Gegen Langeweile im Straßenbild: kreative Putztechniken geben Gebäuden individuellen Charme. Quelle: Sakret
Gegen Langeweile im Straßenbild: kreative Putztechniken geben Gebäuden individuellen Charme. Quelle: Sakret

Fassadensanierung

19. August 2021 | Teilen auf:

So putzt man Fassaden fein heraus

Thema des Monats August: Ob modern, historisch oder ganz kreativ: Putz kann mehr als die Fassade nur gegen mechanische Belastung zu schützen. Unterschiedliche Putzmörtel und kreative Putztechniken verleihen Fassaden einen individuellen Charakter.

Die Oberflächengestaltung von Putzflächen bietet eine schier unübersehbare Vielfalt an Strukturen und Farben, die eine individuelle Gestaltung von Fassaden erlauben. Dabei hängt die Fassade nicht nur vom verwandten Material ab. Auch Putztechnik und Strukturierung der Oberfläche bestimmen maßgeblich, wie die Fläche anschließend aussieht. Aktuell erleben „alte“ traditionelle Putztechniken eine Renaissance und werden oft mit modernen Verfahren kombiniert. Dadurch entstehen dauerhaft belastbare, ästhetisch anspruchsvolle Flächen, die den Charakter eines Bauwerks nachhaltig prägen.

Die Optik von Sichtbeton trifft den heutigen Geschmack eines puristischen Baustils, insbesondere im anspruchsvollen, modernen Wohnungsbau. Allerdings besteht selten die Möglichkeit diesen Designwunsch mit Beton zu realisieren. Aus diesem Grund ist es interessant die Anmutung von Sichtbeton durch Putz zu erreichen.

Dazu wird ein geeigneter Putz in einer Dicke von drei bis vier Millimetern auf den vorbereiteten Untergrund aufgetragen und plan verzogen. Die noch frische Putzoberfläche wird mit einem Putzbesen in gewünschtem Maße strukturiert, um die typischen Lunker und Poren des Schalungsbetons zu imitieren. Anschließend kann die Oberfläche mit einer rostfreien Stahlkelle nachgeglättet werden. Schalungsstrukturen und Abstandshalter werden mit Hilfe eines Fugeisens beziehungsweise einem runden Gegenstand (zum Beispiel einem Flaschendeckel) imitiert. Nach Trocknung ist der gewünschte Effekt erzielt.

Bossenputze verleihen Gebäuden ein repräsentatives Gewand

Bossenputze werden seit Jahrhunderten bei der Gestaltung repräsentativer Fassaden verwendet. Ursprünglich wohl entstanden aus der Imitation von Steinen erlauben Bossenputze eine Regelmäßigkeit in der Fläche, die mit Steinaufbauten nur schwer zu realisieren sind.

Im Laufe ihrer Entwicklung erlangten Bossenputze ein eigenständiges Aussehen, das sich nicht mehr unbedingt an der Mauerwerksimitation orientiert, sondern als eigenständiges Gestaltungsmerkmal verwendet wird. Das Kennzeichen von Bossenputzen sind die regelmäßig angeordneten Nuten in der Putzfläche.

Dazu wird ein Grundputz in ausreichender Dicke aufgezogen. Es ist zu beachten, dass die Dicke so bemessen wird, dass in den Nuten noch mindestens ein Zentimeter der Putzschicht erhalten bleibt. Die Lage der Nuten wird angezeichnet und die Nut mittels eines Stukkateureisens vorgezogen. So wird ein wesentlicher Teil des dann überschüssigen Mörtels entfernt. Während der Arbeiten darf die Putzoberfläche nicht abtrocknen, gegebenenfalls kann sie mit etwas Wasser feucht gehalten werden.

Anschließend werden die Nuten mit Hilfe eines Nutenhobels gezogen, die Oberfläche der Bossen grob vorgefilzt und die Ecken und Kanten korrigiert. Unebenheiten werden mit Hilfe des Gitterrabots korrigiert. Nach ausreichender Standzeit wird die gesamte Fläche mit einem feinen Filzputz überzogen, die Bossenflächen ausgefilzt und die Ecken der Nuten gerade abgezogen.

Besenstrich oder Kammzug sorgen für eine plastische Oberfläche

Kammzug- und Besenstrichstrukturen erzeugen ein Relief auf der Putzfläche. Quelle: Sakret

Der Putz, zum Beispiel ein Klebe- und Armierungsmörtel, wird auf den vorbereiteten Untergrund zwei bis vier Millimeter dick aufgezogen und anschließend geglättet. Anschließend wird der noch frische Putz mit dem gewünschten Werkzeug strukturiert.

Beim Besenstrich wird ein vorgewässerter Reisig- oder Kokosbesen mit geradem Borstenschnitt verwendet. Der Besen wird in der gewünschten Richtung grade oder in Wellen über den frischen, noch feuchten Putz gezogen. Dabei ist darauf zu achten, dass sich keine Putzreste im Besen ansammeln, die anschließend für Störungen in der Struktur sorgen. Eine Unterbrechung des Zuges ist nach Trocknung sichtbar.

