Ein Roboterarm, der mit einem Laser eine Mauer aus Ziegelsteinen ausrichtet, während ein Arbeiter im Hintergrund ein Tablet hält.
Von einer roten Laserlinie ausgerichtet errichtet ein Roboterarm eine Ziegelmauer. (Quelle: Dr. Michael Braun)

Bauwerkserhaltung 2026-01-29T08:50:00Z Robotik im Handwerk

Handwerksbetriebe stehen vor wachsenden Herausforderungen: Umbau und Sanierung im Bestand werden zunehmend komplexer, der Zeitdruck steigt und der Fachkräftemangel verschärft sich. Digitale Werkzeuge und robotische Systeme versprechen Entlastung. Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Bauhaus-Universität Weimar untersucht die Frage, wie sich diese neuen Technologien so einsetzen lassen, dass sie Handwerker:innen im Alltag helfen.

Technologische Neuerungen wie digitale Bestandserfassung, vernetzte Planung oder kollaborative Robotik werden immer erschwinglicher und zugänglicher. Dies bietet vor allem kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben große Chancen: So lassen sich beispielsweise Planung und Ausführung unmittelbar verzahnen, entsprechende Arbeitsprozesse zusammenführen und beschleunigen sowie bauliche Tätigkeiten automatisieren. Doch: Ohne den Menschen funktioniert das Handwerk nicht, und allzu oft laufen rein autonome oder maschinelle Bauverfahren ins Leere. Ziel des Forschungsprojekts „Handwerk der Zukunft“, das vom europäischen Sozialfond von 2026 bis 2028 mit circa einer Million Euro gefördert wird, ist es daher, Handwerkerinnen in den Fokus zu nehmen – und digitale Innovation und Anwendung aus der Perspektive ausführender Handwerkerinnen und in Zusammenarbeit mit Planungsbüros und Betrieben zu entwickeln.

Enge Zusammenarbeit von der Planung bis zur Baustelle

Dazu arbeiten Architektinnen, Bauingenieurinnen, Designerinnen und Informatikerinnen der Bauhaus-Universität Weimar mit Planungsbüros und Handwerksbetrieben eng zusammen. Sie betrachten den gesamten Prozess von der Bestandsaufnahme über die Planung bis zur Ausführung und entwickeln anwendungsorientierte Konzepte – insbesondere für den Baubestand. Bis 2028 soll eine Reihe von Lösungen entstehen, die Betriebe bei der Einführung und Umsetzung digitaler Technologien unterstützen und sich flexibel in bestehende Arbeits- und Bauabläufe integrieren lassen. Die entwickelten Ansätze werden unter anderem mit kollaborativen Industrierobotern getestet, weiterentwickelt und anschaulich demonstriert. Mögliche Einsatzmöglichkeiten reichen von der Analyse des Bauwerkszustands über das Markieren von Wandöffnungen bis hin zum Abtragen von Materialien.

Konkrete Anwendung statt abstrakter Lösungen

In der baulichen Praxis scheitert der Einsatz digitaler Technologien oftmals an fehlenden Standards und Schnittstellen, mangelnder Anwendungspraxis und Erfahrung und mancherorts an fehlendem Wissen in den Betrieben selbst. Genau hier setzt das Projekt „Handwerk der Zukunft“ an: Statt Menschen durch digitale Verfahren und Robotik zu ersetzen, stehen die Bedürfnisse, Kenntnisse und Kompetenzen der Handwerker:innen im Mittelpunkt und stellen einen integralen Bestandteil des Forschungsprojekts dar. Hierzu analysiert das Forschungsteam alle notwendigen Arbeitsschritte und entwickelt praxisnahe Schnittstellen und Anwendungen, wie digitale Verfahren und Robotik im Baubereich und insbesondere bei Umbau und Sanierungsmaßnahmen gezielt unterstützen können.

Handlungsfähige Betriebe durch „assistive Digitalisierung“

Insbesondere kleine und mittelständische Betriebe sollen von den Ergebnissen profitieren. Beispielsweise können digitale Verfahren und robotische Systeme körperlich belastende Arbeiten reduzieren, Arbeits- und Gesundheitsschutz verbessern und auch kleine Teams befähigen, größere Auftragsvolumen zu bewältigen. Darüber hinaus lassen sich mithilfe präziser, datenbasierter Planungs- und Bauprozesse mögliche Fehler und Nacharbeiten vermeiden und der Materialeinsatz effizienter planen. Eine solche „assistive Digitalisierung“ hält die Betriebe handlungsfähig und erhöht zugleich die Attraktivität des Berufsfelds für junge Nachwuchskräfte. Unterstützt wird das Projekt durch eine Vielzahl von Industriepartnern und einem in Kürze zu gründenden Industriebeirat. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 27. Januar 2026