VBI-Präsident Jörg Thiele fordert von der neuen Bundesregierung eine umfassende HOAI-Novelle. Die HOAI brauche dringend eine Modernisierung. Quelle: VBI
VBI-Präsident Jörg Thiele fordert von der neuen Bundesregierung eine umfassende HOAI-Novelle. Die HOAI brauche dringend eine Modernisierung. Quelle: VBI

Betrieb

06. October 2021 | Teilen auf:

VBI fordert umfassende HOAI-Novelle

Der Verband Beratender Ingenieure (VBI) fordert von der neuen Bundesregierung, dass die Novellierung der HOAI 2022 rasch in Angriff genommen wird. Gleichzeitig hat der VBI definiert, was aus seiner Sicht auf jeden Fall bei der HOAI-Novelle berücksichtigt werden muss.

Leistungsbilder und Tafelwerte der aktuellen Honorarordnung für Architekten und Ingenieure HOAI sind seit 2013 unverändert. Daher müssten diese dringend überarbeitet werden, so der VBI. „Die HOAI braucht als Gesamtkonstrukt eine Modernisierung. Die Kostenentwicklung der vergangenen zehn Jahre spiegelt sich derzeit an keiner Stelle wider“, betont VBI-Präsident Jörg Thiele. Außerdem habe sich durch BIM, also der zunehmenden Digitalisierung der Planung, vieles geändert. „Das alles muss in die Novellierung einfließen.“ Bei der Überarbeitung der HOAI sind dem VBI die folgenden Ziele wichtig.

Tafelwerte anheben

Die derzeitigen Honorartafelwerte seien stark veraltet und müssten deutlich angehoben werden, nach Angaben des VBI um bis zu 26,7 Prozent. Dies habe das im Auftrag des VBI erstellte Siemon-Gutachten 2021 ergeben, für das die Berechnungsformel von 2013 weiterentwickelt und durch weitere Einflussfaktoren ergänzt worden sei. Anschließend seien Architektur- und Ingenieurbüros zu Rationalisierungseffekten, Mehr- und Minderaufwänden sowie Kostenentwicklungen der vergangenen acht Jahre befragt worden. In den untersuchten sechs Leistungsbildern wurden die Ergebnisse nach kleineren und größeren Projekten unterschieden. Der Steigerungsbedarf wurde nach der Höhe der anrechenbaren Kosten in den einzelnen Honorarzonen ermittelt.

Vereinfachung der Vorschriften

Die Regelungen der HOAI kommen seit der Neufassung im Zuge des EuGH-Urteils grundsätzlich nur dann zur Anwendung, wenn die Parteien eine entsprechende vertragliche Vereinbarung getroffen haben. Um die Anwendung zu erleichtern, sollten die Vorschriften für Auftraggeber wie Auftragnehmer möglichst anwenderfreundlich sein. Der VBI erhofft sich daher von der Novelle, dass die Regelungen eindeutig und transparent sind. Das sei die Grundlage für eine einvernehmliche Honorarermittlung.

Angemessenheit einfordern

Mit der Neufassung zur Umsetzung des EuGH-Urteils wurden die Mindest- und Höchstsätze aus der HOAI gestrichen und damit findet sich die Angemessenheit nur noch in der gesetzlichen Grundlage zur HOAI. Der VBI fordert, den Begriff der Angemessenheit aufzunehmen. So soll insbesondere bei Rechtsstreitigkeiten die Position der Planer gestärkt werden. Gleichzeitig müssten im Vergaberecht Instrumente gefunden werden, die Unterkostenangebote obligatorisch ausschließen.

Definition Bauen im Bestand

Um die Anwenderfreundlichkeit zu erhöhen, sei es sinnvoll, die Regelungen für das Bauen im Bestand zu überarbeiten und zu vereinfachen. Eine Unterscheidung zwischen Neubauten und Bauten im Bestand sei ausreichent. Immer dann, wenn der Planer an einem vorhandenen Objekt Planungs- und/oder Überwachungsleistungen erbringt, solle er Anspruch auf eine zusätzliche Vergütung haben.

Vergütungsregelungen für nachhaltiges Bauen

Für die Bearbeitung nach den Grundsätzen des nachhaltigen und klimagerechten Planen und Bauens – wie beispielsweise die Berechnung des CO2-Fußabdrucks im Lebenszyklus von Gebäuden, die Erstellung eines Nachhaltigkeitsnachweises, die Berücksichtigung von recyclingfähigen Baustoffen und Materialien – fordert der VBI die Einordnung des Objektes in eine höhere Honorarzone.

Neue Methoden und deren Auswirkungen auf die HOAI

Beim Planen kommen verstärkt neue Methoden zur Anwendung. Die HOAI ist zwar methodenunabhängig, aber die Auswirkungen der Anwendungen haben weitreichende finanzielle Auswirkungen, so der VBI. Zu nennen seien BIM, Lean Construction oder Lean Design. Aus Sicht des VBI sollten deshalb auch die Leistungsbilder angepasst werden.

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website des VBI.