Einer neuen Untersuchung aus der Schweiz zufolge werden durch Fassadenprodukte wie Putze und Farben knapp 90 Prozent weniger Biozide in die Umwelt eingebracht, als in einer früheren Studie dargestellt. Die geringere gemessene Belastung liegt unter anderem an der höheren Akkuranz der Studie.
Zuvor hatte eine BIOMIK-Studie im Jahr 2005 geschätzt, dass in der Schweiz knapp 180 Tonnen Biozide in Bauprodukten verarbeitet werden. Gerade im Hinblick auf Umweltbelastungen durch moderne Fassadenfarben und pastöse Putze auf Wärmedämm-Verbundsystemen kann nun mit akkuraten Daten argumentiert werden. Die aktuelle Nachfolgeuntersuchung der Hochschule für Technik Rapperswil hat die Zahlen zum Biozidverbrauch für Putze und Farben an Außenwänden deutlich nach unten korrigiert: auf nunmehr 20 Tonnen. Maßgeblich lässt sich das Ergebnis auf exaktere Angaben der Hersteller von Fassadenprodukten gegenüber der BIOMIK-Studie 2005 zurückführen.
Das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) ließ die Relevanz von Bioziden und deren Verbrauchsmengen in verschiedenen Produktarten wie Filmschutzmittel für Bautenfarben und Putze, Holzschutzmittel, Schutzmittel für Mauerwerk und Antifouling-Produkte erheben. Berücksichtigt wurde Datenmaterial zahlreicher Hersteller zu den eingesetzten Wirkstoffen und verbrauchten Endprodukten.
Geringe Mengen Biozide werden für die Sauberhaltung von Fassaden lokal eingesetzt. Durch Auswaschverluste sind Einflüsse auf Gewässer und Böden möglich. Die kontinuierliche Forschungsarbeit der Biozidhersteller reduziert die für die jeweilige Schutzfunktion erforderlichen Biozidmengen stetig.
Durch eine Verkapselung der Wirkstoffe würden Biozide, laut der Schweizer Studie zu Beginn der Anwendungsphase um einen Faktor 2 bis 10 geringer ausgewaschen. Dadurch verändere sich die Freisetzung in die Umwelt.
Zur Untersuchung und den Ergebnissen hat das BAFU eine PDF-Datei zum Download im Netz bereitgestellt: Mengenabschätzung von Bioziden in Schutzmitteln in der Schweiz
