Ein Konferenzraum mit mehreren Kameras und Teilnehmern, die einer Präsentation folgen.
Die Berliner Schimmelpilzkonferenz war auch in diesem Jahr wieder sehr gefragt: 102 Teilnehmer vor Ort sowie 45 Online-Teilnehmer besuchten bzw. verfolgten die Veranstaltung. (Quelle: RM Medien / Berlin Event Foto)

Schimmelpilze 2026-04-08T07:48:59.738Z Schimmelpilzkonferenz Berlin 2026

Die Schimmelpilzkonferenz in Berlin bestätigte auch 2026 ihre Rolle als zentrale Fachplattform für Prävention, Diagnostik und Sanierung von Schimmelpilzschäden. 102 Fachteilnehmer waren am 17. März vor Ort, 45 verfolgten die Veranstaltung per Livestream. Damit wurden Sachverständige, Planer, Bauingenieure, Architekten, Handwerksbetriebe sowie Vertreter von Behörden und Wohnungswirtschaft erreicht.

Ergänzt wurde das Vortragsprogramm durch eine begleitende Fachausstellung, auf der Hersteller von Mess- und Prüftechnik, Anbieter von Sanierungssystemen, Laboratorien sowie Dienstleister aus den Bereichen Lüftungstechnik, Bauforensik und KI-gestützter Analytik ihre Produkte und Dienstleistungen präsentierten. Die Ausstellung bot den Teilnehmenden Gelegenheit, die in den Vorträgen diskutierten Lösungen an Exponaten und in Live-Demonstrationen zu vertiefen und den direkten Austausch zu suchen. 

Pumpeffekt bei Estrichen und Innenraumhygiene 

Die erste Referentin, Dipl.-Ing. Silke Sous ging der Frage nach, ob Estrichkonstruktionen einen Pumpeffekt aufweisen und welche Konsequenzen dies für die Innenraumhygiene hat. Unter Pumpeffekt verstand sie das periodische Ein- und Austreten von Luft aus Estrich- und Dämmschichten durch Druck- und Temperaturschwankungen oder mechanische Belastung. Befinden sich in diesen Schichten Feuchte und organisches Material, können sich dort Schimmelpilze und Bakterien entwickeln. Über Fugen, Risse und Randbereiche können dann bei jedem Luftwechsel Sporen und mikrobielle Stoffwechselprodukte in den Aufenthaltsraum gelangen – selbst dann, wenn die Bodenoberfläche optisch unauffällig ist. 

Sous machte deutlich, dass feuchtegeschädigte Estriche somit nicht nur ein bautechnisches, sondern auch ein hygienisches Problem darstellen. Eine rein oberflächliche Sanierung, etwa durch Belagstausch, greift zu kurz. Erforderlich seien systematische Feuchte- und Materialuntersuchungen bis in den Estrichaufbau hinein und – je nach Befund – Trocknung oder Rückbau. Ziel ist es, luftführende Verbindungen zu mikrobiell belasteten Schichten zu vermeiden und eine dauerhafte Folgebelastung der Raumluft auszuschließen. 

Schimmelprävention bei energetischer Sanierung – Lüftungskonzepte 

Dr. Thomas Haumann beleuchtete die Zusammenhänge zwischen energetischer Sanierung, Luftdichtheit und Schimmelrisiko. Mit zunehmender Dichtheit der Gebäudehülle entfallen unkontrollierte Lüftungsverluste. Feuchte und Luftschadstoffe verbleiben länger im Gebäude, wenn kein geeignetes Lüftungskonzept vorhanden ist. In der Praxis zeigt sich, dass das reale Nutzerverhalten – insbesondere beim Fensterlüften – häufig hinter den Annahmen von Normen zurückbleibt und so die Schimmelgefahr erhöht. 

Haumann stellte unterschiedliche Lüftungsstrategien vor und verglich manuelle Fensterlüftung mit teil- und vollmechanischen Systemen. Mechanische Lüftung kann bei richtiger Planung und Wartung einen definierten Luftwechsel bereitstellen und Feuchtespitzen sicher abführen, ist aber nicht frei von Problemen wie Wartungsaufwand, Geräuschen und Akzeptanzfragen. Anhand von Modellberechnungen und Praxisbeispielen zeigte er, dass eine zuverlässige Schimmelprävention in energetisch sanierten Gebäuden nur mit einem integralen Lüftungskonzept möglich ist, das Technik, Nutzerverhalten und Bauphysik zusammenführt. 

Hygieneinspektion von RLT-Anlagen – Technik und Mikrobiologie 

Dr. Anne-Katrin Dupont und Dr. Oliver Röhl gaben einen Überblick über die Hygieneinspektion von raumlufttechnischen Anlagen (RLT). Sie zeigten, dass solche Anlagen entweder zur Verbesserung der Luftqualität beitragen oder – bei mangelhafter Wartung – selbst zur Quelle und Verteilstation von Schimmelsporen werden können. Kritische Komponenten sind insbesondere Filter, Kondensatwannen, Wärmetauscher und schwer zugängliche Kanalbereiche, in denen sich Feuchte und Schmutz ansammeln. 

Im Mittelpunkt stand die VDI 6022 als zentrales Regelwerk für die hygienegerechte Planung, den Betrieb und die Inspektion von RLT-Anlagen. Die Referenten beschrieben, wie mikrobiologische Probenahme (Luft-, Abklatsch- und Wischproben) und technische Beurteilung zusammenwirken müssen, damit die Laborergebnisse korrekt interpretiert werden können. Sie betonten, dass nur die Kombination aus bautechnischer Bewertung und mikrobiologischer Analytik eine verlässliche Aussage zum hygienischen Zustand einer Anlage ermöglicht. 

