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An den Westfassaden der Zwillingshäuser in Holzkirchen wurde die Auswaschung von Bioziden aus Fassadenputzen und -beschichtungen untersucht. (Foto: Fraunhofer-IBP)

Fassadensanierung 2012-09-11T00:00:00Z Verkapselte Biozide werden weniger stark ausgewaschen

Eine Studie der Fraunhofer-Gesellschaft für Bauphysik belegt, dass Mittel zum Schutz von Fassaden vor Algen- und Pilzbefall aus hochwertigen Putzen und Farben nicht so stark ausgewaschen werden wie angenommen. Zudem senkt der Einsatz moderner verkapselter Wirkstoffe die Austragungen.

Um die Wahrscheinlichkeit eines Algen- oder Pilzbefalls zu minimieren, werden Fassadenputzen und -farben Biozide beigemischt, die das Wachstum von Algen und Pilzen unterbinden. Vermutet wurde bisher, dass die Schutzstoffe relativ schnell ausgewaschen werden und so die Umwelt unnötig stark belasten. Dann sei die Fläche zudem nicht mehr vor Befall geschützt.

Tatsächlich sind Algizide und Fungizide wasserlöslich – nur so können sie wirken. In hochwertigen Fassadenbeschichtungen sind die Biozide jedoch eingebunden, was die Auswaschung verzögert und für eine längere Wirksamkeit sorgt.

Jetzt hat das Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Holzkirchen untersucht, wie sich diese Baustoffe unter realen Bedingungen verhalten: 2010/11 wurde die Biozid-Auswaschung an den Westfassaden zweier baugleicher Häuser gemessen. Auf jeweils der Hälfte der Fassaden kam ein hochhydrophober Putz nach DIN EN 15824 ("StoLotusan") auf ein organisches Wärmedämm-Verbundsystem. In dem Oberputz, der bereits selbst deutlich weniger Wirkstoff freisetzt als einfachere Produkte, waren die bioziden Wirkstoffe verkapselt (Haus 1) beziehungsweise frei (Haus 2) eingesetzt – jeweils in den gleichen Konzentrationen.

„Verkapselt“ bedeutet, dass der Wirkstoff von einem Polymer umhüllt ist. So lässt sich die Löslichkeit des Wirkstoffs gleichmäßig auf ein niedriges, aber wirksames Niveau einstellen. Die Konzentration der Wirkstoffe lag beim Versuch in Holzkirchen bei 1,6 Gramm pro Quadratmeter Fassadenfläche (entprechend 0,62 Gramm pro Kilogramm fertigem Oberputz). Holzkirchen liegt in einem niederschlagsreichen, stark schlagregenbeanspruchten Gebiet. Bei den freien unverkapselten Verbindungen wurden hier im ersten Jahr zwischen 3,7 und 11,8 Prozent der Gesamtwirkstoffmenge ausgewaschen, bei den verkapselten Wirkstoffen zwischen 1,5 und 4,9 Prozent.

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Austragungsmengen Diuron (P) verkapselt (Haus 1) und unverkapselt (Haus 2) pro Liter Fassaden-Ablaufwasser je Regenereignis (Abb.: Fraunhofer-IBP / Sto AG)

Die Annahme, Biozide seien bereits nach ein bis zwei Jahren vollständig ausgewaschen, wurde somit für hochwertige Baustoffe widerlegt. Zudem belegt der Freilandversuch, dass verkapselte Biozide zu einem erheblich geringeren Teil aus einem hochhydrophoben Putzsystem ausgetragen werden als bei herkömmlichen. Fassaden mit verkapselten Wirkstoffen sind daher auch länger geschützt.

zuletzt editiert am 09. April 2021
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