Cover + zwei Seiten des Innenteils der Kurzstudie
Mit der Kurzstudie zum Anteil der Ziegelgebäude über die Baualtersklassen des deutschen Gebäudebestands will der BVZi auf die Langlebigkeit von Ziegeln hinweisen. (Quelle: BVZi)

Nachhaltigkeit 2024-05-16T09:09:13.195Z Ziegel: Nachhaltig dank langer Nutzungsdauer

Das Münchener Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. (FIW) hat bei einer statistischen Analyse des aktuellen deutschen Gebäudebestands festgestellt, dass die Nutzungsdauer von Ziegeln bei über 150 Jahren liegt. Dies müsse bei der ökologischen Bewertung des Baustoffs berücksichtigt werden, sagt der Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie (BVZi).

Der BVZi hatte die Kurzstudie zum Anteil der Ziegelgebäude über die Baualtersklassen des deutschen Gebäudebestands beim FIW in Auftrag gegeben. Das Ziel: Da die Herstellung von Ziegeln energieintensiv ist, muss das Material in Sachen Nachhaltigkeit auf andere Weise punkten. 

Durch die Auswertung statistischer Daten sollte die Studie zunächst herausarbeiten, aus welchen Baustoffen sich der deutsche Gebäudebestand des letzten Jahrhunderts zusammensetzt. Dabei konnte ein umfassendes Bild über die Bauweise deutscher Wohnbauten gewonnen werden. Es zeigt sich, dass über zwei Drittel des deutschen Wohngebäudebestands, der älter als 50 Jahre ist, in Ziegelbauweise errichtet wurde. Je älter die Gebäude sind, desto höher fällt der Anteil an Ziegelgebäuden im Vergleich zu anderen Bauweisen aus. 

BVZi: Langlebigkeit von Ziegeln wird zu wenig berücksichtigt 

Trotz der grundlegenden Kenntnis über die Beständigkeit und Langlebigkeit von Ziegeln werde der gebrannte Baustoff jedoch in der aktuellen Betrachtung, vor allem hinsichtlich der Ökobilanz über den vollständigen Gebäudelebenszyklus, häufig unterschätzt, so der BVZi. Dies belege die aktuelle Tabelle des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR), die Nutzungsdauern von Bauteilen zur Lebenszyklusanalyse nach BNB (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen) mit maximal „> 50 Jahren“ für massive Außenwände ausweist. Die daraus hervorgehenden Daten stellen die Basis zur Ökobilanzierung der verschiedenen Nachhaltigkeitszertifizierungssysteme sowie des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG) dar.  

Jedoch zeigten zahlreiche historische Gebäude aus vergangenen Jahrhunderten, dass massive Bauweisen eine deutlich längere Lebensdauer aufweisen können, sofern sie entsprechend instandgehalten werden. Die vorliegende FIW-Untersuchung untermauert diesen empirischen Befund: Danach besteht etwa ein Viertel der deutschen Wohngebäude mit einem Alter von mehr als 70 Jahren zu einem Großteil aus Mauerziegeln. Ebenso beträgt der Anteil der Wohngebäude im Alter von über 50, aber weniger als 70 Jahren rund 25 Prozent, wobei fast die Hälfte davon aus Ziegelmauerwerk besteht. Auf den Punkt gebracht bedeutet dies, dass über zwei Drittel aller deutschen Wohngebäude vor mehr als 50 Jahren errichtet und größtenteils Ziegel verbaut wurden. 

BVZi plädiert für flächendeckende Gebäuderessourcenpässe 

Die Daten liefern nach Ansicht des BVZi wichtige Anhaltspunkte in der Debatte um nachhaltige Baumaterialien. Je länger ein Gebäude genutzt werden kann, desto ressourcenschonender ist es. Es sei daher sinnvoll, die Erfassung von Baufertigstellungen und Baugenehmigungen nach verwendetem Baustoff durch das Statistische Bundesamt weiterhin auszuwerten, insbesondere, da die Bedeutung von Gebäuden als Rohstofflager im Kontext der Kreislaufwirtschaft wachse. Die Einführung von flächendeckenden Gebäuderessourcenpässen sei für die Verifizierung der Daten für Bestandsgebäude ein weiteres, wichtiges Instrument und könne die richtigen Impulse für nachhaltiges und kreislauffähiges Bauen setzen. 

Angesichts der belegten Langlebigkeit ist es folgerichtig, die Bedeutung von Ziegelprodukten als Baumaterial für Wohngebäude hervorzuheben und dies in ökologischen Lebenszyklusanalysen angemessen zu berücksichtigen. „Ein Blick auf die Zusammensetzung der deutschen Bausubstanz zeigt, dass es millionenfache Beispiele für die Langlebigkeit von Ziegelgebäuden gibt“, betont Attila Gerhäuser, Hauptgeschäftsführer des BVZi. „Diesem Umstand muss auch politisch Rechnung getragen werden, indem die überdurchschnittlich lange Nutzungsdauer – wie bei Ziegelprodukten 150 Jahren und mehr – bei der Weiterentwicklung im Bereich der ökologischen Bewertung berücksichtigt wird.“ Die Studie steht auf der Website des BVZi zum Download bereit.

zuletzt editiert am 16. Mai 2024
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