Abdichten),

❚ Herstellen einer zug- und druckfesten Verbindung beider Rissflanken (kraftschlüssige Verbindung),

❚ Herstellen einer begrenzt dehnfähigen Verbindung beider Rissflanken (begrenzt dehnfähige Verbindung).

Netz- oder Schwundrisse tränken oder vergießen

Ein häufiger Anwendungsfall ist das Tränken oder Vergießen von Netz- oder Schwundrissen bei horizontalen Flächen, wie zum Beispiel Betondecken oder Estrichflächen. Die kraftschlüssige Verbindung der gerissenen Bauteile kann in diesen Fällen durch Einschneiden und Vernadeln der Risse erreicht werden.

Hierbei wird ein auf den jeweiligen Anwendungsfall abgestimmtes Harz über Bohr- oder Klebepacker mit geeigneten Injektionsgeräten in den Riss injiziert. So können kraftschlüssige Verpressungen, aber auch abdichtende oder begrenzt dehnfähige Verpressungen vorgenommen werden. Klebepacker werden dabei meist eingesetzt, wenn aufgrund starker oder eng liegender Bewehrung das Setzen von Bohrlöchern nicht möglich ist oder wenn die Betonoberflächen nicht beschädigt werden dürfen.

Beton- oder Estrichflächen kraftschlüssig vernadeln

An waagerechten Beton- oder Estrichflächen werden vorhandene Risse mit einer Breite von mehr als 0,2 Millimetern mit einem Trennschleifer auf mindestens 6 Millimeter geweitet. Rechtwinklig zu den verbreiterten Rissen sind alle 25 bis 30 Zentimeter mindestens 8 Millimeter breite und 10 bis 15 Zentimeter lange Nuten zu schneiden. Die Einschnitttiefe sollte im Idealfall etwa ein Drittel oder die Hälfte der Estrichdicke betragen.

Die geweiteten Risse sind vor der Tränkung gründlich mit geeigneten Verfahren zu säubern, zum Beispiel mit einem Industriesauger. Dann werden die Risse mit einem zweikomponentigen Injektionsharz vorgefüllt und anschließend Rundeisen mit einem Durchmesser von 6 Millimetern oder Estrichklammern eingelegt. Im nächsten Schritt werden die Querrillen mit einem Injektions-, Gießoder Silikat-Gießharz bis zur Sättigung verfüllt. Bauchemiehersteller empfehlen, dieses Verfüllmaterial mit Quarzsand abzumischen.

Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 4. 2013

Autor: Reinhard Hübner

Fachbeiträge-Archiv grün.jpg

 Möchten Sie erfahren wie der Beitrag weiter geht?? Dann können Sie als Abonnent in unserem Fachbeiträge-Archiv den Beitrag herunterladen.

Hier finden Sie alle Infos zum B+B BAUEN IM BESTAND-Abo oder BauenimBestand24.de -Abo

Login für Abonnenten  

zuletzt editiert am 09. April 2021