Eine moderne Stadtentwicklung mit mehreren Baukränen und einem im Bau befindlichen Gebäude im Vordergrund.
KI könnte viele Prozesse in der Bauwirtschaft effizienter machen. Insbesondere in der Bau-Lieferkette sieht Julian Geiger von der Nemetschek Group großes Potenzial. (Quelle: Nemtschek Group)

Nachhaltigkeit 2025-02-13T11:42:00Z Wie KI die Lieferkette nachhaltiger machen könnte

Von einem Mehr an Digitalisierung im Bauwesen könnte insbesondere die Effizienz und Nachhaltigkeit der Lieferkette profitieren – so die Einschätzung von Expertinnen und Experten. In einem Fachartikel erklärt Julian Geiger, VP, Head of AI Products & Transformation bei der Nemetschek Group, warum er moderne, Software-basierte Bauplanungssysteme, die auf Künstliche Intelligenz setzen, für eine praktikable Lösung hält.

„Am Thema Nachhaltigkeit kommt derzeit keine Branche vorbei. Gerade der Bausektor hat hier großen Nachholbedarf und muss entsprechend reagieren“, so Geiger in seinem Beitrag. „Gefragt sind innovative und erfolgversprechende Konzepte, die zur Erreichung der Klimaschutzziele beitragen. Unabdingbare Voraussetzung hierfür ist die durchgängige Digitalisierung und Automatisierung der Prozesse.“ Das Ziel müsse lauten, die Lieferketten zu entlasten und dadurch auch die CO₂-Emissionen zu reduzieren.

Ein Mann mit Brille und Anzug lächelt vor einem grauen Hintergrund.
Julian Geiger VP, Head of AI Products & Transformation bei der Nemetschek Group (Quelle: Nemtschek Group)

„Allerdings hat die Bauwirtschaft hierzulande bislang nicht den Ruf eines Vorreiters, wenn es um Digitalisierung geht. Noch sind die Abläufe sehr starr, gerade was die Bedarfsplanung von Baustoffen und die Gestaltung von Logistikketten betrifft. Die meisten Vorgänge basieren nach wie vor auf Papierdokumenten, was durchgängige Prozesse behindert. Frachtbriefe und Lieferdokumente werden häufig noch von Hand unterzeichnet und können leicht verloren gehen. Entsprechende Daten müssen manuell in IT-Systeme eingepflegt werden, was viele Fehlerquellen in sich birgt. Zudem wird bei der Auswahl der Materialien noch kaum auf deren Umweltfreundlichkeit und den CO2-Fußabdruck geachtet.“ Darüber hinaus fehle es oft am Überblick darüber, welche Baumaterialien in welcher Menge wo und wann genau benötigt werden. Dies führe zu umständlichen, oft sogar überflüssigen Transportrouten der Lkw. 

Materialbedarfsplanung: Der Schlüssel zu Effizienz und Nachhaltigkeit 

„Um hier die Effizienz der Workflows zu erhöhen, bedarf es maximaler Transparenz entlang der gesamten Lieferkette. Verantwortliche müssen genau ausloten, wie sie die Bestellung von Material an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Nur so lässt sich einer übermäßigen Verschwendung wertvoller Ressourcen effektiv entgegenwirken. Nach aktuellen Untersuchungen werden bis zu 30 Prozent an Baustoffen unnötigerweise bestellt oder falsch eingesetzt, sodass sich diese für den vorgesehenen Zweck nicht eignen. Dies führt zu Ineffizienzen am Bau, treibt die Kosten in die Höhe und ist ein Hindernis auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.“ 

Eine optimierte Bedarfsplanung allein reiche jedoch nicht aus: „Es sollte auch darauf geachtet werden, woher das Material stammt. Dabei ist im Blick zu behalten, dass Baustoffe wie Beton in verschiedenen Regionen und Ländern nach unterschiedlichen Standards produziert werden. Dies wirkt sich nicht unwesentlich auf die Qualität aus und beeinflusst damit auch den CO2-Fußabdruck. Zudem ist es sinnvoll, die Materialien bei regionalen Anbietern einzukaufen. So lassen sich die Transportwege verkürzen, was wiederum Ressourcen schont und Schadstoffemissionen minimiert.“ 

KI-basierte Bauplanung für maximale Prozesseffizienz 

Um alle diese Herausforderungen adäquat zu adressieren, bedürfe es durchdachter Projektplanungstools, die im Hinblick auf die Prozesse in der Bauwirtschaft optimiert sind. „Besonders effektiv arbeiten die Lösungen, wenn sie mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet sind. So kann die Technologie etwa eigenständig bestimmte Konflikte in den Beschaffungs-Workflows erkennen: Dies ist beispielsweise bei der Bestellung von Baustoffen der Fall, die in Art oder Menge nicht zum entsprechenden Gebäude passen. Hier kann die KI Alarm schlagen und eine Optimierung der Prozesse in Gang setzen. Das Ergebnis: Deutlich weniger Materialverschwendung und überflüssige Transporte, was die Lieferkette spürbar entlastet.“ 

Zudem könnten KI-basierte Planungssystemen hervorragend mit großen Datenmengen umgehen, diese analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. „Ein Beispiel: Große Bauunternehmen bearbeiten parallel zahlreiche verschiedene Projekte und kooperieren dabei mit einer Vielzahl von Lieferanten, die über das ganze Land verteilt sind. Durch die KI-gestützte Auswertung entsprechender Daten lässt sich schnell überblicken, welche Lieferpartner für ein bestimmtes Bauprojekt in Frage kommen.“ Dies bringe mehr Effizienz in die Lieferkette. 

Wichtig sei, immer die gesamte Ökobilanz im Blick zu behalten: „Diese umfasst die Herstellung der Materialien, Transportart und Lieferdistanz gleichermaßen. Möglicherweise erweist sich umweltfreundlich erzeugter Beton mit einer weiteren Anfahrtstrecke als nachhaltiger – verglichen mit einem konventionell produzierten Baustoff aus dem Nachbarort. Darüber hinaus lässt sich mit KI-gestützten Planungstools auf Basis von Big-Data-Analysen der zukünftige Bedarf an Baumaterial präzise vorhersagen. Je nach Projektauslastung können Verantwortliche in den Bauunternehmen realistisch einschätzen, wie viel Beton, Kies oder Holz in den kommenden Wochen benötigt wird.“ Auch die Hersteller der Baustoffe profitieren vom KI-Einsatz, so Geiger: „Sie können anhand von Bedarfsprognosen den Markt genau beobachten und ihre Produktionskapazitäten danach ausrichten.“ Weitere Informationen über die Nemetschek Group >>>

zuletzt editiert am 13. Februar 2025