Meist werden Dämmstoffe im Hinblick auf ihre kälteschützenden Eigenschaften betrachtet. Nun hat eine Absolventin der Frankfurt University of Applied Sciences untersucht, wie effektiv natürliche Dämmstoffe sind, wenn sie vor hohen sommerlichen Temperaturen schützen sollen – mit einem ernüchternden Ergebnis. Für ihre Arbeit erhielt sie den Absolventenpreis des Fördervereins.
Im Rahmen ihrer Master-Arbeit beschäftigte sich Viktoria Giss mit natürlichen Dämmstoffen, die eine sehr hohe Wärmespeicherfähigkeit aufweisen und deren Potenziale, Temperaturen in Innenräumen bei extremen sommerlichen Klimaverhältnissen günstig zu beeinflussen. Die Absolventin des Master-Studiengangs „Zukunftssicher Bauen“ an der Frankfurt University of Applied Sciences (FRA-AUS) ging bei der Bearbeitung ihrer Master Thesis von dem Ansatz aus, dass der prognostizierte Klimawandel und der damit verbundene Temperaturanstieg im Sommer einen eingehendere Beschäftigung mit dem Wärmeschutz von Gebäuden notwendig macht.
Zukünftig wird es wichtiger werden, die Temperaturen in Innenräumen zu senken. Ergeben Simulationsberechnungen mit aktuellen Klimadatensätzen und Einflussfaktoren wie Verschattung und Nachtlüftung noch angenehme Raumtemperaturen, verändert sich das Bild, wenn diese mit Extremklimadatensätzen geführt werden. Die Raumtemperaturen sind bei extremen sommerlichen Bedingungen sehr hoch und liegen außerhalb von normierten Komfortbereichen. „Diese wichtige Feststellung muss eingehend untersucht werden, da extreme Sommer schon jetzt realistisch sind und bald stark zunehmen werden. Der Bedarf an baulichen Optimierungsmöglichkeiten, die ein angenehmes Raumklima herbeiführen, steigt also enorm“, sagt Prof. Dr. Petra Rucker-Gramm vom Fachbereich Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik, die die Master-Arbeit betreute.
Das Ziel der Untersuchung war, unter Einsatz von natürlichen Dämmstoffen auch bei als mittelschwer und leicht eingestuften Konstruktionen, ein angemessenes Raumklima zu gewährleisten.
Giss belegte in ihrer Thesis den geringen Nutzen der Dämmung: Für einige Bauten konnte zwar durch den Einsatz von Dämmstoffen der Wärmetransport zu den Innenräumen reduziert werden, in der Gesamtbetrachtung der Wärmebilanz fällt die Verbesserung durch Dämmung jedoch gering aus. Denn die Wärmeeinstrahlung durch transparente Bauteile wie Fenster ist trotz Verschattungsmaßnahmen hoch und der geforderte Mindestluftwechsel bringt zusätzlich Wärme in den Raum. Somit kann durch Optimierung der Bauteile mit Dämmstoffen das Raumklima nur geringfügig beeinflusst werden, wenn das Außenklima entsprechend hoch ist.
„Verschattungsmöglichkeiten sind sehr gute Maßnahmen, um den Wärmeeintrag zu reduzieren, weil sehr viel Wärme durch die transparenten Bauteile, wie Fenster, in die Räume gelangt“, sagt Giss. Allerdings sei weiterer Forschungsbedarf nötig, weil diese das Tageslicht wegnähmen und die Sicht nach Außen verwehrten.
Der Förderverein der Hochschule zeichnet mit dem Absolventenpreis gute bis sehr gute Abschlussnoten aus und honoriert soziales oder kulturelles Engagement innerhalb der Hochschule und/oder aktive Beteiligung der Preisträger in Gremien der Frankfurt UAS. Der Absolventenpreis kann einmal pro Fachbereich und Semester vergeben werden.
