Am 1. Oktober wurde die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes der ehemaligen Universitätsaugenklinik am Würzburger Röntgenring mit dem „Förderpreis zur Erhaltung historischer Bausubstanz“ des Bezirks Unterfranken ausgezeichnet. Die Baumaßnahme war von der Fraunhofer-Gesellschaft für das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC durchgeführt worden.
Insgesamt sechs Denkmäler aus neun Landkreisen und drei kreisfreien Städten werden im zweijährigen Turnus vom Bezirk Unterfranken mit dem Förderpreis ausgezeichnet. Die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. hatte im vergangenen Jahr die umfassende und denkmalgerechte Sanierung der ehemaligen Universitätsaugenklinik, in Würzburg bekannt als „Alte Augenklinik“, abgeschlossen.
Das historische Universitätsgebäude, das 1901 im neobarocken Stil errichtet wurde, prägt das Erscheinungsbild des Würzburger Röntgenrings. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir dieses städtebauliche Juwel nach über 40 Jahren Leerstand der oberen Stockwerke wieder einer anspruchsvollen wissenschaftlichen Nutzung zuführen konnten. Wir freuen uns über die Anerkennung durch diesen Förderpreis und danken dem Bezirk für diese große Ehre“, so der stellvertretende Leiter des Fraunhofer ISC, Dr. Thomas Hofmann.
Moderne Labortechnik im denkmalgeschützten Altbau
Die Sanierung der ehemaligen Augenklinik ist nicht nur nach Ansicht der Jury ein gelungenes Beispiel dafür, dass denkmalgeschützte Altbauten flexibel und nachhaltig für zukünftige, auch naturwissenschaftliche Nutzungen umgestaltet werden können: Statt Ressourcen aufzubrauchen und neue Fläche mit einem Neubau zu versiegeln, werden nun ehemals leerstehende Flächen genutzt, die unter Einhaltung des Denkmalschutzes energetisch saniert und mit moderner Technik ausgestattet wurden.
Innerhalb von drei Jahren wurde das historische Gebäude zu einem Standort für die Forschung des Translationszentrums für Regenerative Therapien des Fraunhofer ISC umgebaut und bietet heute Raum für Biolabors und Büros für 55 Mitarbeitende. Die Sanierung umfasste die drei Obergeschosse sowie das Dachgeschoss und schloss die Erweiterung des Untergeschosses durch einen unterirdischen Anbau ein. Besondere Maßnahmen beinhalteten die Einrichtung von Laborflächen und Büros sowie die Sanierung der Fassade und der Fenster. Der Mensabetrieb des Studierendenwerks im Untergeschoß des Gebäudes wurde dabei so wenig wie möglich gestört und lief ohne Unterbrechungen weiter.
Das mit der Sanierung beauftragte und im Denkmalschutz erfahrene Planungsbüro Kai Otto Architekten verfolgte von Beginn an eine Strategie, die BIM-gestützt bestmöglichen Erhalt, komplexe technische Belange für die zukünftige Nutzung als Bio-Zentrum sowie eine ressourcenschonende und energieeffiziente Bauweise gleichermaßen zum Ziel hatte.
Dreiklang aus Restaurierung, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Beim Innenausbau wurde besonders darauf geachtet, möglichst nachhaltige und gesundheitlich unbedenkliche Materialien zu verwenden. So wurde beispielsweise bei der Auswahl des Dämmstoffes für die Dachsanierung eine Polyurethandämmung ohne Aluminiumkaschierung eingesetzt. Der Dämmstoff wurde aufgrund seines geringen globalen Erwärmungspotenzials ausgewählt. Im Bereich der Gebäudetechnik wurde das Gebäude an das örtliche Fernwärmenetz angeschlossen und eine Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung installiert.
Historische Elemente wie der stuckverzierte Eingangsbereich, der Terrazzoboden, die geschnitzten Türen und Türstöcke und das großzügige Treppenhaus wurden restauriert, während alle Nutzräume modernisiert und mit zeitgemäßer Labortechnik ausgestattet wurden. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz ermöglichte dabei gute Lösungen im Interesse sowohl des Denkmals als auch der zukünftigen Nutzer. Weitere Informationen >>>