Serielle Sanierung von 194 Reihenhäusern in der Provinz Zeeland, Niederlande, mit vorgefertigten Elementen. (Quelle: Bouwbedrijf Joziasse)

Gebäude + Energie

06. January 2022 | Teilen auf:

Serielles Sanieren mit outPHit

Das EU-Projekt outPHit verfolgt zwei Ziele: Durch den Einsatz vorgefertigter Bauteile sollen Sanierungen vereinfacht und beschleunigt werden. Gleichzeitig ist eine hohe energetische Qualität zu erreichen. 17 Modellprojekte, bei denen serielle energetische Sanierungen durchgeführt werden sollen, stehen europaweit zum Testlauf bereit.

Der Bedarf an großflächigen energetischen Sanierungen ist enorm: Die 21 Millionen Gebäude Deutschlands benötigen nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur dena fast 75 Prozent ihres gesamten Energieverbrauchs nur für Raumwärme. Das ist in anderen europäischen Ländern ähnlich. Gleichzeitig schreibt die EU vor, bis 2030 großflächig Niedrigstenergiegebäude umzusetzen. Die Zeit für energetische Verbesserungen drängt also.

„Wir haben mit outPHit die Chance, Konzepte für schnelle Sanierungen mit vorgefertigten Elementen weiter zu entwickeln, und das in verschiedenen Klimaten. Mit diesen Konzepten können dann europaweit Sanierungen, die zuverlässig zu einem hoch energieeffizienten Gebäude führen, in großem Stil zügig umgesetzt werden“, erläutert Jan Steiger vom Passivhaus Institut, Projektkoordinator von outPHit. Derzeit werden im Rahmen von outPHit 17 Modellprojekte in sechs europäischen Ländern mit Passivhaus-Komponenten saniert und zusätzlich einem Monitoring unterzogen.

Sanierungsziel ist der EnerPHit-Standard

outPHit will Sanierungen vereinfachen sowie zuverlässig hoch energieeffiziente Gebäude realisieren. Diese Mehrfamilienhäuser in Griechenland … (Quelle: outPHit)

Die ausgewählten Gebäude in den Niederlanden, Griechenland, Frankreich, Spanien, Österreich und Deutschland sind überwiegend Mehrfamilienhäuser. Nach der Sanierung sollen diese nur noch wenig Energie zum Heizen und Kühlen benötigen. Dafür zielt die Modernisierung mit Passivhaus-Komponenten auf den EnerPHit-Standard, den Passivhaus-Standard für Altbauten. Der EnerPHit-Standard erlaubt einen geringfügig höheren Energieverbrauch als den, der Passivhäusern erlaubt ist.

… und Österreich gehören zu den 17 Modellprojekten. (Quelle: outPHit)

Für die serielle Sanierung sollen Bauprozesse digitalisiert und komplexe Bauteile bereits vorgefertigt zur Baustelle geliefert werden. Für einen zügigen Arbeitsablauf ist es nach Angaben der Projektbeteiligten wichtig, alle Fachleute an einen Tisch zu bringen: Das sichert die Qualität der Sanierung und spart sowohl Baukosten als auch Bauzeit. Mit der Installation von Solarmodulen können die Gebäude darüber hin- aus erneuerbare Energie erzeugen. All das innerhalb weniger Wochen nach dem Start der Modernisierung.

Pilotprojekte wie die Modernisierung von 194 Reihenhäusern in der niederländischen Provinz Zeeland sowie die von drei Wohnhäusern im niedersächsischen Hameln belegen die Vorteile der seriellen Sanierung ganz praktisch: Wie in Zeeland kamen auch in Hameln bei der Sanierung der Gebäude aus den 1930er-Jahren vorgefertigte Elemente zum Einsatz. Die Installation eines großen Dämmelements für die Fassade dauerte laut Architekt Stefan Oehler aus Berlin lediglich 20 Minuten. Die Wohngebäude erreichen nun den angestrebten EnerPHit-Standard. Die 17 europaweit ausgewählten Modellprojekte werden entweder mit vorgefertigten Elementen oder konventionell mit gut durchdachten Methoden zum EnerPHit-Standard saniert.

Bei der konventionellen Sanierung setzt outPHit auf effizientere Abläufe

Bei der konventionellen Sanierung sollen alle Projektbeteiligten zusammengebracht werden, um den Sanierungswilligen Geld und Zeit zu sparen. Fachleute versorgen die Gebäudeeigentümer mit genauen Informationen für fundierte Entscheidungen zu Sanierungsschritten und Investitionen. Zudem beraten sie Planungs- und Baufirmen.

Jedes der insgesamt 17 Modellprojekte wird im Rahmen von outPHit sowohl vor als auch nach der Sanierung mit Blick auf Energieverbrauch, thermischen Komfort und Luftqualität untersucht. Die 14 Wohngebäude mit über 200 Wohneinheiten sowie die drei Nichtwohngebäude werden in einem Zeitraum von drei Jahren nach dem EnerPHit-Konzept saniert. „Wir brauchen attraktive Ansätze, um den Gebäudebestand in der verbleibenden Zeit schnell und vor allem energetisch gut zu sanieren. outPHit bietet so einen Ansatz. Damit kommen wir beim Klimaschutz im Gebäudebereich ein gutes Stück voran“, erklärt Jan Steiger. Weitere Informationen unter www.outphit.eu.

zuletzt editiert am 06.01.2022