Soltautherme_Hoell
Die Soltau-Therme nach den abgeschlossenen Umbauarbeiten im Spätsommer 2014 (Abb.: Schomburg)

Bauwerksabdichtung 2015-09-30T00:00:00Z Therme unter „Hochspannung“

Nach einer aufwendigen Sanierung konnte die Soltau-Therme im Spätsommer 2014 wiedereröffnet werden. Dank des Einsatzes eines Reaktionsharz-Abdichtungssystems mit entsprechendem Prüfverfahren konnte auf die stichprobenartigen zerstörenden Schichtdickenkontrollen sowie die nach ZDB-Merkblatt geforderte 14-tägige Probebefüllung des fertig abgedichteten Beckenkörpers verzichtet werden.

Nach knapp zweijähriger Bauzeit war es endlich so weit: Im Spätsommer 2014 konnten die Bauarbeiten, die die bestehende Soltau-Therme attraktiver machen sollten, endlich erfolgreich abgeschlossen werden. Sowohl das Springerbecken als auch die Sport- und Lehrschwimmbecken wurden dabei grundlegend saniert. Dank des Einbaus eines verfahrbaren Dachs genießen Sportschwimmer und Familien nunmehr bei schönem Wetter nach nur achtminütiger Öffnungszeit Cabrio-Atmosphäre. Weitere attraktivitätssteigernde Maßnahmen waren der Neubau einer Riesenrutsche, die vollständige Umgestaltung der Saunabereiche und des Kinder-Badelands sowie die anspruchsvolle Gestaltung der modernisierten Bauteile mit keramischen Belägen.

Betonüberdeckung im Becken war schadhaft

Nach dem Rückbau der circa 20 Jahre alten keramischen Bekleidungen im Sanierungsbereich wurde ein Sachverständigenbüro mit der Begutachtung der Bausubstanz beauftragt. Hinsichtlich der Belegreife der Stahlbetonbeckenkörper wurden keinerlei Einwände vorgetragen. Als tatsächlich kritisch erwiesen sich allerdings die vorgefundenen Betonüberdeckungen der äußeren Bewehrungseinlagen in den Bestandsbecken, die den aktuellen Anforderungen an die Mindestbetonüberdeckung nicht gerecht wurden. Deshalb wurde entschieden, die fehlenden 20 Millimeter Betonüberdeckung nach fachgerechter Vorbehandlung der Unterkonstruktion durch eine Verbundausgleichsspachtelung mit einem für den Unterwasserbereich geeigneten Betonersatzmörtel herzustellen. Dazu wurde ein in Schichtdicken von 5 bis 40 Millimetern verarbeitbarer Ausgleichsmörtel in eine frisch vorgelegte Mörtelhaftbrücke eingearbeitet. Um eine Chloridkorrosion an den Bewehrungseinlagen des Beckenkörpers zu vermeiden, wurde entschieden, das Reaktionsharz-Abdichtungssystem „Densare- 2002“ von Schomburg einzubauen. Dieses

Soltautherme-Hoell_2
Funkeninduktorprüfung nach DIN 55670 (Abb.: Schomburg)

