Der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zufolge gab es im Jahr 2020 in Deutschland über 1.500 Todesfälle durch asbestbedingte Berufskrankheiten. (Quelle: Jan Tornack / pixelio.de)
Der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zufolge gab es im Jahr 2020 in Deutschland über 1.500 Todesfälle durch asbestbedingte Berufskrankheiten. (Quelle: Jan Tornack / pixelio.de)

Schadstoffe

03. November 2021 | Teilen auf:

VDI-Richtlinie zu Asbest im Bestand erschienen

Asbest ist immer noch in zirka 75 Prozent aller Gebäude verarbeitet, die vor Oktober 1993 gebaut oder saniert wurden. Die nun als Weißdruck erschienene Richtlinie VDI 6202 Blatt 3 „Schadstoffbelastete bauliche und technische Anlagen – Asbest – Erkundung und Bewertung“ beschreibt die Untersuchung auf typische asbestverdächtige Materialien und gibt an, wie vermutete Asbestvorkommen bewertet werden können.

Die neue Richtlinie ist die weltweit erste Norm, in der die Probenanzahl von schadstoffverdächtigen Baumaterialien abgeleitet wird. Sie gibt damit dem Gutachter ein praxisorientiertes Werkzeug an die Hand, um transparent und nachvollziehbar eine Erkundung durchzuführen und dokumentieren zu können.

Eine besondere Herausforderung stellen Baustoffe dar, die bei bloßer Inaugenscheinnahme nicht als asbesthaltig erkannt werden können. Sie sind nicht so bekannt wie zum Beispiel die gut identifizierbare Wellasbest-Dacheindeckung, aber weit verbreitet. So können beispielsweise Bodenbeläge, Fliesenkleber, Putze und Spachtelmassen Asbestfasern enthalten. Bei Bearbeitung dieser Materialien durch Schleifen, Bohren oder Abstemmen werden die Fasern freigesetzt und entfalten ihr toxisches Potenzial.

Die Folgen dieser „versteckten“ Gefahr können für die handelnden Personen gesundheitlich dramatisch sein. Der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zufolge gab es im Jahr 2020 in Deutschland über 1.500 Todesfälle durch asbestbedingte Berufskrankheiten. Nicht betrachtet wird hier die wohl noch viel größere Dunkelziffer von Menschen, die an gesundheitlichen Folgen von Asbestkontakt leiden. Die EU-Kommission geht davon aus, dass in Europa jährlich etwa 88.000 Menschen an den Folgen von Kontakt mit Asbest versterben.

Herausgeber der Richtlinie VDI 6202 Blatt 3: „Schadstoffbelastete bauliche und technische Anlagen – Asbest – Erkundung und Bewertung“ ist die VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik (GBG). Die Richtlinie ist im September 2021 erschienen und ersetzt den Entwurf von Oktober 2019. Sie kann beim Beuth Verlag oder beim VDI bestellt werden.

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zuletzt editiert am 03.11.2021