Hinter die Fassaden von Bauwerken zu blicken und sich von aktueller Architektur inspirieren zu lassen – diese Gelegenheit bietet auch in diesem Jahr wieder der „Tag der Architektur“. Das bundesweite Architekturfestival präsentiert in diesem Jahr am 27. und 28. Juni wieder ein breites Spektrum besonderer Bauprojekte – und viele sind Weiterentwicklungen des Gebäudebestands.
Allein in Nordrhein-Westfalen stehen am 27. und 28. Juni 141 Wohnhäuser, Quartiere, Gärten und Grünanlagen in 76 Städten und Gemeinden für Besucherinnen und Besucher offen. Aber auch in den anderen Bundesländern können zahlreiche Projekte begutachtet werden: in Sachsen sind es beispielsweise 60 Objekte, in Rheinland-Pfalz 56. In Nordrhein-Westfalen reicht die Bandbreite der teilnehmenden Projekte in diesem Jahr von Wohnungen in einer alten Scheune bis zum universitären Forschungszentrum, vom neuen Wohnkomplex auf einer ehemaligen Brachfläche bis zu einem Campus für Digitalisierung, KI und Innovation.
„Was mich an den 141 Projekten dieses Jahrgangs besonders freut: Die Mehrzahl sind keine Neubauten, sondern entwickeln den Gebäudebestand weiter“, sagt Katja Domschky, Präsidentin der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. „Die Planenden haben Bestehendes weitergedacht – klug, nachhaltig, mit Respekt vor dem, was schon da war. Das ist kein Kompromiss, das ist Haltung.“ Auf diese Weise werde Graue Energie, die in bestehenden Gebäuden gespeichert sei, genutzt. „Qualitäten erhalten statt abreißen: Das sind die Antworten unseres Berufsstands auf die Herausforderungen unserer Zeit“, unterstreicht die Präsidentin der größten deutschen Architektenkammer.
Umnutzung, Sanierung, Weiterentwicklung
Nachhaltigkeit ist also weiterhin das bestimmende Thema und so werden zahlreiche Projekte zur Umnutzung, Sanierungen und Weiterentwicklungen im Bestand präsentiert werden. Ein beeindruckendes Beispiel für eine nachhaltige Revitalisierung ist das LYGHT, ein zwölfgeschossiges Bürohochhaus im Düsseldorfer Norden, das vom Kölner Büro caspar.schmitzmorkramer nach Green-Building-Kriterien neu konzipiert wurde.
Der gesellschaftliche Trend „Von der Stadt aufs Land“ lässt sich an der zunehmenden Zahl der teilnehmenden Bauten im ländlichen Raum ablesen. Ein Projekt wie das „Atelier für Architekturfotografie“ von HG Esch in Hennef (Nebel Pössl Architekten, Köln) steht in vorbildlicher Weise dafür, wie auf dem Lande regionaltypisch gebaut und damit zum Erhalt der regionalen Baukultur beigetragen werden kann.
Bildungsbauten im Fokus
Einen auffallend breiten Raum unter den zu besichtigenden Bauten nehmen in diesem Jahr in NRW insbesondere Bildungsbauten ein, wie beispielsweise das Forschungsgebäude Caledo an der TU Dortmund (Gerber Architekten, Dortmund). Auch Umnutzungen von Kirchen sind gleich an mehreren Orten zu sehen. Beim Projekt „Thomas Morus“ in Leverkusen wurde vom Büro Kollbach Bansi Architekten mit viel Feingefühl die denkmalgeschützte ehemalige Thomas Morus-Kirche in eine soziale Wohneinrichtung mit 15 Apartments für ehemals wohnungslose Menschen umgewandelt.
Aktuelle Entwicklungen im Hinblick auf Klimaresilienz repräsentieren die Projekte der Landschaftsarchitektur, die in diesem Jahr zu besichtigen sind – Gartengestaltungen, Quartiersbegrünungen und städtische Grünzonen. Der im Rahmen der IGA Metropole Ruhr 2027 realisierte Klimagarten in Schwerte (Förder Landschaftsarchitekten, Essen) mit dem „gebauten Experiment“ eines Klimapavillons (New GbR Architekten / Jutta Albus Architektur, Köln) hat zudem einen didaktischen Anspruch: Das Konzept setzt auf Umweltbildung durch niederschwellige und praktische Erfahrbarkeit klimarelevanter Themen.
Etabliertes Architekturfestival
Der „Tag der Architektur“ hat sich bundesweit als Architekturevent vor den Sommerferien fest etabliert. Architektinnen und Architekten, Innenarchitektinnen, Landschaftsarchitektinnen sowie Stadtplanerinnen sind vor Ort, um gemeinsam mit ihren Auftraggebern neue oder erneuerte Bauten vorzustellen, die Besonderheiten der Architektur zu erläutern und Fragen der Besucherinnen zu beantworten. Alle Objekte, die in Nordrhein-Westfalen besichtigt werden können, sind ab Mitte Mai in einer Internet-Datenbank der Architektenkammer NRW mit Fotos, Kurzbeschreibungen und allen relevanten Informationen zu finden. Mehr über den Tag der Architektur und die Angebote in den anderen Bundesländern >>>
Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen stellt alle Bauten und Objekte zum „Tag der Architektur 2026“ zudem in einem kompakten Katalog vor, der ab Mitte Mai vorliegt und schon jetzt vorbestellt werden kann unter Tel.: (0211) 49 67-85 bzw. per Mail an tda@aknw.de .
