Hochwasser kennt man in Passau. Allerdings war das des Jahres 2013 - wie diese Markierungen in der Passauer Innenstadt zeigen  - im wahrsten Sinne des Wortes ein Jahrhunderthochwasser. (Quelle: Uretek)
Hochwasser kennt man in Passau. Allerdings war das des Jahres 2013 - wie diese Markierungen in der Passauer Innenstadt zeigen - im wahrsten Sinne des Wortes ein Jahrhunderthochwasser. (Quelle: Uretek)

Bauwerkserhaltung

11. May 2022 | Teilen auf:

Stabilisierung per Injektion

Ein Wohn- und Geschäftshaus in der Passauer Altstadt hatte im Zuge des Hochwassers 2013 erhebliche Rissschäden davongetragen. Bevor das Gebäude saniert werden konnte, war aufgrund der Baugrundverhältnisse eine Stabilisierung der Fundamente notwendig. Diese erfolgte Anfang 2016 mit Hilfe einer Injektionsmethode von Uretek.

Der denkmalgeschützte, am Residenzplatz gelegene viergeschossige Massivbau ist voll unterkellert, wobei ein Teil der Kellerräume etwa 2,2 Meter über dem Niveau der übrigen Kellerräume liegt. Das Gebäude wies in Folge des Hochwassers vornehmlich im zentral gelegenen Bereich des Treppenhauses über alle Geschosse hinweg Risse im Gewölbe und den Gurtbögen auf. Im Keller waren neben den Rissen im Gewölbe zimmermannsmäßig abgestützte Gewölbeeinbrüche, ein um circa 15 Zentimeter nach Osten geneigter Mauerwerkspfeiler sowie neuzeitliche Gewölbeunterfangungen ohne Fundamentierung festzustellen.

Das geschilderte Baugrundprofil ist in dieser Grafik dargestellt. (Quelle: Uretek)

Laut geotechnischer Untersuchung liegt die Fundamentsohle des Bauwerks im tiefer gelegenen Kellerbereich innerhalb von Lößlehmen aus schwach bis stark sandigen Schluff steifer Konsistenz. Darunter folgt schwach schluffiger, schwach kiesiger Sand beziehungsweise sandiger Kies mindestens mitteldichter bis dichter Lagerung. Der circa 2,20 Meter höher gelegene Kellerbereich gründet innerhalb einer Auffüllung aus locker gelagerten Sanden und Kiesen, die bis etwa 3,50 Meter unter die Fundamentsohle reichen. Darunter folgt dann der zuvor erwähnte Lößlehm in einer Schichtstärke von circa 30 Zentimetern, darunter wiederum die tiefermächtigen Sande und Kiese mitteldichter bis dichter Lagerung.

Räumliche Gegebenheiten machen minimalinvasive Methode notwendig

Durch diese Injektionslanzen wurde das Zweikomponenten-Expansionsharz flüssig und unter kontrolliertem Druck unter die Fundamentsohle der geschädigten Tragwände gepresst. (Quelle: Uretek)

Vor dem Hintergrund bereits aufgetretener Setzungsschäden aus dem Hochwasser und eventuell zusätzlicher Lasten aus der Sanierung sollten die Gründungsböden im spannungsrelevanten Bereich der Fundamente verstärkt und somit das Gebäude stabilisiert werden. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten in den engen Gewölbekellern sowie der prominenten Lage direkt am Residenzplatz vor dem Passauer Dom wurde das „DeepInjection“-Verfahren von Uretek empfohlen. Aufgrund der mobilen Baustelleneinrichtung sowie der Möglichkeit, auf engstem Raum ohne Zerstörungen des Umfelds zu arbeiten, entschieden sich die Verantwortlichen für diese Methode. Die Arbeiten erfolgten Mitte April 2016. Von den Kellern aus wurden im Abstand von circa 0,60 bis 1,20 Meter Bohrlöcher mit einem Durchmesser von 16 Millimetern gesetzt. Durch Injektionslanzen wurde das Zweikomponenten-Expansionsharz flüssig und unter kontrolliertem Druck unter die Fundamentsohle der geschädigten Tragwände gepresst. Währenddessen registrierte der am Bauteil befestigte Laserempfänger jede Bewegung der Baukonstruktion und der Umgebung.

Durch die Volumenvergrößerung der Harze (Polymerisation) sowie die dabei entstehende Expansionskraft wurden vorhandene Hohlräume aufgefüllt und der durchgehende Kraftschluss zwischen der Fundamentsohle und dem Baugrund wiederhergestellt. Durch weitere Materialzugabe kam es zu einer Verdichtung und Verspannung der Böden, die durch Anhebungsreaktionen an den Kellerwänden erkennbar wurde. Die Expansion der Harze erfolgt in Richtung des geringsten Widerstandes und damit genau dorthin, wo eine Verstärkung notwendig ist.

Menge des Expansionsharzes machen Ausmaß der Unterspülungen deutlich

Insgesamt wurden auf diese Weise circa 8,50 Kubikmeter Expansionsharz unter 81 Quadratmeter Fundamentsohlfläche injiziert. Damit ergeben sich im Durchschnitt circa 105 Liter Hohlräume/Porenvolumen je Quadratmeter Fundamentsohlfläche. Dieser Wert macht das Ausmaß der hochwasserbedingte Hohlraumbildung durch Ausspülung von Feinanteilen unter den Fundamenten deutlich und ist gleichsam eine Bestätigung für die Notwendigkeit der Baugrundverstärkungsmaßnahme. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 12.05.2022