Die neue Holzschutznorm, DIN 68800 Teile 1 bis 4, ist in Deutschland seit einigen Monaten als Weißdruck erhältlich. Sie wurde an das europäische Regelwerk angepasst und regelt den nationalen Holzschutz. Der folgende Artikel stellt das Konzept und die Entstehung der neuen Norm dar. Außerdem werden exemplarisch einige Punkte der Norm herausgegriffen und ihre Umsetzung in der Holzschutzpraxis behandelt.
Seit der Entstehung des alten Normenwerkes vor circa 15 bis 20 Jahren veranlassten gesellschaftspolitische Veränderungen sowie ein Umdenken bezüglich Gesundheit und Natur eine längst überfällige Überarbeitung der Holzschutznorm. In einem Zeitraum von etwa sieben Jahren gelang es unterschiedlichen Arbeitsgruppen, in verschiedenen Bearbeitungsstadien dieses Regelwerk zu erstellen.
Das neue Holzschutz-Normenwerk besteht aus insgesamt vier Teilen. Teil 1 erschien Ende 2010, die Teile 2 bis 4 Anfang 2012. Das davor geltende Normenwerk bestand noch aus fünf Teilen. Den alten Teil 5 „Holzschutz im Hochbau – Vorbeugender chemischer Schutz von Holzwerkstoffen“ gibt es nicht mehr. Dieser Teil wird hauptsächlich dem neuen Teil 3 zugeordnet. Andere Normenteile nehmen ebenfalls Bezug auf den alten Teil 5.
Dem neuen Teil 1 „Holzschutz – Teil 1: Allgemeines“ kommt im Gesamtwerk der DIN 68800 zentrale Bedeutung zu. Hier werden grundlegende Aussagen zum Schutz des Holzes getroffen. Insbesondere wird festgelegt, warum und wann Holz geschützt werden muss und welche Möglichkeiten hierzu bestehen.
Die neuen Teile 2 bis 4 regeln im Gegensatz zu Teil 1 die Ausführung. Die einzelnen Titel der Normen lauten:
- DIN 68800-2 „Holzschutz – Teil 2: Holzschutz, Vorbeugende bauliche Maßnahmen im Hochbau,
- DIN 68800-3 „Holzschutz – Teil 3: Vorbeugender Schutz von Holz mit Holzschutzmitteln,
- DIN 68800-4 „Holzschutz – Teil 4: Bekämpfungs- und Sanierungsmaßnahmen gegen holzzerstörende Pilze und Insekten
Mehr denn je sind die vorliegenden Normenteile miteinander verknüpft und nehmen gegenseitig Bezug aufeinander. Aus diesem Grund ist es bei der Planung und Anwendung von Holzschutzmaßnahmen erforderlich, alle vier Teile der DIN 68800 zu kennen. Im Vorfeld der Normenarbeit wurden von der Deutsche Gesellschaft für Holzforschung (DGfH) Arbeitsgruppen gebildet, die zu den Normenteilen 68800, Teil 1 bis 4 entsprechende Konzepte erarbeiten sollten. Diese Konzepte lagen 2004 vor. Von Mai 2005 bis September 2006 erfolgte die Bearbeitung zu normenvorlagereifen Dokumenten. Diese lagen, basierend auf den Konzepten, nach insgesamt 32 Sitzungen vor. Aus Effektivitätsgründen wurden die Arbeitsgruppen klein gehalten, so dass auch eine parallele Diskussion zwischen den Arbeitsgruppen möglich war. Beteiligt waren Vertreter aus dem Bereich Holzbau, Schutzmittelhersteller, Praktiker, das Deutsches Institut für Bautechnik (DIBt), Berufsverbände, Wissenschaft und als Beobachter der Normenausschuss Holzwirtschaft und Möbel (NHM). Am 12.12.2006 wurde in einer ersten konstituierenden Sitzung des NHM-AA die eigentliche Bearbeitung eingeleitet. An diesem Tag kamen alle Mitarbeiter der zukünftigen Arbeitsgruppen der Teile 1 bis 4 zusammen.
