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Das Klosterstift St. Marienthal war aufgrund der Nähe zur Neiße vom Hochwasser 2010 stark betroffen. (Abb.: wikimedia commons/botauraus)

Bauwerkserhaltung 2015-01-29T00:00:00Z Trockene Zukunft für die Kirche

Die Kirche von St. Marienthal liegt direkt am Ufer der Neiße. Das Hochwasser im August 2010 beschädigte sie schwer: Mehr als zwei Meter Wasser standen auf dem Boden des Kirchenraums. Die Sanierung des Fußbodens erfolgte unter der Voraussetzung, dass Feuchtigkeit im erneuten Schadensfall wieder abtrocknen kann und die Kirche barrierefrei erschlossen wird.

Das im Ortsteil Marienthal der sächsischen Kleinstadt Ostritz gelegene Klosterstift St. Marienthal wurde 1234 gegründet und ist das älteste ununterbrochen bestehende Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland. Kennzeichnend für das 1683 im böhmischen Barock errichtete Klosterstift ist seine Lage direkt an der Lausitzer Neiße, die hier die deutsch-polnische Grenze bildet und in einem Halbkreis den Komplex umfließt. So konnte das Neiße-Hochwasser im Jahr 2010 ungehindert das gesamte Gelände fluten. Dabei richteten nicht nur die Wassermassen Schäden an. Schlamm und Geröll setzte sich an den Bauwerken fest.  Am stärksten beschädigt wurde die Klosterkirche. Das Bauwerk sowie die denkmalgeschützte Inneneinrichtung wie Holzverkleidungen, Bänke, Altäre, Sakristeimöbel sowie viele technische Einrichtungen ­waren über Stunden dem Wasser der Neiße ausgesetzt, das in der Kirche auf über zwei Meter gestiegen war.

Untergrund war komplett durchfeuchtet

Stark in Mitleidenschaft gezogen wurde der aus Sandsteinplatten und Erdreich bestehende Kirchenboden im Gemeindebereich der Kirche. Durch Unterspülungen war der historische Plattenbelag geschädigt, manche Platten waren verkantet und es gab Fugenausspülungen. Hier galt es, die Bauwerksohle unter Einbindung denkmalpflegerischer und archäologischer Aspekte in einem Teilbereich der Kirche neu aufzubauen. Die Platten wurden für ihre Wiederverwendung kartiert und ausgebaut. Der durch Ausspülungen geschädigte Unterbau wurde bis in eine Tiefe von rund 40 Zentimetern entfernt.

Neuaufbau erfolgte diffusionsoffen

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Die Sanierung erfolgte mit einer bis zu 40 Zentimeter starken, trasszementgebundenen „Liapor-Schicht“. Dringt erneut Wasser in den Boden ein, kann in Zukunft wieder abtrocknen. (Abb.: ARGE Cieslak & Rentsch)


Beim Aufbau des neuen Kirchenfußbodens waren unterschiedliche Aspekte zu berücksichtigen. "Die Zielstellung war, im Rahmen der Schadensbehebung Hochwasser 2010 den bauphysikalischen Aufbau der Bauwerksohle zu optimieren bei einer gleichzeitig barrierefreien Erschließung", erklärt Irmgard Cieslak, Architektin der ARGE Cieslak & Rentsch in Seifhennersdorf. Dazu wurde der neue Fußbodenaufbau in einer diffusionsoffenen Bauweise ­erstellt: Als Grundlage brachte man Geotextilie ein. Darauf erfolgte eine Lage kapillarbrechender Kies und als obere Schicht  trasszementgebundener Leichtbeton. Erst verlegte man die ursprünglichen Sandsteinplatten in Kalkmörtel. Sollte es in Zukunft zu einem erneuten Schadensfall kommen, kann Hochwasser oder drückendes Grundwasser wieder abtrocknen. Da die Schüttung wie ein haufwerksporiger Leichtbeton wirkt, kann Wasser in die kleinen Zwickel zwischen den Blähtonkugeln eindringen und dort verbleiben, bis der Wassersiegel wieder sinkt.

Auf dem rund 220 Quadratmeter großen Kirchenboden wurden rund 67 Kubikmeter trasszementgebundene Schüttung aufgebracht, die aus Rundkugel, Trasszement als Bindemittel und Wasser besteht. Dier Schüttung wurde über eine Schlauchleitung eingebracht.

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Über dem Fußbodenaufbau wurden wieder die historischen Bodenplatten verlegt. (Abb.: ARGE Cieslak & Rentsch)

Gefälle ausgeglichen

Erforderliche Bodenhöhendifferenzen und Niveauunterschiede ließen sich durch entsprechend angepasste Schüttungshöhen zwischen 25 und 40 Zentimetern ausgleichen. Je nach Baufortschritt der übrigen Arbeiten in der Kirche wurde im März 2014 der Kirchenboden im Bereich der Gemeinde neu aufgebaut. Am 12. Oktober, zwei Tage vor dem 780-jährigen Bestehen des Klosters, konnte die Klosterkirche nach rund vierjähriger Renovierung und Beseitigung der Hochwasserschäden feierlich wiedereröffnet werden.

zuletzt editiert am 09. April 2021
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