Auf Gebäude entfallen 30 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Durch massive Investitionen in die energetische Sanierung ließe sich dieser Wert massiv senken. (Quelle: Thommy Weiss, pixelio.de)
Auf Gebäude entfallen 30 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Durch massive Investitionen in die energetische Sanierung ließe sich dieser Wert massiv senken. (Quelle: Thommy Weiss, pixelio.de)

Gebäude + Energie

20. April 2022 | Teilen auf:

Studie bestätigt dringenden Handlungsbedarf

Eine von der Immobilienverwaltungsplattform Plentific und dem Beratungsunternehmen GlobeScan in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel „Energetische Sanierung - Zukunftssichere Gebäude, Gesundheit und Net Zero” bewertet die Herausforderungen, die mit den zur Erreichung der strengen Klimaschutz-Ziele notwendigen energetischen Sanierungen des deutschen Wohnungsbestands verbunden sind.

Die Rahmendaten sind bekannt: Auf Gebäude entfallen 35 Prozent des Energieverbrauchs sowie 30 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Und 80 Prozent der Gebäude, die wir im Jahr 2050 bewohnen oder nutzen werden, sind heute bereits gebaut. Politik, Eigentümer, Hausverwaltungen und Investoren haben den enormen und dringenden Bedarf an Sanierungsmaßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz, des Wohnkomforts und der Gesundheit sowie der Widerstandsfähigkeit von Gebäudesubstanzen erkannt. Die neue, unlängst veröffentlichte Studie liefert aktuelle Daten zu den Chancen und Herausforderungen, die energetische Sanierungsmaßnahmen im Wohnimmobiliensektor bieten, und gibt sie Tipps zur Beschleunigung beziehungsweise Verbesserung.

Herausforderungen und Chancen energetischer Sanierungen

Nach Auffassung der Verfasser profitieren Vermieter und Mietern gleichermaßen von energetischen Sanierungsmaßnahmen. Rund 50 Millionen Europäer lebten in Energiearmut. Energetische Sanierung sei eine hervorragende Möglichkeit, dies zu ändern. Jährlich könnten so sieben Millionen Europäer aus der Energiearmut befreit werden. Darüber hinaus kurbelten die Maßnahmen die Wirtschaft an: 160.000 neue Arbeitsplätze (durchschnittlich 18 pro eine Million Euro Investition) könnten pro Jahr geschaffen und 291 Millionen Euro Ausgaben eingespart werden. Energieeffiziente Häuser stünden darüber hinaus durchschnittlich 31 Prozent kürzer leer.

Doch bislang sind die Bemühungen bei Weitem nicht ausreichend, um die ehrgeizigen Ziele des Pariser Abkommens zur Eindämmung des Klimawandels zu erreichen. Hierfür müssen 70 Prozent der insgesamt 220 Millionen Gebäude der EU modernisiert werden. Nach Angaben von Deutsche Bank Research gibt es in Deutschland rund 19 Millionen Wohngebäude und 2,7 Millionen Nichtwohngebäude. Etwa zwei Drittel dieser Gebäude wurden vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung im Jahr 1977 errichtet. 2045 soll der deutsche Gebäudebestand energetisch saniert sein – bei einer Sanierungsquote von jährlich nur einem Prozent der Gebäude wie derzeit wird das Ziel deutlich verfehlt.

Großzügige staatliche Unterstützung

Vermieter können im Rahmen der energetischen Sanierung auf finanzielle Unterstützungen setzen: Die deutsche Förderbank, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), bietet erhebliche finanzielle Anreize zur Unterstützung der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden, die bis zu 40 Prozent der Kosten abdecken. Im Februar 2022 bewilligte Deutschland 9,5 Milliarden Euro, um das vorübergehend ausgesetzte KfW-Förderprogramm für die energetische Gebäudesanierung wieder aufzunehmen.

Die Studie bezieht sich nicht nur auf den privaten Sektor, sondern auch auf öffentliche Gebäude. In einem offenen Brief haben 48 Verbände des Baugewerbes, der Industrie und des Umweltschutzes die Bundesregierung aufgefordert, mit EU-Fördermitteln die energetische Sanierung von Schulen zu forcieren und mehr in die Aus- und Weiterbildung von Bauhandwerkern zu investieren.

Tipps zur Beschleunigung beziehungsweise Verbesserung energetischer Sanierungsmaßnahmen

Die Studie zeigt verschiedene Faktoren auf, die den Prozess energetischer Sanierungen beschleunigen und verbessern können:

  • Erreichen der „EPC C-Konformität“ durch einfache Maßnahmen, wie eine Verbesserung der Beleuchtung. (Mit den 2001 eingeführten, in Deutschland verpflichteten Energieausweisen (Energy Performance Certificates, EPC) wird die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden in Stufen von der niedrigsten (H) bis zur höchsten Energieeffizienz (A+) gemessen und bewertet.)
  • Bereitstellung von benutzerfreundlichen Instrumenten, die helfen, sich besser in den politischen Anforderungen und Finanzierungsquellen zurechtzufinden
  • Unterstützung bei der Verwaltung bzw. Koordination
  • Erleichterung von Umfragen und Datenerhebungen
  • Synchronisierung von energetischen Sanierungen und anfallenden Reparaturen
  • Unterstützung bei der Ergreifung von Maßnahmen in neuen Bereichen, wie Biodiversität und Grünflächen.
  • Bereitstellung einer Plug-and-Play-Lösung bzw. einer zentralen Anlaufstelle für energetische Sanierungen, welche die Planung und Durchführung immens erleichtert

„Die Forschungsergebnisse unserer Experten bieten wertvolle Anhaltspunkte für Hausverwaltungen und Vermieter und zeigen die Herausforderungen, aber auch die Chancen in Zusammenhang mit energetischen Sanierungen auf“, sagt Cem Savas, CEO und Co-Founder von Plentific. Hier kann die Studie heruntergeladen werden. Weitere Informationen >>>

www.pixelio.de

zuletzt editiert am 20.04.2022