Hellwig
Dr. Runa Hellwig leistete einen Beitrag zum aktuellen Stand der Bedienerfreundlichkeit bei nutzerunabhängiger Lüftung. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P.John)

Bauwerkserhaltung 2013-10-21T00:00:00Z Rosenheimer Fenstertage 2013 thematisierten Lebensqualität und Umweltschutz

Unter dem Motto: Sicherheit und Komfort – mehr Lebensqualität trafen sich am 10. und 11.Oktober rund 1000 Teilnehmer aus 18 Ländern zu den Rosenheimer Fenstertagen. Neben fachlich fundierten Vorträgen zu den Themen Konstruktion, Recht und Sicherheit wurde das Thema der Wirtschaftlichkeit energetischer Sanierungen immer wieder aufgegriffen und teilweise kontrovers diskutiert.

Deutlich wurde in mehreren Vorträgen, dass auch heute schon Entwicklungen im Fensterbau und bei der Fassadensanierung, die der Umsetzung von Energiesparzielen dienen, mit den gestiegenen Anforderungen an Sicherheit, Komfort und Lebensqualität in Einklang stehen. Dass die Umsetzung dieser beiden Ziele noch große Herausforderungen beinhaltet, wurde unter anderem in einem Beitrag von Dr. Runa Hellwig von der Universität Augsburg deutlich. Sie ging auf die Nutzerfreundlichkeit und damit Wirksamkeit gebäudeautomatischer Anlagen ein, die der Optimierung des Raumklimas dienen.

Die Optimierung des Raumklimas nutzerfreundlich gestalten

Aus Sicht der Planer sind Anlagen, die das Raumklima dienen ein willkommenes Mittel Energie einzusparen und beispielsweise Tauwasser und Schimmelpilzbildung zu vermeiden. Aus der Sicht der Nutzer, sagt Hellwig, seien die Anforderungen an das Raumklima dagegen sehr unterschiedlich. Bei einer Untersuchung der Universität Augsburg stellte sich heraus, dass der Geräuschpegel von den Benutzern, die in einem Büro arbeiten, als wichtiger Parameter eines angenehmen Raumklimas beurteilt wurde, während Studenten ihn eher als unwichtig einschätzten. Zwischen der Wahrnehmung deutscher und malaysischer Studenten ergab sich dabei ein großer Unterschied in der Einschätzung der Be- und Entlüftung und der Luftbewegung im Raum. Für die malaysischen Studenten hatten beide einen wesentlich höheren Stellenwert.
Das, fasste Hellwig zusammen, zeige, wie verschieden die Erwartungen an eine angenehme Umwelt bei den Benutzern sind. Gerade dort, wo sich viele Nutzer in einem Raum aufhielten, seien die Anforderungen an die Bedienerfreundlichkeit der Anlagen besonders hoch.

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Zwischen den Vorträgen wurden Kontakte geknüpft und gepflegt.(Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P.John)

Einflussnahme erhöht die Zufriedenheit

Als signifikanter Faktor für die Zufriedenheit mit raumklimatischen Bedingungen, stellte sich laut Hellwig heraus, ob die Benutzer selbst Einfluss nehmen können. Dazu passten die Ergebnisse einer Umfrage, bei der sich die meisten Nutzer angaben, sich in einem Gebäude im Bezug auf ihre mögliche Einflussnahme wohlzufühlen, in dem die Fenster selbst geöffnet werden konnten. Die geringste Zufriedenheit ergab sich bei einem Gebäude, das vollautomatisch belüftet wurde und sich die Fenster nicht öffnen ließen.

Bei Signalen, die zum Öffnen von Fenstern anregen sollen, gaben nur 40 bis 60 Prozent der Nutzer an, die Anweisung zu befolgen. Fenster würden vor allem dann geöffnet, wenn es in einem Raum nach dem subjektiven Empfinden zu warm sei oder frische Luft fehle, auch wenn die Signale einen anderen Rhythmus vorschlagen. Hellwig forderte, dass der Ansatz der Usability, den es in der Softwareentwicklung gibt, auch für Gebäude umgesetzt wird. Dazu seien noch viele Untersuchungen nötig. Wenn automatische Anlagen in Gebäuden heute geplant würden, sollten dabei dringend die bereits vorliegenden Erkenntnisse berücksichtigt werden. Gerade im Hinblick auf die aktuelle Diskussion über nutzerunabhängige Lüftungssysteme stellte Hellwigs Vortrag einen wichtigen Beitrag zu den Perspektiven dar, die sich aus verschiedenen Konzepten ergeben.

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Dr. Odette Moarcas gab Hinweise für die Verwendung der DIN 68800 in der Praxis. (Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P.John)

Die Holzschutznorm in der Praxis anwenden

Dr. Odette Moarcas vom IFT Rosenheim gab Hinweise zu einem sinnvollen Umgang mit der neuen DIN 68800 für Holzschutzmittel. Ziel der DIN sei eine Reduzierung des chemischen Holzschutzes auch auf Hölzern, die an sich schutzbedürftig seien. Die Herstellerangabe: Holzschutz nach DIN 6880, reiche in der Praxis nicht aus, einen angemessen Holzschutz nachzuweisen.

Moarcas erläuterte, dass Grundlage für eine Entscheidung zum Holzschutzmitteleinsatz immer die in der DIN angegeben Kriterien wie Beanspruchungsklasse, Holzart, Gebrauchsklasse oder Schutzniveau sein müssen. Diese müssten für das geplante Objekt spezifisch bestimmt werden.
In der Planungsphase sei es wichtig, dass die genauen Anforderungen mit dem Hersteller der Fenster detailliert abgesprochen werden. Nur so könne man dem Umstand begegnen, dass die Normung allein in der Praxis nicht ausreichend ist. Nur der Vermerk des Herstellers auf dem Lieferschein der Fenster weist den genauen Einsatzbereich der Fenster aus.

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Die Rosenheimer Fenstertage 2103 wurden von rund 1000 Teilnehmern besucht.(Abb.: B+B BAUEN IM BESTAND/P.John)

Wartung hilft Holzschutzeinsatz zu vermeiden

Abschließend stellte Moarcas eine Untersuchung vor, in der 2 bis 19 Jahre alte, deckend beschichtete aber nicht chemisch behandelte Fichtenfensterrahmen eines Plattenbaus auf Fäulnis untersucht wurden. Lediglich 0,5 Prozent der Fenster wiesen Fäulnis auf. Sie befanden sich alle an der Westseite des Gebäudes. Mit entsprechender Wartung, also einer regelmäßigen Erneuerung der Beschichtung, lasse sich der Einsatz von Holzschutzmitteln völlig vermeiden. Auch gäbe es, sagte Moarcas, die Möglichkeit chemischen Holzschutz nur in den Verbindungen der Bauteile aufzutragen. Untersuchungen zeigten, dass die Beanspruchung hier am höchsten sei.

Einen ausführlichen Bericht zu den Rosenheimer Fenstertagen mit einem Schwerpunkt auf dem Thema energetische Sanierung finden Sie in der nächsten Ausgabe der B+B Bauen im Bestand. Sie erscheint am 4.11.2013.

zuletzt editiert am 09. April 2021
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