In der Kleinstadt Gröningen in Sachsen-Anhalt wird derzeit das Rittergut Edelhof aus dem 17. Jahrhundert an höchste Standards angepasst. Die Ziele: nachhaltige Energie und Wärme, günstiges Wohnen sowie eine lebenswerte Innenstadt. Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 300.000 Euro gefördert.
Die DBU hat kürzlich damit begonnen, auf ihrer Webseite verschiedene wegweisende Projekte in den östlichen Bundesländern vorzustellen, die untrennbar mit den Anfängen der Stiftung verbunden sind. Seit 35 Jahren fördert die Stiftung in den ostdeutschen, damals „neuen“ Bundesländern Projekte, die für Klima- und Umweltschutz stehen. Den machte das Rittergut in Gröningen.
Das Rittergut-Projekt habe „Vorbildcharakter“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Es ist ein Symbol dafür, dass die DBU in Sachsen-Anhalt und anderswo lebenswerte Innenstädte fördern will.“ Denn dies ist neben nachhaltiger Energie und Wärme sowie günstigem Wohnen ein weiteres Ziel der Modernisierung des Baus aus dem 17. Jahrhundert. Nach Bondes Worten bietet die Restaurierung von Kulturgütern eine gute Gelegenheit für Innenstädte und Anwohner: „Klimaneutrale Energieerzeugung, moderne Dämmung und intelligente Speichersysteme ermöglichen in historisch wertvollen Bauten günstigen Wohnraum.“ Die besondere Kulisse alter Gebäude werde erhalten und verleihe den Quartieren zusätzliche Lebensqualität.
Modellhaft soll ein solches Konzept bis April 2028 in dem seit den 1990er-Jahren nicht mehr bewohnten Rittergut Edelhof in Gröningen entwickelt werden. Für den wissenschaftlichen Projektleiter Prof. Dr. Harald Garrecht ist das die eigentliche Bedeutung des Projekts: „Unser Vorhaben soll Vorbild für andere historische Bauwerke in Sachsen-Anhalt und in ganz Deutschland sein. Wir erarbeiten mit den Erkenntnissen einen Leitfaden für innovative, nachhaltige Sanierung von Kulturgütern besonders in Kleinstädten.“
Premiere: Wasser-Eisspeicher im historischen Gebäude

Das Rittergut Edelhof wartet zudem mit einer Neuheit auf: Es ist das Kulturgut, wo bundesweit einer der ersten Wasser-Eisspeicher in einem historischen Gebäude eingesetzt wird – zur Gewinnung von Heizwärme bei Minusgraden. Dabei entzieht eine Wärmepumpe dem Wasser Energie, bis es gefriert. Das Rittergut wird mit Wärme versorgt und benötigt keine großen Batteriespeicher. Garrecht: „Der Wasser-Eisspeicher ergänzt das im Dach installierte Wärmeversorgungssystem. Dieses entzieht bei Plusgraden Wärme aus der Umwelt und heizt das Gebäude.“ Das Zusammenspiel dieser beiden Konzepte reduziere die benötigte Energie zum Heizen um bis zu 50 Prozent.
Ergänzt werde die nachhaltige Wärmeerzeugung durch einen neu entwickelten Dämmputz, so Garrecht. Er bestehe aus Lehm und Aerogelen. „Diese Dämmung reduziert die abgegebene Wärme um bis zu 50 Prozent bei einer Dicke von nur drei bis vier Zentimetern“, sagt Garrecht. Strom werde künftig per Photovoltaik auf den Dächern des Ritterguts erzeugt. Der Clou: „Die Solaranlagen sind in die historischen Dächer integriert. Neu entwickelte Photovoltaik-Dachsteine heben sich optisch nicht von den gewöhnlichen Dachziegeln ab“, erklärt Garrecht. In Sachsen-Anhalt seien das häufig sogenannte Linkskremper, also seit dem späten Mittelalter gebräuchliche Tondachziegel mit einer Auswölbung an der linken Seite. Garrecht: „Auf diese Weise erhält das Projekt das historische Erscheinungsbild und produziert gleichzeitig günstige, grüne Energie.“ Nach Garrechts Worten wurden ähnliche Systeme bereits bei der Renovierung der historischen Gartenstadt Margarethenhöhe in Essen sowie der Speicherstadt Hamburg verwendet. Das ermögliche günstige Betriebskosten für künftige Bewohnerinnen und Bewohner sowie nachhaltige, emissionsarme Energieversorgung.
Erneuerbare Energien machen günstiges Wohnen möglich
Bei allen Restaurierungen sollen historisches Aussehen und Aufbau des Ritterguts nach Garrechts Worten nicht verändert werden. Garrecht: „Günstiges, modernes Wohnen wertet die Stadtzentren auf und wird durch erneuerbare Energien und intelligente, nachhaltige Konzepte möglich. Die neue Nutzung von historischen Bauwerken unterstützt den Denkmalschutz und schafft gleichzeitig schöne, lebenswerte Innenstädte für die Menschen.“ Der während der Renovierung entstehende Leitfaden kann Garrecht zufolge gut auf andere historisch wertvolle Gebäude übertragen werden. Bei der Entwicklung unterstützen das Deutsche Fachwerkzentrum Quedlinburg sowie mehrere kleine und mittelständische Unternehmen.
Ressourcenschonender Umbau statt Abriss
Für DBU-Referentin Constanze Fuhrmann ist das Projekt ein Beleg für gutes Zusammenwirken von Kulturgüter- und Umweltschutz. „Die am Rittergut Edelhof entwickelten und getesteten Ansätze werden den wachsenden Anforderungen an energetische Sanierung historischer Gebäude gerecht“, so Fuhrmann. Ressourcenschonender Umbau vermeide den Verlust wertvoller Bausubstanz und trage gleichzeitig aktiv zur Reduzierung von klimaschädlichen Emissionen bei. Fuhrmann weiter: „Viele historische Gebäude wie das Rittergut Edelhof stehen leer. Zukunftsfähige Konzepte zur Instandsetzung sorgen für wertigen Wohnraum und bewahren historische Bauwerke für die Nachwelt.“ Zudem trage der Erhalt von Bestandsgebäuden durch die Einsparung von Ressourcen im Vergleich zum Neubau auch zur Reduzierung klimaschädlicher Emissionen in der Baubranche bei. Weitere Informationen und Projekte der DBU-Serie >>>