Wie kann die Energieversorgung von Gebäuden und Quartieren zukunftsfähig gestaltet werden? Darüber haben etwa 350 Teilnehmer auf dem ersten Kongress „Energiewendebauen“ diskutiert, der am 30. und 31. Januar in Berlin stattfand.
Vor dem Hintergrund, dass die Bundesregierung bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand plant, dazu aber immer noch praxistaugliche Konzepte entwickelt werden müssen, waren vor allem Teilnehmer aus Forschung, Architektur- und Planungsbüros, Politik, Energieversorgung, Städten und Gemeinden sowie der Immobilienwirtschaft nach Berlin gekommen.
Das von der Bundesregierung gesetzte Ziel, den Gebäudebestand bis 2050 klimaneutral zu gestalten, erfordert eine Senkung des Energieverbrauchs im Gebäudesektor um 80 Prozent im Vergleich zu heute. Das erfordere gewaltige Anstrengungen, betonte Dr. Frank Heidrich vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bei der Begrüßung der Konferenzteilnehmer. Sie sieht vor allem Bedarf bei der Überführung von Konzepten aus der Forschung in die praktische breite Anwendung.
Forschung bündeln, Themen vernetzen
Das will das Bundeswirtschaftsministerium mit der neuen Forschungsinitiative ENERGIEWENDEBAUEN erreichen. Sie fasst die Forschungsfelder Energieoptimiertes Bauen (EnOB), Energieeffiziente Stadt (EnEff:Stadt) und Energieeffiziente Wärmeversorgung (EnEff:Wärme) unter einem Dach zusammen und ergänzt diese um die Themen thermische Energiespeicher und Niedertemperatur-Solarthermie. Damit sollen diese Forschungsaktivitäten gebündelt und besser vernetzt werden, um zum Beispiel auch Gebäuden gerecht zu werden, die auch selbst als Stromerzeuger fungieren und an das lokale Stromnetz angeschlossen sind.
Außerdem gibt es auch bei der Wärmeversorgung Veränderungen: Im urbanen Raum werden einzelne Gebäude zu größeren Energieeinheiten verbunden und in den dafür notwendigen Wärmenetzen fließt zunehmend erneuerbare Energie. Hinzu kommt, dass Strom- und Wärmesysteme immer stärker gekoppelt sind, beispielsweise über elektrisch angetriebene Wärmepumpen und thermisch aktivierte Bauteilsysteme. Es müssen also komplexe, systemische Konzepte geplant und gebaut werden. Lösungen von der Stange gibt es dabei kaum, zu unterschiedlich sind die energetischen Rahmenbedingungen in den einzelnen Quartieren und Städten.
Handlungsfelder für Forschung und Anwendung identifiziert
Während des Kongresses wurden modellhafte Forschungsprojekte präsentiert: Mehrere Plusenergie- und netzdienliche Gebäude, unterschiedliche dezentrale Energieversorgungskonzepte für Stadtquartiere, neue Ansätze für Wärme- und Kältenetze sowie Methoden und Werkzeuge zur Simulation und integralen Planung von Gebäuden, Quartieren und Städten. In der sich anschließenden Diskussion kristallisierten sich folgende wesentlichen Ergebnisse heraus:
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Bei der Gebäudesanierung geht es in Zukunft vor allem um kostengünstige und minimalinvasive Sanierungskonzepte. Nur so kann der gesamte Gebäudebestand in der Bilanz nahezu klimaneutral werden.
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Die Vernetzung von Gebäuden und Quartieren zu netzdienlichen und mit Strom- und Wärmenetzen kooperierenden Einheiten ist ein qualitativ neuer Schritt, wofür es noch einigen Forschungs- und Entwicklungsbedarf gibt. Weitere, flankierende technologische Entwicklungen sind erforderlich, damit Gebäude flexibel und bedarfsgesteuert mit den Netzen interagieren und Erzeugungs-, Energiespeicher- und Verteilungsfunktionen im Energiesystem ausüben können.
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Auf Quartiersebene sind lokal angepasste, dezentrale Wärmeversorgungslösungen zu entwickeln und die Integration erneuerbarer Wärme zu erproben – technisch, organisatorisch und ökonomisch.
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Bei der Planung und dem Betrieb vernetzter Gebäude und Quartiere sind neue Planungsmethoden, Tools und Beteiligungsprozesse erforderlich, um die Effizienzpotenziale tatsächlich und qualitätsgesichert nutzen zu können.
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Verlässliche, weniger komplizierte und harmonisierte Rahmenbedingungen sind in vielen Bereichen notwendig, um neue Konzepte auch wirtschaftlich und praxistauglich zu machen. Beispielsweise im Bereich der Baugesetzgebung oder der Netzentgelte bei der Erbringung dezentraler Netzdienstleistungen.
Forschung ist bei der Entwicklung und Erprobung neuer Ideen bis hin zur Marktreife unverzichtbar. Doch letztlich, da waren sich die Teilnehmer einig, gehe es um die breite Anwendung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien. Neue Konzepte und Technologien müssten also "auf die Straße gebracht werden", wie Professor Norbert Fisch von der TU Braunschweig in seiner Präsentation des Zukunftsraums Wolfsburg als ein energetisch vernetztes Quartier betonte.
Diese Meldung stammt vom BINE Informationsdienst , der regelmäßig über aktuelle Entwicklungen in der Energieforschung berichtet.
