Eine weitläufige Draufsicht auf die österreichische Stadt Graz, die den Fluss Mur, den markanten Turm der Kirche Mariahilf und das dicht bebaute Stadtzentrum mit dem City Tower zeigt.
Die österreichische Stadt Graz von oben: Der „Urban Mining Screener“ soll sichtbar machen, welche Rohstoffe im Bestand schlummern - in Graz und anderswo. (Quelle: Lang.lebig Fotografie)

Nachhaltigkeit 2026-09-17T08:38:16.567Z Sichtbar machen, was drinsteckt

Die TU Graz hat ein Tool entwickelt, das lediglich die Adresse eines Gebäudes benötigt, um eine Einschätzung der verbauten Materialien zu ermitteln. Grundlage des „Urban Mining Screener“ sind öffentlich zugängliche Geodaten sowie sogenannte Gebäudearchetypen.

Um das Ressourcen-Potenzial des Gebäudebestands zu erfassen, hat das Institut für Architekturtechnologie der TU Graz gemeinsam mit Projektpartner Revitalyze das Tool „Urban Mining Screener“ entwickelt. Damit können, zunächst in Österreich, in Bestandsbauten vorhandene Rohstoffe und Bauelemente wie Beton, Ziegel und Holz ausgelesen werden.

„Das Wissen um vorhandene Ressourcen, die in Gebäuden verbaut sind, ist sehr wertvoll“, sagt Projektleiter Matthias Lang-Raudaschl vom Institut für Architekturtechnologie der TU Graz. „Mit der Information über zukünftig verfügbare Materialien in einer Region können etwa Rückbauunternehmen ihre Aufwände und die Logistik besser kalkulieren, Baustoffhersteller die Produktion von Recyclingbeton besser planen und Bauträger Teile wie Holzträger oder Fenster wiederverwenden.“

Geodaten verknüpft mit Archetypen

Die methodische Grundlage des Projekts bildet die Kombination von öffentlich zugänglichen Geodaten mit sogenannten Gebäudearchetypen. Für die Berechnung nutzt ein eigens entwickelter Algorithmus dreidimensionale Informationen aus OpenStreetMap, um Grundfläche, Umfang und Höhe eines Gebäudes zu bestimmen. Diese Daten verknüpft der Urban Mining Screener mit einem von 154 Gebäude-Archetypen, die in der Arbeitsgruppe Nachhaltiges Bauen am Institut für Tragwerksentwurf der TU Graz ausgearbeitet worden sind. Für diese Archetypen sind spezifische Kennwerte wie Baujahr, verbautes Material oder Energieklasse hinterlegt. Zusätzlich werden erfolgte Umbaumaßnahmen aufgenommen, um so Änderungen gegenüber dem ursprünglichen Bestand zu erfassen.

Potenzielle Alternative zu aufwendigen Messverfahren

Anhand dieser Datenbasis können Nutzer:innen in der Eingabemaske des Tools nur durch Eingabe einer Adresse eine Einschätzung der verbauten Materialien erhalten. Bei einem Testlauf an einem realen Gebäude hat sich gezeigt, dass insbesondere bei mineralischen Baustoffen die Einschätzung recht genau ist. Bei Materialien wie Kunststoff oder komplexen Metallkonstruktionen wie Handläufen waren die Ergebnisse nicht so genau, da diese noch nicht mit Archetypen abgebildet sind. Hier soll noch nachgebessert werden.

„Auch wenn es noch ein paar Herausforderungen gibt, hat der Urban Mining Screener das Potenzial, eine schnelle Alternative zu aufwändigen Erhebungsverfahren zu werden“, sagt Matthias Lang-Raudaschl. „Speziell auf Stadt- oder Regionsebene kann das Tool die Ressourcen wesentlich schneller darstellen. Auf dieser Ebene wäre die Genauigkeit der Einschätzungen wohl sogar höher als für Einzelgebäude. Diese Daten könnten für Simulationen zukünftiger Baustoffströme genutzt werden und die Kreislaufwirtschaft mit präzisen Prognosen unterstützen. Damit wird der Gebäudebestand systematisch als wertvolles Ressourcendepot sichtbar gemacht.“ Die Dateien des Urban Mining Screener sind auf GitHub öffentlich zugänglich.

zuletzt editiert am 17. September 2026
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