Ziegel Labor Kollmann
Im Labor lässt sich der Farbton des Restauriermörtels an den des Ziegels anpassen. (Abb.: epasit/M. Hirsch, H. Kollmann, D. Schlichenmaier)

Bauwerkserhaltung 2015-02-24T00:00:00Z Zieglein, Zieglein in der Wand …

Durch Umwelteinflüsse verwittern Ziegel und Klinkerfassaden, Feuchtigkeit schädigt Ziegelmauerwerk im Innenbereich. So geschädigtes Mauerwerk kann instand gesetzt werden. Hierzu sind zunächst die Ursache und das Ausmaß der Schäden aufzunehmen und die Eigenschaften der Ziegel und des Fugenmörtels zu ermitteln. Aufgrund der Ergebnisse kann ein System von Ziegelrestaurier- und Fugensaniermörteln ausgewählt werden. Ergänzt werden solche Systeme durch Festiger und Imprägnier- beziehungsweise Hydrophobierungsmittel. Auf diese Weise können geschädigte Ziegelmauerwerke ihre Funktion und ihr ursprüngliches Aussehen wiedererlangen.

Typische Schäden an Ziegelmauerwerken sind Verschmutzungen, Verwitterungen und Rissbildungen. Ziegelmauerwerk ist zum Beispiel oft von einer dunklen Schmutzkruste überzogen, die unterschiedlich dick sein kann. Auch Biofilme tragen zur oberflächlichen Verschmutzung bei.

Auslösende Faktoren einer Verwitterung sind die Aufnahme von Wasser sowie in Wasser gelösten Schadstoffen und Organismen. Betroffen hiervon sind sowohl die Ziegel als auch der Fugenmörtel.

Frostschäden, Salzschäden und Frost- Tau-Schäden sind rein mechanischer Art. Durch chemische Reaktionen kann es zum Verlust oder zur Umwandlung des Bindemittels im Fugenmörtel kommen. Mikroorganismen können durch ihre Stoffwechselprodukte das Ziegelmauerwerk schädigen. Beim Bewuchs mit Pflanzen wird das Gefüge angegriffen.

Der Grad der Verwitterung ist von der Ziegelart abhängig. Bei porösen Ziegeln kommt es zur Krusten- und Schalenbildung von innen heraus. Dichte Ziegel sanden oder mehlen von außen her ab. Glasierte Ziegel sind relativ verwitterungsbeständig. Diese und ungebrannte Lehmziegel (Adobe) sind allerdings nicht Gegenstand dieses Beitrags. Ziegelmauerwerk kann selbstverständlich auch mechanisch beschädigt werden. Die dritte große Gruppe von Schadensbildern sind Rissbildungen. Sie treten insbesondere im Fugenmörtel auf. Häufig sind Abrisse an den Flanken, also zwischen Fugenmörtel und Ziegeln, zu beobachten.

Am Anfang steht die Diagnose

Für eine gezielte Sanierung und zur Vermeidung künftiger Schäden ist eine Diagnose erforderlich. Der Zustand muss erfasst werden. Durch Vor-Ort- und Labor- untersuchungen sind insbesondere folgende Parameter zu klären:

  • Schadensausmaß,
  • Feuchtigkeitsbelastung,
  • Versalzungsgrad,
  • Materialzusammensetzung,
  • Struktur,
  • Farbton,
  • Festigkeiten und Festigkeitsprofil.

Drei Sanierungsprinzipien kommen infrage

Bei der Sanierung von Ziegelmauerwerk kommen folgende Prinzipien infrage:

  • Konservieren und Festigen,
  • Ausbessern, Ergänzen und instand setzen ,
  • Austauschen und Nachstellen.

Regelwerke für die Planung gibt es nicht

Für die Sanierung von Ziegelmauerwerk, wie für den gesamten Altbaubereich, existieren keine Regelwerke. Die WTA-Merkblätter zur Natursteininstandsetzung und Kunststeininstandsetzung können hierfür nur bedingt zurate gezogen werden. Materialbeschreibungen für Sanierungsprodukte und die dazugehörigen Ausführungsvorgaben stellen die Hersteller zur Verfügung. Musterflächen können helfen, geeignete Materialien auszuwählen oder diese anzupassen. So sollte man beim Beseitigen von Verschmutzungen bereits das Reinigungsverfahren und das geeignetste Strahlgut objektbezogen anhand von Musterflächen auswählen. Werden Festiger oder Imprägnierungsmittel eingesetzt, so können diese den Farbton des behandelten Ziegels intensivieren. Musterflächen helfen dabei zu entscheiden, ob dies akzeptabel ist. Sie zeigen auch, ob Farbton und Struktur der Ziegelrestaurier- und Fugensaniermörtel mit den Vorstellungen übereinstimmen.

Material auswählen und Farbton anpassen

Um Ziegel instand zu setzen, kommen mineralische Mörtelsysteme infrage. Hierbei kann es sich durchaus um Werktrockenmörtel nach DIN EN 998-1 handeln, zum Beispiel Sanierputz. In der Regel werden aber speziell konzipierte Mörtel eingesetzt. Diese können rein mineralisch sein und mit Wasser oder einem Polymerzusatz angemacht werden. Es kann sich aber auch um kunststoffmodifizierte Mörtelsysteme handeln. Solche Mörtel bestehen aus Zement und Kalk als Bindemittel und Quarzsand als Gesteinskörnung. Der Farbton wird in der Regel durch Pigmente angepasst, da farbige Natursande ein anderes Farbspektrum aufweisen. Ziegelmehl als Zusatz kann latent hydraulisch wirken und somit die Festigkeit beeinflussen.

Autor: Dr. Helmut Kollmann

Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 3. 2014

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zuletzt editiert am 09. April 2021
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