Stakeholder-Dialog: Zukunft Wärmedämmung
Dr. Ralf Murjahn, Vorsitzender der DAW Geschäftsleitung begrüßte die rund 40 Vertreter verschiedener Interessensgruppen (Abb.: DAW)

Außendämmung 2014-08-13T00:00:00Z Vor- und Nachteile von WDVS diskutiert

Beim zweiten „Stakeholder-Dialog: Zukunft Wärmedämmung“, der am 10. Juli 2014 vom Baufarbenhersteller DAW Se ausgerichtet wurde, beleuchteten und diskutierten Experten, Befürworter und Kritiker von Wärmedämmung Fakten zu Brandschutz, Entsorgung und Gestaltung von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS). Einige Zweifel konnten ausgeräumt werden. Andere Herausforderungen an Hersteller bleiben bestehen.

Der Dialog sollte Raum bieten, Vor- und Nachteile von WDVS konstruktiv und transparent mit allen Interessengruppen zu diskutieren und gemeinsam nach tragbaren Lösungen zu suchen. Rund 40 Vertreter von Feuerwehren, Architekturbüros, Handwerksbetrieben, Energieberatungen, Natur- und Umweltschutzorganisationen kamen in das firmeneigene Fortbildungszentrum „Haus des Handwerks“ am Stammsitz des Unternehmens in Ober-Ramstadt, um mit geladenen Experten zu diskutieren. In kleinen Gruppen entwickelten die Teilnehmer Ideen und Lösungsansätze, wie eine nachhaltige und sichere Nutzung von Wärmedämm-Verbundsystemen unterstützt und sichergestellt werden kann.

Wann sind WDVS mit Brandrisiken verbunden?

 „Die Prüfung des Brandverhaltens ist eine Voraussetzung für die Erfüllung bauaufsichtlicher Anforderungen“, erläuterte Hendrik Rademacher, Dezernent des Brandprüfzentrums Erwitte des Materialprüfamtes Nordrhein-Westfalen in seinem Eröffnungsvortrag. In der anschließenden Diskussion herrschte Konsens darüber, dass bei einer fachgerecht durchgeführten Verarbeitung von WDVS der Brandschutz hinreichend gewährleistet sei. Erhöhte Brandrisiken würden meist durch fehlerhafte Baumateriallagerung und unzureichende Organisation an Baustellen erzeugt. Transparente Information, Koordination verschiedener Berufsgruppen sowie die Verbesserung des Baustellenmanagements wurden als Lösungsansätze herausgearbeitet, die in Zukunft weiter vertieft werden sollen.

Wie werden WDVS in Zukunft entsorgt?

In der öffentlichen Diskussion werden Wärmedämm-Verbundsysteme häufig als Sondermüll dargestellt, dessen Entsorgung viele Fragen aufwirft. „Ein Irrtum“, sagt Wolfgang Albrecht vom Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München. WDVS könnten mit dem normalen Restmüll entsorgt werden. Bereits heute bestünden für den Wertstoff WDVS Recyclingmöglichkeiten. „Da in der Zukunft jedoch größere Mengen von Wärmedämmverbundsystemen zurückgebaut werden, müssen Lösungen dafür schon heute entwickelt werden“, betonte Albrecht. Verschiedene Forschungsvorhaben zur energetischen Verwertung oder zum Recycling von Wärmedämmverbundsystemen – wie der „ CreaSolv-Prozess “ des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising stellten vielversprechende Ansätze dar, wie aus gebrauchten Materialien neue Rohstoffe gewonnen werden könnten.

Kann man mit WDVS heute schon Fassaden gestalten?

„Wenn man über Wärmedämmung und Architektur diskutiert, geht es nicht um eine Entweder-Oder-Situation. Vielmehr muss im Sinne eines Verfeinerungsprozesses ein gemeinsames Verständnis entwickelt werden, wo Wärmedämmverbundsysteme unter welchen Bedingungen sinnvoll sind“, stellte Johannes Ernst, Steidle Architekten, München fest und verdeutlicht dies anhand von beispielhaften Architekturlösungen. „Die materielle Ehrlichkeit“ ist laut Ernst fest im Bewusstsein und in der Lehre der Architektur verankert. Von WDVS werde sie derzeit nicht ausreichend bedient. In der Diskussion stellten die Teilnehmenden weiterhin fest, dass WDVS oft als billige Lösung zur Wärmedämmung gilt. In Zukunft soll das gestalterische Potential von WDVS deutlicher aufgezeigt werden.

Der DAW-Stakeholder Dialog: Zukunft Wärmedämmung wird im Herbst 2014 fortgesetzt. Begleitet und moderiert wird die Veranstaltungs-Reihe von DIALOG BASIS, einer unabhängigen und wissenschaftsnahen Dialog-Organisation.

zuletzt editiert am 09. April 2021