Das flach geneigte Pultdach der großen Sporthalle in der Schlosswallhalle in Osnabrück wurde in den 1960er Jahren als Spannbetonrahmenkonstruktion errichtet. Im Rahmen einer Brandschutzsanierung wurde die seltene Konstruktion umfangreich instand gesetzt.
Die gesamte Hallenbreite wird von Spannbetonbalken mit einer Stützweite von etwa 35 Metern und einem Achsenabstand von etwa sechs Metern überspannt. Zur Entstehungszeit eine handwerkliche Herausforderung, da die vorgespannten Binder in 11 Meter Höhe eingeschalt wurden und nicht wie heute üblich als vorgefertigte Konstruktion montiert wurden. Als im Jahr 2011 aufgrund grober Mängel gemäß heutigen Brandschutzanforderungen eine Sanierung der Veranstaltungshalle notwendig wurde, befürchtete man, dass die Spannbetonrahmenkonstruktion nicht mehr tragfähig sein würde.
Einen ersten Hinweis auf die Betondeckung und die damit verbundene Dauerhaftigkeit sowie den Korrosionsschutz lieferte eine Betondeckungsmessung. Die Spannbetonbinder wurden darüber hinaus auf ihre Druckfestigkeit und Karbonatisierungstiefen untersucht. Obwohl die Betondeckung nach heutigem Kenntnisstand zu gering war, wurden innerhalb der Sporthalle weder eine nennenswerte Korrosion der Bewehrung noch Betonabplatzungen durch Volumenvergrößerung korrodierter Bewehrungen festgestellt. Der Grund hierfür lag in der relativen Trockenheit. Ein Tragwerksgutachten erwies schließlich, dass die Tragfähigkeit noch vollständig gegeben war, so dass die besondere Konstruktion erhalten bleiben und saniert werden konnte.

Aus brandschutztechnischen Gründen wurde zunächst die Dachhaut, bestehend aus verdichteten Strohplatten und 1,5 Zentimeter starker Dachbahneindeckung, zurückgebaut. Schadstoffhaltige Bauteile wurden entfernt und die Sporthalle schließlich bis auf das Tragwerk vollständig zurückgebaut. Auf Basis einer Untersuchung der Oberflächen aller Binder wurde ein Sanierungskonzept erstellt. So wurde zunächst der schadhafte Beton abgetragen und die Oberflächen vorbereitet. Freiliegende Bewehrungen wurden anschließend mit einem Hochdruckwasserstrahlverfahren gestrahlt, wobei im Bereich der Spanngliedverankerung beziehungsweise im Stützkopfbereich mit besonders geringem Druck gearbeitet, die Binder teilweise sogar von Hand bearbeitet werden mussten. Auf die Bewehrungen wurde ein Korrosionsschutzsystem aufgetragen und die vorhandenen Risse wurden in den schlaff bewehrten Betonbauteilen kraftschlüssig verpresst. Weiterhin wurden Kiesnester, teilweise mit einer Größe von 1,5 Metern entfernt, und Hohlstellen mit einem Instandsetzungsmörtel reprofiliert. Um beim Einbringen des neuen Betons in die Binder Spannungen und damit erneute Schädigungen zu vermeiden, entschied man sich für einen schwindenden Mörtel. Ein nicht rissüberbrückendes Oberflächenschutzsystem wurde abschließend auf die gesamte Fläche der Binder und Stützen aufgetragen, so dass möglicherweise entstehende Risse in der Zukunft schnell erkannt werden.
Da die Sporthalle mittlerweile eine Nutzungsdauer von 50 Jahren überschritten hat und vom Bundesministerium für Gebäude mit großer Spannweite eine regelmäßige Überprüfung empfohlen wird, soll die Rahmenkonstruktion seit der Sanierung turnusmäßig überprüft werden. Unter anderem deshalb entschied man, keine neuen Decken ein zuziehen und die seltene Spannbetonrahmenkonstruktion sichtbar zu lassen. Darüber hinaus sollte das vor der Sanierung nachgewiesene Gewicht der Decke nicht überschritten werden. Neben der Sanierung der Spannbetonrahmenkonstruktion wurde in der großen Sporthalle auch die Tribüne umgebaut und die Wegeführung optimiert, Außenwände und Fassaden wurden erneuert, Fluchttreppen ergänzt und die technischen Anlagen modernisiert.
Bautafel