Rohstoffe - Holz
Die Preise für Holz sind seit Jahresbeginn dramatisch gestiegen. (Abb.: angieconscious / pixelio.de)

Bauwerkserhaltung 2021-04-15T00:00:00Z Rohstoffe: Lieferschwierigkeiten und saftige Preissteigerungen

Zwar gilt immer noch, dass die Bauwirtschaft vergleichsweise gut durch die Corona-Krise kommt, aber die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten macht der Branche mittlerweile große Sorgen: Meldungen über Lieferschwierigkeiten bei verschiedenen Rohstoffen gehen einher mit saftigen Preissteigerungen.

Die Situation betrifft gleich mehrere wichtige Rohstoffe. So berichtet der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e.V. (VDPM) beispielsweise, Hersteller von Putzen, Mörtel, aber auch von Dämmstoffen hätten Lieferschwierigkeiten angekündigt. Der europäische Verband CEPE (European Council of the Paint, Printing Ink, and Artist’s Colours Industry) führe die Zuspitzung der Lage insbesondere auf die unerwartet schnelle Erholung in China zurück. Diese heize die Nachfrage nach wichtigen Rohstoffen an.

Und das habe Folgen, betont VDPM Hauptgeschäftsführer Dr. Hans-Joachim Riechers: „Hersteller von WDVS, Putzen und Mörtel berichten seit geraumer Zeit nicht nur über Lieferschwierigkeiten bei wichtigen Rohstoffen, sondern auch über die kräftigen Preissteigerungen, die damit verbunden sind.“ Nach Einschätzung des VDPM wird sich die Situation nicht so schnell entspannen. Die Lieferschwierigkeiten könnten zu Verzögerungen führen. Vor diesem Hintergrund rät der VDPM den verarbeitenden Fachunternehmen dazu, sich bei Ausschreibungen und Angeboten intensiv mit den jeweils aktuellen Entwicklungen der Situation am Markt auseinanderzusetzen und sich laufend bei ihren Lieferanten zu informieren.

Für ähnlich kritisch hält der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz die Situation. Auf deutsche Bauherren und Sanierer rolle derzeit eine „beispiellose Welle von Preiserhöhungen bei Rohstoffen und Materialien für den Ausbau“ zu. Die Preise für Dämmstoffe wie EPS seien im April bereits um rund 50 Prozent gestiegen, die Preise für Trockenbauprofile und OSB-Platten gingen ebenfalls „durch die Decke“, manche Hersteller von Rohstoffen und Vorprodukten hätten bis Mai Erhöhungen bis zu 50 Prozent angekündigt. „Die Preise für praktisch alle Baumaterialien, vom Sanitärsilikon bis zu Farben und Lacken, ziehen ebenfalls drastisch an“, so der Verband weiter. Selbst Farbeimer und andere Verpackungen würden von den Erhöhungen erfasst.

Gesamte Baubranche ist betroffen
Dass die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten die gesamte Baubranche betrifft, belegt die Frühjahrsumfrage des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). Danach sehen zwei Drittel der Unternehmen bei mineralischen Rohstoffen wie Sand, Kies, Beton und Zement zwar noch eine problemlose Verfügbarkeit, bei Stahl sind es aber nur knapp 30, bei Kunststoffen circa 20 und bei Holz gar nur 16 Prozent. Holz war durch die Corona-Pandemie aber auch extreme Witterungen weltweit stärker in den globalen Handel gezogen worden. Vor allem die USA und China kaufen derzeit Holz in Europa ein, was ein Grund für die Lieferschwierigkeiten und die steigenden Preise sind.

Annähernd alle vom ZDB befragten Unternehmen haben in den letzten drei Monaten Preissteigerungen bei Baumaterial festgestellt: 75 Prozent sprechen von deutlichen und 22 Prozent von leichten Preissteigerungen. In den kommenden Monaten rechnen sie nach Angaben des ZDB mit einer Fortsetzung des Trends. Die Verknappung von Materialien sowie die insgesamt noch hohe Nachfrage nach Bauleistungen trieben die Einkaufspreise weiter in die Höhe. Daher sei auch mit steigenden Baupreisen zu rechnen, denn 60 Prozent der Unternehmen planen, in den folgenden Monaten ihre Verkaufspreise entsprechend anzupassen, nachdem dieses in den vergangenen Monaten nur gut der Hälfte der Unternehmen gelungen war.

Manche befürchten eine Pleitewelle
Die Folgen könnten gravierend sein: „Diese heftigen Preiserhöhungen treffen das Handwerk völlig unerwartet. Unsere Betriebe können das nicht abpuffern, in den Verträgen mit den Kunden ist dafür kein Spielraum“, sagt das für Technik und Märkte zuständige Vorstandsmitglied des Bundesverbands Farbe Gestaltung Bautenschutz (BFGB), Dietmar Ahle. Die Preiserhöhungen träfen die Branche in einer Phase, in der die Kapitaldecke bei Bauherren ebenso wie bei den Handwerksbetrieben ohnehin dünner werde. Die befürchtete Konsequenz: Stillstand auf den Baustellen und eine Pleitewelle bei den Betrieben. Märkte wie die Wärmedämmung und der Innenausbau, die die Branche in der Krise bisher stabilisiert haben, könnten abgewürgt werden. Bei der Wärmedämmung drohe ein herber Rückschlag für die Energiewende im Bau, mit entsprechenden Folgen für die Klimaziele.

Die Frühjahrsumfrage des ZDB spiegelt diese getrübte Erwartungshaltung wider – auch wenn die Lage insgesamt noch nicht als so dramatisch wie vom BFGB wahrgenommen wird: Zwar bewerten mehr als 70 Prozent der im Wohnungsbau tätigen Unternehmen und 60 Prozent der im Ausbau tätigen Unternehmen ihre Geschäftslage als „gut“. Unter den überwiegend im Wirtschaftsbau, Straßenbau oder öffentlichen Hochbau tätigen Unternehmen sind es aber jeweils nicht einmal 30 Prozent. Und die Geschäftserwartungen der kommenden Monate beurteilen Unternehmen aller Bausparten deutlich skeptischer: Fast 20 Prozent sehen eine Verschlechterung der Situation; zwei Drittel gehen von einer stabilen Baukonjunktur aus; und nur 14 Prozent erwarten eine weitere Verbesserung.

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zuletzt editiert am 19. April 2021
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