Schomburg entwickelt mit SIA („Schomburg Intelligent Assistant“) ein digitales Assistenzsystem, das Fachhandwerk, Baustoffhandel und Ausführungsbetriebe bei technischen Fragestellungen unterstützen soll. Der Assistent soll Produktinformationen, anwendungstechnische Hinweise und Verarbeitungsempfehlungen bereitstellen.
Die Nutzung erfolgt orts- und zeitunabhängig über geeignete Endgeräte. Grundlage ist ein fortlaufend aktualisierter Datenbestand mit Produktdaten, Verarbeitungsrichtlinien, normativen Bezügen und ergänzendem Fachwissen. Ziel ist es, Fachinformationen zur Planung und Ausführung von Abdichtungs-, Sanierungs- und Beschichtungsarbeiten standardisiert, strukturiert und schnell verfügbar zu machen.
SIA soll typische Fragestellungen aus Planung, Handel und Ausführung abdecken. Dazu gehören etwa Systemaufbauten für unterschiedliche Bauteile, Anforderungen an die Untergrundvorbereitung, Hinweise zu Schichtdicken und Verarbeitung in Abhängigkeit von Temperatur und Feuchtigkeit sowie die Kombination verschiedener Produkte innerhalb eines Systems. Ein Anwendungsbeispiel ist die Auswahl geeigneter Abdichtungssysteme in Abhängigkeit von Feuchtebeanspruchungsklassen, Untergrundart, Beanspruchungsniveau und vorgesehener Verarbeitungstechnik, etwa manuell oder maschinell.
Schematische Abläufe einzelner Arbeitsschritte und Grenzwerte
Das System bietet die Möglichkeit, produktspezifische Empfehlungen auf Basis definierter Randbedingungen zu generieren und damit technische Merkblätter, Sicherheitsdatenblätter und ergänzende Verarbeitungshinweise in strukturierter Form zusammenzuführen. Zu einzelnen Arbeitsschritten können schematische Abläufe hinterlegt werden, etwa von der Reinigung und Beurteilung des Untergrundes über die Grundierung und Spachtelung bis hin zur eigentlichen Abdichtung und nachfolgenden Schutz- oder Nutzschichten. Ergänzend können Grenzwerte, wie Mindest- und Maximaltemperaturen, zulässige Untergrundfeuchte, Wartezeiten zwischen Arbeitsgängen und Vorgaben zur Rissüberbrückung, berücksichtigt werden.
SIA ist mehrsprachig konzipiert, um in international besetzten Baustellenteams genutzt werden zu können. Dadurch lassen sich Ausführungsanforderungen und Verarbeitungsschritte in verschiedenen Sprachen darstellen, was die Abstimmung innerhalb der Teams erleichtern kann. Für Spezial- und Grenzfälle, etwa Mischuntergründe, komplexe Sanierungssituationen im Bestand oder besondere klimatische Rahmenbedingungen, wird eine Systemlogik implementiert, die mit Entscheidungsbäumen und Plausibilitätsprüfungen arbeitet und sich an technischen Regelwerken sowie produktspezifischen Kennwerten orientiert.
Pilotprojekt mit Fassbender Tenten
Die Einführung des Systems erfolgt schrittweise über eine Pilotphase. In diesem Rahmen wird SIA unter anderem bei Fassbender Tenten, einem regionalen Baustofffachhändler, im laufenden Tagesgeschäft eingesetzt. Der Fokus liegt dabei auf der praktischen Anwendbarkeit in der Beratung am Point of Sale, auf der Nutzerführung für das Verkaufspersonal und auf der Verständlichkeit und Detailtiefe der ausgegebenen Informationen.
Rückmeldungen aus dem Beratungsalltag betreffen unter anderem den Aufbau der Suchfunktionen, die Darstellung von Verarbeitungsschritten, die Einbindung von Normen- und Richtlinienverweisen sowie die Integration in bestehende Prozesse, etwa Angebots- und Dokumentationsabläufe. Diese Erfahrungen werden genutzt, um Struktur, Inhaltstiefe und Bedienkonzept des Assistenzsystems zu überarbeiten und an die Anforderungen im Baustoffhandel und in der Zusammenarbeit mit Handwerksbetrieben anzupassen.
Vorstellung beim Handwerker-Event in Köln
Am 14. April 2026 wurde im Rahmen eines Handwerker-Events in Köln-Zollstock SIA vor einem erweiterten Fachpublikum vorgestellt. Gezeigt wurde, wie das System in konkreten Beratungssituationen eingesetzt werden kann, beispielsweise wenn Abdichtungsaufbauten für erdberührte Bauteile geplant werden oder Detailfragen zur Verarbeitung von Bauwerksabdichtungen, Spachtelmassen oder Beschichtungen zu klären sind. Anhand typischer Praxisfälle wurde vor Ort demonstriert, wie schnell Informationen abgerufen und wie Verarbeitungsempfehlungen auf bestimmte Rahmenbedingungen angepasst werden können.
Die Entwicklung von SIA ist vor dem Hintergrund einer zunehmenden Digitalisierung von Planungs- und Ausführungsprozessen im Bauwesen zu sehen. Fachbetriebe und Handelsunternehmen stehen vor der Aufgabe, umfangreiche und sich laufend ändernde technische Informationen zu Produkten, Regelwerken und Prüfzeugnissen aktuell zu halten und in der täglichen Praxis anwendergerecht aufzubereiten. Digitale Assistenzsysteme können hier als Ergänzung zu klassischen Informationsquellen wie technischen Merkblättern, Normenkommentaren und Schulungsunterlagen dienen.
Diverse Anwendungsmöglichkeiten
Für Planende, Handel und Ausführung ergeben sich mögliche Anwendungsfelder in der schnelleren Auswahl regelkonformer Systemaufbauten, der standardisierten Bereitstellung von Detailinformationen zur Verarbeitung und der unterstützten Dokumentation von Beratung und Ausführung. Relevante Themen sind dabei Abbund und Schnittstelle zu technischen Regelwerken wie Normen und Richtlinien zur Bauwerksabdichtung, zur Instandsetzung von Betonbauteilen oder zum Ausbau und zur Sanierung von Bestandsgebäuden.
In der praktischen Umsetzung hängt der Nutzen eines solchen Systems wesentlich von der Qualität, Aktualität und Nachvollziehbarkeit der hinterlegten Daten ab. Ebenso wichtig ist die Integration in bestehende Arbeitsabläufe im Handwerk und im Baustoffhandel, etwa durch Verknüpfung mit Warenwirtschaftssystemen, digitalen Planungstools oder Dokumentationsplattformen. SIA ist vor diesem Hintergrund als ein Baustein innerhalb einer breiteren digitalen Infrastruktur im Bau- und Ausbaugewerbe zu verstehen, der die Verfügbarkeit und Strukturierung technischen Wissens unterstützen soll.