Bauforensik beim Nachweis mikrobieller Schäden 

Prof. Dr. Constanze Messal stellte die Rolle bauforensischer Methoden beim Nachweis mikrobieller Schäden vor, insbesondere den Einsatz von Bauforensiklampen. Diese nutzen Fluoreszenzphänomene bestimmter Stoffe, um verdächtige Bereiche zerstörungsfrei sichtbar zu machen. So können betroffene Flächen schnell eingegrenzt und Proben gezielt entnommen werden. 

Sie warnte jedoch vor einer Überinterpretation: Fluoreszenz bedeutet nicht automatisch Schimmel, und umgekehrt kann mikrobieller Befall auch ohne auffällige Leuchteffekte vorliegen. Anhand von Praxisbeispielen zeigte sie, dass Bauforensik vor allem als Screening-Instrument zu verstehen ist. Eine belastbare Bewertung erfordert weiterhin eine Kombination aus visueller Inspektion, bauphysikalischer Analyse und laborbasierter Mikrobiologie. 

Schimmelpilzsanierung in historischen Gebäuden 

Dipl.-Ing. Bert Kühl erläuterte die besonderen Anforderungen bei Schimmelpilzsanierungen in denkmalgeschützten Gebäuden. Historische Konstruktionen mit Fachwerk, Naturstein, alten Putzen und Beschichtungen reagieren empfindlich auf standardisierte Modernisierungen. Dichte Anstriche, ungeeignete Innendämmungen oder falsche Sanierputze können die Feuchtebilanz verschlechtern und Schimmel begünstigen. 

Kühl machte deutlich, dass in diesem Segment maßgeschneiderte, diffusionsoffene und kapillaraktive Lösungen benötigt werden, die mit den Vorgaben der Denkmalpflege abgestimmt sind. Schimmel tritt in historischen Gebäuden häufig gemeinsam mit anderen Schadstoffen (z. B. Holzschutzmitteln) auf, sodass integrierte Konzepte notwendig sind. Erfolgreiche Projekte beruhen auf sorgfältiger Bestandsanalyse, enger Abstimmung mit den Behörden und interdisziplinärer Zusammenarbeit. 

Sanieren im Bestand und die neue GefStoffV 

Christina Nixdorf-Doose stellte die Auswirkungen der überarbeiteten Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) auf die Sanierung von Wasser- und Schimmelschäden dar. Schimmel wird hier als biologischer Arbeitsstoff betrachtet, wodurch strengere Anforderungen an Gefährdungsbeurteilungen, Schutzmaßnahmen und Dokumentation entstehen. Dies erhöht zwar den organisatorischen Aufwand, verbessert aber die Rechtssicherheit und den Arbeitsschutz. 

Sie bezeichnete die neue GefStoffV als Wendepunkt: Betriebe, die ihre Prozesse nicht anpassen, riskieren Haftungsprobleme, während andere die Chance nutzen, sich als qualitätsorientierte Dienstleister zu positionieren. Standardisierte Abläufe, strukturierte Gefährdungsbeurteilungen, regelmäßige Schulungen und der Einsatz digitaler Dokumentationswerkzeuge wurden als zentrale Bausteine zukunftsfähiger Unternehmensstrukturen herausgestellt. 

KI-Analytik zur Schimmelpilzerkennung 

Der letzte Referent des Tages Charles Knepper zeigte, wie KI-basierte Bildanalyse die Schimmelpilzdiagnostik unterstützen kann. Visuelle KI-Systeme werden mit großen Bilddatensätzen trainiert, um Schimmelbefall von anderen Veränderungen zu unterscheiden. Bereits heute existieren mobile und stationäre Anwendungen, die aufgenommene Bilder vorbewerten und Hinweise auf mögliche Befallsbereiche geben. 

Knepper skizzierte Zukunftsszenarien, in denen KI mit Sensorik, Cloud-Computing und perspektivisch auch Quantencomputing verknüpft wird, um Risikoindikatoren für Schimmel in Echtzeit abzuleiten. Dennoch betonte er, dass KI ein Werkzeug zur Unterstützung bleibt: Die fachliche Bewertung, die Einordnung der Ergebnisse und die Ableitung von Maßnahmen liegen weiterhin in der Verantwortung des Sachverständigen. 

Fazit und Ausblick 

Die Schimmelpilzkonferenz 2026 zeigte wieder, dass der Umgang mit Schimmelpilzschäden ein Zusammenspiel von Bauphysik, Haustechnik, Mikrobiologie, Denkmalpflege, Recht und digitaler Technologie erfordert. Die begleitende Fachausstellung vertiefte die in den Vorträgen behandelten Inhalte durch Produkt- und Systemlösungen und förderte den Austausch zwischen Anwendern, Herstellern und Dienstleistern. Insgesamt unterstrichen alle Beiträge die Bedeutung von Diagnostik, klarer Regelwerke und einer weiteren Professionalisierung der Sanierungsbranche. 

Die nächste Schimmelpilzkonferenz findet am 9. März 2027 in Berlin statt und wird die in diesem Jahr angestoßenen Themen vertiefen und um neue Schwerpunkte ergänzen.

zuletzt editiert am 08. April 2026