Mit Abgas dieses Holcim-Zementwerks in Beckum wird das neue Aminwäsche-Verfahren zur CO2-Abscheidung getestet. (Quelle: Holcim)

Betoninstandsetzung

27. April 2022 | Teilen auf:

Zementherstellung: Innovatives Verfahren zur CO2-Abscheidung

In einem gemeinsamen Projekt untersuchen Thyssenkrupp Uhde, Holcim und die TU Berlin den Einsatz einer neuen Aminwäsche-Technologie zur CO2-Abtrennung bei der Zementherstellung. Ziel ist, den CO2-Ausstoß von bestehenden Zementanlagen deutlich zu reduzieren und gleichzeitig das abgetrennte CO2 für weitere Anwendungen zu nutzen.

Auch bei vollständigem Einsatz von erneuerbaren Energien wird bei der Zementherstellung rohstoffbedingt CO2 frei und an die Atmosphäre abgegeben. Die Zementindustrie sucht deshalb nach Möglichkeiten, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Die Technologie der Aminwäsche beruht auf der gezielten Bindung von einzelnen Bestandteilen eines Abgasstroms wie CO2 in einer Waschlösung. Verwendet werden dabei wässrige Lösungen von Aminen. Die aufgenommenen Gasbestandteile werden anschließend durch Erwärmung des Waschmittels wieder freigesetzt und können so effektiv abgetrennt und separat gespeichert oder verwendet werden.

„Die Aminwäsche wird bereits vielfach eingesetzt, um CO2 aus Prozessgasen oder auch Abgasen zu gewinnen. Nun entwickeln wir die Technologie weiter und optimieren sie für die Zementindustrie. Auch weitere Anwendungen wie zum Beispiel bei Müllverbrennungsanlagen sind möglich, um CO2 direkt an der Quelle auffangen zu können“, erläutert Dr. Ralph Kleinschmidt, Head of Technology, Innovation and Sustainability bei thyssenkrupp Uhde. Konkret werden unter anderem neue Stoffaustausch-Apparate entwickelt, die den Wirkungsgrad verbessern sollen und widerstandsfähiger gegen Verunreinigungen sind. Arne Stecher, Leiter Dekarbonisierung Holcim Deutschland betont: „Carbon Capture wird in der nahen Zukunft eine Notwendigkeit für Zementwerke sein. Daher suchen wir nach der besten Carbon-Capture-Technologie und testen verschiedene Verfahren. Die CO2-Abscheidung durch Aminwäsche ist eine vielversprechende Lösung.“

Enge Kooperation zwischen Industrie und Forschungseinrichtungen unabdingbar

Für Prof. Dr.-Ing. Jens-Uwe Repke, Leiter des Fachgebiets Dynamik und Betrieb technischer Anlagen an der TU Berlin, ist von entscheidender Bedeutung, dass auf der Suche nach Lösungen, die Kräfte gebündelt werden: Innovative Abtrennungstechnologie für die Gasbehandlung zu entwickeln und bestehende Trenntechniken immer effizienter, umweltschonender sowie nachhaltiger zu gestalten, sei eine drängende Aufgabe, die nur in enger Kooperation zwischen Industrie und Forschungseinrichtungen wie Universitäten zu bewerkstelligen sei.

Die Leistungsfähigkeit und Effizienz des zu erprobenden Verfahrens zur CO2-Abscheidung werden mit realem Abgas des Zementwerks am Standort Beckum untersucht. Damit werden die Grundlagen für einen kommerziellen Einsatz gelegt. Außerdem werden verschiedene Verwendungsmöglichkeiten für das gewonnene CO2 analysiert. Das soll vor allem zur Reduktion von Klimagasen bei Bestandsanlagen zur Zementherstellung beitragen. Diese könnten mit entsprechenden Einrichtungen zur Abtrennung des CO2 aus dem Prozessabgas nachgerüstet werden, ohne weitere Anpassungen am Produktionsprozess vornehmen zu müssen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 27.04.2022