Ein Bild eines mehrstöckigen Wohnhauses mit Holzfassade, vor dem sich eine Baustelle mit einem Minibagger und Erdhaufen befindet.
Die Sanierung von zwei Gebäuden der TAG Immobilien AG in Salzgitter standen der Studie als Modell. (Quelle: TAG Immobilien AG)

Nachhaltigkeit 2026-09-09T13:54:08.604Z Serielles Sanieren: Effizient und gut fürs Klima

Eine Pilotstudie zu Lebenszyklusanalyse in der seriellen Sanierung vergleicht erstmals Treibhausgasemissionen und Kohlenstoffspeicherfähigkeit bei serieller und konventioneller Sanierung.

Serielle Sanierung kann die Treibhausgasemissionen von Wohngebäuden über den gesamten Lebenszyklus deutlich reduzieren und bietet zugleich Potenzial für die Kohlenstoffspeicherung. Das zeigt eine neue Studie des Kompetenzzentrums Serielles Sanieren der dena: Im untersuchten Modellprojekt sinken die Treibhausgasemissionen je nach Sanierungsvariante zwischen 74 und 81 Prozent, biobasierte Materialien in der Konstruktion erhöhen die Kohlenstoffspeicherfähigkeit.

„Unsere Studie stellt heraus, dass für die Klimawirkung eines Gebäudes neben der Energieeffizienz auch Materialien und Konstruktion, die technische Gebäudeausrüstung (TGA) sowie die Energieversorgung entscheidend sind“, betont Corinna Enders, Vorsitzende der dena-Geschäftsführung. „Mit der seriellen Sanierung treiben wir eine Lösung voran, die diese Aspekte zusammenführt. Sie macht Sanierung skalierbar und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende.“

Wirkungsvergleich über 50 Jahre

Die von der dena beauftragte Studie wurde von weber brunner pischetsrieder architektur und FrieNa – Friedel Nachhaltigkeitsberatung erstellt. Sie untersucht die Klimawirkung von Sanierungen über einen Zeitraum von 50 Jahren. Modellprojekte sind zwei unsanierte Mehrfamilienhäuser in Salzgitter, die der TAG Immobilien AG gehören. Das Immobilienunternehmen war als Kooperationspartner an der Studie beteiligt. Die 1962 erbauten Gebäude gehören zur Energieeffizienzklasse F. Sie werden mit vorgefertigten Holzständerelementen seriell saniert und auf den Effizienzhausstandard EH 55 gebracht. In drei Szenarien werden verwendete Baustoffe und Bauteile, die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) sowie der Energiebedarf in der Nutzungsphase betrachtet, um die Klimawirkung über den gesamten Lebenszyklus zu vergleichen. Die Szenarien „unsaniert“ und „konventionell saniert“ sind für die LCA-Betrachtung anhand der vorliegenden Daten simuliert worden.

Die Ergebnisse zeigen, dass die serielle Sanierung über den gesamten Lebenszyklus leichte Vorteile bietet: Gegenüber dem unsanierten Referenzzustand reduziert die konventionelle Sanierung die Treibhausgasemissionen um rund 74 Prozent, die serielle Sanierung um rund 79 Prozent. Die materialoptimierte serielle Variante mit Re-Use erreicht rund 81 Prozent. Ausschlaggebend sind unter anderem geringere Emissionen in der Konstruktion sowie geringere Wärmeverluste. Der gezielte Einsatz nachwachsender Rohstoffe (NaWaRo) und Re-Use-Materialien verbessert die Klimabilanz zusätzlich. Im untersuchten Modellprojekt spart die serielle Sanierung so rund 3.000 Tonnen CO₂-Äquivalente gegenüber dem unsanierten Gebäude ein.

TGA und Betriebsenergie als entscheidende Hebel

Der Aufwand für Sanierung und technischen Ausbau ist durch die deutliche Reduktion der Betriebsenergie bereits innerhalb der ersten zwei bis drei Jahre energetisch amortisiert. Entscheidenden Einfluss auf die Emissionsbilanz hat wiederum der gewählte Energiemix. Für eine wirksame Dekarbonisierung gilt es daher, Gebäudehülle, TGA und Energieversorgung gemeinsam zu betrachten.

Weitere Potenziale liegen in der gezielten Kombination von NaWaRo und Re-Use-Materialien. Sie können Gebäude zu Kohlenstoffspeichern machen: Kohlenstoff aus nachwachsenden Rohstoffen ist langfristig in Bauteilen gebunden, sofern eine Freisetzung am Ende der Lebensdauer vermieden wird. Vorgefertigte Bauteile und lösbare mechanische Verbindungen bei der seriellen Sanierung schaffen hierfür gute Voraussetzungen und erleichtern die spätere Wiederverwendung von Bauteilen und Materialien.

Handlungsempfehlungen für die Sanierungspraxis

Aufgrund der Studie empfiehlt die dena der Wohnungswirtschaft und Investoren, serielle Sanierungen mit biobasierten Materialien zu priorisieren und zirkuläre Prinzipien in Ausschreibungen zu verankern. Politik und Kommunen könnten den Rahmen für eine klimafreundliche Sanierung durch passende Förderbedingungen verbessern, etwa durch für Berücksichtigung von Kohlenstoffspeichern in der Förderung und erleichterte Zulassungen für ökologische Materialien. Die Lebenszyklusanalyse zeigt auch, dass mit der seriellen Sanierung die Anforderungen des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG) erreichbar sind. Damit eröffnet sich perspektivisch die Möglichkeit, die Nachhaltigkeits-Klasse als attraktiven Förderanreiz für die serielle Sanierung zu nutzen. Weitere Informationen über das dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren (energiesprong.de) >>>

zuletzt editiert am 09. September 2026
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