Beim Kammzug wird der Putz mit einem speziellen Putzkamm oder einer Zahntraufel strukturiert. Bei dieser Technik muss im Vorfeld die Dicke der Putzschicht auf die gewünschte Struktur abgestimmt werden.

Ein Filzputz bildet eine sehr feine, nur durch freigelegtes Korn strukturierte Fläche, so können glatte Flächen erzeugt werden. Der Putz wird zwei bis drei Millimeter dick aufgetragen und plan verzogen. Nach dem Ansteifen des Mörtels wird die Fläche mit einem Filzbrett nachgerieben und so Unebenheiten beseitigt und das Korn freigelegt.

Kratzputz ist nicht nur optisch ansprechend, sondern auch robust

Ein Kratzputz bleibt auch ohne Algizide lange frei von Verunreinigungen und Mikroorganismen. Quelle: Sakret

Traditioneller Kratzputz ist die Putzvariante, die ohne den Einsatz von Algiziden oder ähnlichem am längsten Widerstand gegen Verunreinigungen und Besiedelung mit Mikroorganismen bietet. Durch den hohen Kalkgehalt des Materials und der Tendenz über lange Zeit leicht abzumehlen, verfügt er über gute Selbstreinigungskräfte.

Er wird je nach gewünschter Korngröße zehn bis 20 Millimeter dick aufgetragen und anschließend plan verzogen. Um eventuelle Lufteinschlüsse zu vermeiden, verwendet man dafür eine gezahnte Kardätsche und glättet anschließend mit einem Flächenspachtel nach.

Nach ausreichender Erhärtung des Mörtels wird die Oberfläche mit einem Kratzputzigel aufgerissen und flächig heruntergekratzt. Der richtige Zeitpunkt zum Kratzen ist dann erreicht, wenn sich Körner aus der Fläche sauber ablösen, Fachleute nennen das den Zeitpunkt „wenn das Korn springt“. Je nach Wetterlage ist das meist am Folgetag der Fall.

Von rustikalen Gestaltungen bis hin zur historischen Gestaltung sind der Kreativität mit unterschiedlichen Werkzeugen kaum Grenzen gesetzt. Quelle: Sakret

Freie Strukturen bieten viele Möglichkeiten zur Gestaltung Ihrer Fläche. Hier sind, wie der Name schon sagt keine Grenzen gesetzt. Von rustikalen Gestaltungen über moderne Techniken bis hin zur historischen Gestaltung kann alles realisiert werden.

Der Putz wird in der gewünschten Dicke – beispielsweise drei bis fünf Millimeter – aufgetragen und plan verzogen. Anschließend wird der noch frische Mörtel wie beabsichtigt strukturiert. Die Strukturierung muss über die gesamte Fläche einheitlich sein, Unregelmäßigkeiten durch unterschiedliche Handschriften mehrerer Personen sind auffällig. Nach dem Ansteifen des Mörtels kann der Putz mit einem feuchten Flächenstreicher oder einem Quast nachverbürstet werden.

Ist ein Hingucker mit Tradition: der Schleppputz

Schleppputze sind vor allem bei historischen Gebäuden in ländlichen Gegenden anzutreffen. Quelle: Sakret

Schleppputz ist eine äußerst rustikale Putzvariante die heute im Neubau praktisch nicht mehr auftaucht. Bei historischen Gebäuden sieht man diese Struktur jedoch häufig, vor allem in ländlichen Räumen.

Die spezielle Oberflächenstruktur entsteht dadurch, dass der grobe Unterputz angeworfen oder gespritzt wird, anschließend plan verzogen und nach kurzem Ansteifen mit einer Kardätsche oder traditioneller mit einem Holzbrett senkrecht nachgeschabt wird. Dabei entsteht die charakteristische Struktur aus einer Mischung von aufgerissenen Bereichen und Rillen aus rollendem Grobkorn.

Alternativ kann anschließend die Oberfläche erneut mit dem Holzbrett nachgeglättet werden. Dadurch ergibt sich dann ein Kontrast aus glatten Flächen und groben Rillen durch das Rollkorn. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der Website von Sakret.

Sakret bietet verschiedene Putzsorten an, die für die oben beschriebenen Putzarten eine optimale Grundlage bieten:
Mit dem „Sakret Sanierputz SP“ lässt sich ein Bossenputz, mit dem „Sakret Klebe- und Armierungsmörtel Kam san“ ein Besenstrich- beziehungsweise Kammzugputz, ein Putz mit Sichtbetonoptik oder ein Schleppputz erstellen, mit „Sakret Kratzputz KP“ ein Kratzputz. Fein und glatt gelingen Fassaden mit „Sakret Filzputz FP 270“. Für Strukturputze aus „freier Hand“ ist der „Sakret Modellierputz MP“ geeignet.