Beim Bauen im Bestand kommt es oft immer wieder zu spannenden Begegnungen von alter und moderner Architektur – wie hier beim Umbau der alten gotischen Kirche von Vilanova de la Barca im katalonischen Lleida. (Quelle: Adrià Goula)

Bauwerkserhaltung

06. September 2022 | Teilen auf:

Transformation und Revitalisierung

Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) am Schaumainkai in Frankfurt widmet sich mit der Ausstellung „Nichts Neues – Besser Bauen mit Bestand“ vom 16. September 2022 bis 15. Januar 2023 dem Thema Bauen im Bestand. Eine Auswahl zeitgenössischer internationaler Beispiele soll zeigen, dass vielseitige Transformationen und neue Nutzungen des gebauten Erbes möglich sind.

Das DAM nimmt den eigenen Umbau zum Anlass für diese Ausstellung – seit Oktober 2021 wird dort saniert. Ersatzweise finden Ausstellungen und Veranstaltungen im Interimsquartier DAM OSTEND in einem ehemaligen Bürokomplex am Danziger Platz neben dem Ostbahnhof statt. Das Thema Bauen mit Bestand ist bekanntermaßen wichtig für die Energiewende – schließlich sind 40 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen auf den Bau- und Gebäudesektor zurückzuführen. Auch wenn Umbau und Sanierung zwei Drittel der Bauleistungen in Deutschland ausmachen, wird das architektonische und ökologische Potenzial des Reparierens und Weiterbauens lange nicht ausgeschöpft. Abriss und Neubau ist häufig immer noch die Antwort im Umgang mit Gebäuden, deren Gestalt und Räumlichkeiten anscheinend nicht mehr den gegenwärtigen Normen, der aktuellen Marktlage oder einer effizienten und ökonomischen Nutzung entsprechen. Unbeachtet bleiben dabei oft Werte, Ressourcen und graue Energie, die den Bauwerken seit ihrer Errichtung eingeschrieben sind.

Neben Klimakrise und knapper werdenden Rohstoffen stehen weitere Herausforderungen wie Pandemie oder Bevölkerungswachstum, durch die sich die klassischen Bilder und Typologien von Stadt und Land und damit einen noch stärkeren Fokus auf das Bauen im Bestand erfordern: Der Handel mit seinen großen Kaufhäusern verschwindet zunehmend aus den Innenstädten, Parkhäuser und andere Infrastrukturgebäude werden aufgrund neuer, nachhaltiger Mobilitätskonzepte obsolet und auch Sakralbauten sind von Leerstand betroffen. Dabei bietet der gesellschaftliche Wandel Potenziale für neue Funktionen und Typologien dieser Gebäude.

Beispiele für kluge Strategien im Umgang mit bestehender Architektur

Anhand von sechs Themenbereichen präsentiert „Nichts Neues – Besser Bauen mit Bestand“ zeitgenössische internationale Beispiele kluger und kreativer Strategien im Umgang mit bestehender Architektur. Experten geben Einblicke in vielfältige Aspekte, die das Bauen mit dem Bestand sowohl im urbanen als auch im ländlichen Kontext beeinflussen. Eine ausgewählte Bestandsaufnahme Frankfurter Bauwerke eröffnet zudem Perspektiven und Fragestellungen unter Einbezug von Nutzern und Bewohnern. Damit wird ein umfangreicher Pool an Nutzungen, Transformationen und Revitalisierungen präsentiert. Auch die Ausstellungsarchitektur nimmt Bezug auf das Thema Bauen mit Bestand. Wiederverwendbare Materialien wie Möbel, Stellwände und technische Geräte aus den Beständen des Deutschen Architekturmuseums kommen zum Einsatz. Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 08.09.2022