Rathaus Korbach (Quelle: Caspar Sessler)

Bauwerkserhaltung

06. September 2022 | Teilen auf:

Vier Finalisten, viermal Bauen im Bestand

Zum zehnten Mal wird Anfang Dezember der renommierte Architekturpreis für nachhaltige Bauprojekte von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. in Kooperation mit der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. vergeben. Dieses Mal haben es gleich vier Projekte in die Endauswahl geschafft: Das Rathaus Korbach, der Erweiterungsbau des Landratsamts in Starnberg, das Hotel Wilmina in Berlin und die IGS Integrierte Gesamtschule in Rinteln.

Gemeinsam sei all diesen Projekten ein gelungener Umgang mit dem Thema Bestand, betont Prof. Amandus Samsøe Sattler, DGNB Präsident und Juryvorsitzender des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Architektur. „Die Finalisten zeigen auf besonders gelungene Art und Weise, wie wir Architekturgeschichte über Jahrzehnte fortschreiben können, adressieren Themen wie Urban Mining, also die Nutzung der wertvollen Rohstoffe im Gebäudebestand, und erschaffen neue Welten in baulichem Erbe. Sie sind damit große Vorbilder für die so dringende Bauwende, die wir nur aus dem Bestand heraus schaffen.“ Darüber hinaus sei die große Anzahl an Bewerbungen erfreulich, „die in vielfältiger Form das Potenzial für Klimaschutz und Ressourcenschonung in unserem Gebäudebestand ausschöpfen“, so Sattler.

Pionier des Urban Mining: Rathaus Korbach

Das neue Rathaus in der Kreis- und Hansestadt Korbach ist eine Kombination aus der Sanierung des mittelalterlichen Gebäudes und aus einem Neubau, der anstelle eines Erweiterungsbaus aus den 1970er-Jahren trat. Letzterer wurde sorgfältig zurückgebaut, sodass ein Großteil der Ressourcen im Neubau wieder verwendet werden konnte. Zugleich erzeugten die Architekten nach Ansicht der Jury ein identitätsstiftendes Gesamtbild durch das Fortschreiben der vorhandenen Dachlandschaften und einer Formensprache, die sich zurückhaltend in das Bild der Innenstadt einfüge. Die Jury bezeichnete „Pionier des Urban-Mining-Prinzips“ bei gleichzeitig hohem Anspruch an die Baukultur.

Bestand gelungen weitergedacht: Erweiterungsbau Landratsamt Starnberg

Der Erweiterungsbau des Landratsamtes Starnberg ist ein zweigeschossiges Hybridgebäude aus Holz, Stahl und Beton in modularer Bauweise. Obwohl über drei Jahrzehnte zwischen Bestand und Neubau liegen, füge er sich, so die Jury, gestalterisch nahtlos in das bereits 1987 fertiggestellte Landratsamt ein, das wie selbstverständlich in die bayrische Seenlandschaft eingebettet ist. Zugleich wurden die Materialien und energetischen Standards auf heute vorherrschende Ansprüche angepasst. Honoriert wurde das Projekt für den behutsamen Umgang mit dem Bestand sowie dessen gelungenem Weiterdenken in Form, Materialität und Konzeption.

Umnutzung der besonderen Art: Hotel Wilmina, Berlin

Beim Hotel Wilmina in Berlin handelt es sich um eine Konversion einer denkmalgeschützten Baustruktur – einem ehemaligen Gerichtsgebäude und Frauengefängnis. Bei maximalem Erhalt des Bestands, zeigt der Umbau nach Ansicht der Jury wie ein beklemmender Ort der Justiz für eine unbelastete Nachnutzung umgestaltet werden kann. Hervorzuheben sei auch die intensive Begrünung im Innenhof für ein angenehmes Mikroklima und zur Stärkung der Biodiversität. Die Jury lobt das Projekt als hervorragendes Beispiel für die Nachverdichtung im Gebäudebestand bei gleichzeitig verantwortungsvollem Umgang mit einem schwierigen Erbe.

Nachhaltiger Ort des Lernens: IGS Integrierte Gesamtschule in Rinteln

Die IGS Integrierte Gesamtschule Rinteln im Landkreis Schaumburg ist ein zweigeschossiger Neubau in Holz-Beton-Hybridbauweise, der einen bestehenden Schulcampus vervollständigt. Das ehemalige Schulgebäude wird dabei nicht abgerissen, sondern für die Gemeinde weiter genutzt. Raumprägendes Gestaltungselement des Neubaus ist der nachwachsende Rohstoff Holz. Dieser stammt zu großen Teilen aus regionaler Forstwirtschaft und wird in Bauteilen so eingesetzt, dass er für zukünftige Veränderungen leicht demontierbar ist. Die Jury betont die pädagogische Wirkung der klimaschonenden Schularchitektur, die für Lernende und Lehrende sicht- und erlebbar wird.

Fachjury bestimmt auch Siegerprojekt

Ermittelt wurden die Finalisten von einer hochkarätigen Fachjury mit Expertinnen und Experten aus Architektur, Bauen und Gesellschaft. Dieses von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis und der DGNB ernannte Preisgremium wählt auch das Siegerprojekt aus, das bei der Preisverleihung im Rahmen des 15. Deutschen Nachhaltigkeitstages am 1. und 2. Dezember 2022 in Düsseldorf bekanntgegeben wird. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 06.09.2022