In Lindau am Bodensee realisiert Peri die weltweit erste Wohnhausaufstockung mittels der 3D-Betondruck-Technologie. Quelle: Peri AG / Jan Graumann
In Lindau am Bodensee realisiert Peri die weltweit erste Wohnhausaufstockung mittels der 3D-Betondruck-Technologie. Quelle: Peri AG / Jan Graumann

Bautenschutz

22. September 2021 | Teilen auf:

Wohnhausaufstockung per Drucker

Per 3D-Betondrucktechnologie stockt derzeit ein Team der Peri AG im bayrischen Lindau ein Wohnhaus auf. Nach Angaben der Verantwortlichen ist es weltweit die erste Wohnhausaufstockung, die mit einem 3D-Betondrucker ausgeführt wird.

Bei dem Projekt, das vom Architekturbüro „Bodensee Architektur“ geplant wurde, wird auf ein bestehendes Einfamilienhaus ein neues Stockwerk gedruckt. „Technologisch war insbesondere der Aufbau des Druckers aufgrund der Hanglage des Grundstückes eine neue Herausforderung“, erklärt Dr. Fabian Meyer-Broetz, Leiter der 3D-Betondruckaktivitäten von Peri. „Das Projekt in Lindau zeigt einmal mehr, wie flexibel und vielseitig einsetzbar diese neue Technologie ist.“

Das Haus, das im Jahr 1960 erbaut wurde, wird vom planenden Architekten André Baldauf und seiner Familie bewohnt. „Die wichtigsten Themen unserer Zeit sind der schonende Umgang mit unserer Erde und die Digitalisierung aller Bereiche. Das Bauwesen hat darauf bisher wenige Antworten", so Baldauf. „Durch den verwendeten Materialmix bei unserem Projekt – aus hoch-CO2 bindender Neptungrasdämmung, einem Holz-Faltdach und 3D gedruckter Tragstruktur – konnten wir die Gebäudeerweiterung annähernd CO2 neutral errichten, ohne uns nur auf ein Baumaterial zu konzentrieren. Die Wände wurden in 3D geplant und gedruckt, das Holzdach wurde nach 3D Plänen montagefertig abgebunden.“ Zunächst wurde das alte Dach abgebaut und eine neue Betondecke auf die bestehende Bausubstanz aufgesetzt, auf die dann das neue Stockwerk gedruckt werden konnte. Nach Fertigstellung wird das neue Stockwerk eine Grundfläche von 120 Quadratmetern und eine Höhe von 3,70 Metern haben.

Peri setzt in Lindau den Portaldrucker „Cobod Bod2“ ein. Diese Drucktechnologie stammt vom dänischen Hersteller Cobod, an dem Peri bereits seit 2018 beteiligt ist. Bei dieser Technik bewegt sich der Druckkopf über drei Achsen auf einem fest installierten Metallrahmen. Der Vorteil: Der Drucker kann sich an jede Position innerhalb der Konstruktion bewegen und muss nur einmal kalibriert werden. Der „Bod2“ ist so zertifiziert, dass auch während des Druckvorgangs im Druckraum gearbeitet werden kann. Manuelle Arbeiten, wie zum Beispiel das Verlegen von Leerrohren und Anschlüssen, können auf diese Weise einfach in den Druckprozess integriert werden. Der Drucker druckt mit einer Geschwindigkeit von 1 m/s. Für einen Quadratmeter m² doppelschalige Wand benötigt der „Bod2“ rund 5 Minuten. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Peri AG.