Zwei Monteure beim Ausbau der PVC-Fenster
Der Ausbau der ausgedienten Kunststofffenster in Weimar. (Quelle: Rewindo)

Bauwerkserhaltung 2023-12-20T08:00:00Z Senckenberg lässt alte PVC-Fenster recyceln

Das Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt unterhält am Standort Weimar eine Forschungsstation für Quartärpaläontologie, der gerade saniert wird. Unter anderem werden die Fenster erneuert. Dabei hat das Forschungsinstitut dafür gesorgt, dass die 60 ausgedienten PVC-Fenster nicht in die Müllverbrennungsanlage, sondern ins werkstoffliche Recycling gelangten.

Der Weimarer Gebäudekomplex des Instituts besitzt den Status eines Einzeldenkmals. Derzeit finden dort komplexe Baumaßnahmen statt: Sie umfassen neben einer Modernisierung der Sammlungsmagazine eine energetische und brandschutztechnische Sanierung unter anderem im Dachbereich und an den Fassaden. Dazu gehört auch die Erneuerung der Fenster als empfohlene Maßnahme zur Energieeinsparung. Die wissenschaftliche Einrichtung, die sich mit der Erforschung der Lebenswelt des Eiszeitalters befasst, entschied sich bei der Bauausführung für einen nachhaltigen Umgang mit den 60 ausgedienten PVC-Fenster: Sie kamen nicht in die Müllverbrennungsanlage, sondern ins werkstoffliche Recycling. 

Wiederverwertung im Sinne der Kreislaufwirtschaft 

„Wir fanden, dass diese Form der Wiederverwertung im Sinne der Kreislaufwirtschaft eine gute Idee ist und haben daher auf Hinweis des Thüringer Umweltministeriums den Kontakt mit dem Fensterrecycling-Spezialisten VEKA Umwelttechnik in Hörselberg nahe Eisenach aufgenommen“, berichtete John-Albrecht Keiler, Technisch-Konservatorischer Leiter der Senckenberg-Forschungsstation. Die VEKA Umwelttechnik GmbH ist einer der Recyclingpartner des bundesweiten Recyclingsystems Rewindo GmbH Fenster-Recycling-Service aus Bonn. „Wir koordinieren seit unserer Gründung 2002 für ganz Deutschland die Entsorgung und Wiederverwertung von PVC-Altfenstern, -türen und -rollläden in einem geschlossenen Materialkreiskauf“, so Rewindo-Geschäftsführer Michael Vetter. Ziel sei eine Steigerung der Recyclingmengen und damit ein wichtiger nationaler Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen der freiwilligen Selbstverpflichtung der europäischen PVC-Branche VinylPlus. „Wir haben im Jahr 2022 etwa 44.250 Tonnen PVC-Granulat aus Altfenstern, -türen und -rollläden und knapp 100.000 Tonnen aus Produktionsabfall und Profilabschnitten gewonnen“, so Vetter. 

Gleiche bauphysikalische Qualität wie Neuware 

Die Entsorgung der PVC-Altfenster aus Weimar ist eines von vielen Beispielen bundesweit. Die ausgebauten Bauelemente wurden in einem Container gesammelt und dann zur Recyclinganlage der VEKA Umwelttechnik transportiert. In einem technisch ausgereiften, vollautomatischen Prozess werden sie dort werkstofflich recycelt. „Zunächst erfolgt dabei die Materialtrennung in Glas, Gummi, Metall und Kunststoff-Bestandteile. Aus diesen entsteht am Ende ein nahezu sortenreines PVC-Rezyklat, welches bei den Fensterprofilherstellern erneut in die Produktion von Kunststoff-Recyclingprofilen einfließt. Diese Profile weisen die gleiche bauphysikalische Qualität auf wie Neuware. Das Rezyklat befindet sich dabei im Kern des Profils, an der Oberfläche sorgt neues PVC für den gewohnt weißen Anblick“, erläuterte Alexander Möhne, Vertriebsleiter der VEKA Umwelttechnik, den technischen Prozess. Dieser lasse sich materialtechnisch mindestens sieben Mal wiederholen, was den Lebenszyklus von Kunststofffenstern besonders nachhaltig mache. 

Forschungsstation strebt CO2-Neutralität an 

Eine kürzlich veröffentlichte Machbarkeitsstudie attestiert der Forschungsstation in Weimar die Möglichkeit, in absehbarer Zeit CO2-neutral zu werden. Dazu gehört auch die Umstellung von der Erdgasnutzung zur Geothermie-Versorgung. Die Modernisierung der Forschungsstation erfolgte indes nicht nur aus baulichen oder energetischen Gründen, sondern hat das Ziel, notwendige Aufnahmekapazitäten für Neuzugänge wissenschaftlich bedeutsamer Fundkomplexe aus eigenen Grabungen zu schaffen, wie Keiler erläuterte. „Zehn vorhandene Sammlungsmagazine mit 231 Sammlungsschrank-Einheiten sowie 225 Schrank-Aufsätzen auf 520 Quadratmeter sind bereits gefüllt. In diesen Magazinen befinden sich über 84.000 Funde“, so der leitende Konservator. Es gelte nun, zwei weitere Magazinräume für einen erwarteten Zuwachs von jährlich circa 500 Präparaten herzurichten. Weitere Informationen zu Rewindo >>> . Weitere Informationen zum Senckenberg Forschungsinstitut >>> .

zuletzt editiert am 21. Dezember 2023
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