Verbundabdichtungssystem ist ausreichend diffusionsdicht, um gemäß DIN EN 1504-2 keine Chloridionendiffusion zuzulassen, und stellt damit einen wirkungsvollen Schutz des Beckenkörpers vor stahlangreifenden Chloridionen aus dem Beckenfüllwasser sicher. Dieser Sicherheitsaspekt war jedoch nicht der einzige Grund, der das beauftragte Planungsbüro, den Auftraggeber und die Bauleitung für eine Ausführung der im Bereich der Feuchtigkeitsbeanspruchungsklassen A, B und C (1) geeigneten Verbundabdichtung einnahm, denn im Unterschied zum klassischen AIV-F - Reaktionsharz-Abdichtungssystem des Herstellers ist das System als Zusatzausstattung mit einem elektrisch leitfähigen, grafithaltigen Leitlack und selbstklebenden Leitbändern ausgerüstet. Dies erlaubt eine zerstörungsfreie und vollflächige Überprüfung der Abdichtungsebene mit Hochspannung nach DIN 55670. Mit diesem Prüfverfahren werden Poren, Lufteinschlüsse oder Minderschichtdicken in der vernetzten Abdichtung vor dem Einbau des Fliesenbelags zuverlässig erkannt. Zur Prüfung wird der Massepol des Prüfgeräts an die im Leitlack befindlichen Leitbänder angeklemmt. Das Prüfgerät wird dazu nach Vorgabe der DIN 55670 auf eine schichtdickenabhängige Prüfspannung voreingestellt. Anschließend wird die fertiggestellte Abdichtungsebene mit einer Prüfgeschwindigkeit von circa 40 Zentimetern pro Sekunde mit einer Borstenelektrode vollflächig abgefahren. Der Zeitaufwand zur Überprüfung eines Quadratmeters der Abdichtung beträgt damit theoretisch rund 2,5 Sekunden. Der organische Beschichtungsstoff der Abdichtungsebene dient bei diesem Prüfverfahren als elektrischer Widerstand. Wo dieser – zum Beispiel wegen Fehlstellen der Abdichtung – zu gering wird, schließt sich der Stromkreis. Zu erkennen sind diese Stellen an einem optisch wahrnehmbaren Funkenschlag und an einem akustischen Signal des Prüfgeräts. Lokalisierte Fehlstellen werden markiert, mit frisch angemischtem Reaktionsharz nachgebessert, mit Quarzsand abgestreut und am folgenden Tag erneut überprüft.

Aufbau des Systems

Auf dem ausgehärteten Verbundausgleich aus erfolgt zunächst der Auftrag einer niedrigviskosen zweikomponentigen Epoxidharz-Grundierung. Anschließend wird die frische Grundierung mit Quarzsand der Körnung 0,1 bis 0,6 Millimeter abgestreut. Nach vollständiger Vernetzung der Grundierung werden selbstklebende Leitbänder im Raster von zehn mal zehn Metern aufgeklebt, so dass diese im Bereich der Beckensohle und des Beckenkopfs rund fünf Zentimeter aus der späteren Abdichtungsebene herausragen und damit den Anschluss des Funkeninduktorprüfgeräts erlauben. Anschließend wird der grafithaltige Leitlack aufgetragen, der nach circa 16 Stunden überarbeitet werden kann. Die weitere Schichtenfolge entspricht dem bekannten Klasse-C-Abdichtungssystem „Asoflex-AKB“. Dichtungsschicht (blau) und Einstreuschicht (grau) sind im Wechselfarbton pigmentiert, um die nach geltenden Regelwerken geforderte Verarbeitung der Verbundabdichtung in zwei Arbeitsgängen dokumentieren zu können. Nach Fertigstellung der Dichtungs- und der Einstreuschicht wird die Funkeninduktorprüfung auf der klebfrei vernetzten Abdichtungsebene nach den Vorgaben der DIN 55670 vorgenommen. Stichprolagen Kühlhäusern und Gewerbebetrieben der chemischen Industrie.

Fazit

Dank des Prüfverfahrens an einem elektrisch überprüfbaren Verbundabdichtungssystem konnte der Meisterbetrieb Uplegger Fliesen gegenüber Bauherrn und Bauleitung den Nachweis erbringen, dass die Abdichtungsebenen der sanierten Schwimmbecken lückenlos die Anforderungen der geltenden Regeln der Technik erfüllen – in Bezug auf Fehlstellenfreiheit, Mindestschichtdicke und daraus resultierender Rissüberbrückung – und damit die zugesicherten Eigenschaften des Herstellers aufweisen. Insgesamt kamen im Zuge des beschriebenen Projekts Abdichtungsleistungen auf circa 3.900 Quadratmetern und Fliesenverlegeleistungen auf rund 4.200 Quadratmetern zur Ausführung. Die Ergebnisse sind wahlweise vor Ort oder unter www.soltau-therme-online.de zu besichtigen.

Fachbeiträge-Archiv grün.jpg

Dieser Beitrag ist ein Artikel aus Fliesen und Platten, Ausgabe 8-2015. Weitere ausgewählte Fachartikel aus Zeitschriften der Mediengruppe Rudolf Müller und alle Artikel aus B+B BAUEN IM BESTAND finden Abonnenten im BauenimBestand24.de-Fachbeträgearchiv.

Weitere Informationen zum Abo

Login für Abonnenten  



zuletzt editiert am 09. April 2021