Mit zwei Zukunftsprojekten ist das Exzellenzcluster Integratives computerbasiertes Planen und Bauen für die Architektur (IntCDC) der Universität Stuttgart derzeit auf der Landesgartenschau in Wangen vertreten. Der Wangen Turm und der Hybrid-Flachs Pavillon sollen zeigen, welche Potenziale biobasierte Materialien für eine nachhaltige Architektur bieten.
„Der Wangen Turm und der Hybrid-Flachs Pavillon sind das Ergebnis langjähriger Forschung des Exzellenzclusters. Die Bauwerke wurden in Kooperation mit regional ansässigen Unternehmen umgesetzt. So soll der gegenseitige Wissenstransfer zwischen Forschung und ausführenden Unternehmen sichergestellt werden mit dem Ziel, die Bauprozesse ökologisch zu optimieren und damit wichtige Grundsteine für die Bauwende zu legen“, sagte Professor Achim Menges, Sprecher des IntCDC, im Rahmen der Eröffnungsfeier der baden-württembergischen Landesgartenschau. Beide Konstruktionen wurden nach neuesten Erkenntnissen der Digitalisierungs- und Leichtbauforschung geplant.
Nach nur knapp zehn Monaten Planungszeit wurden der Wangen Turm und der Hybrid-Flachs Pavillon am 26. April 2024 eingeweiht. Die ausdifferenzierten und somit besonders ressourcenschonenden, vollständig rückbau- und wiederverwendbaren Konstruktionen wurden durch integrative computerbasierte Planungsmethoden und digitale Fertigungsprozesse ermöglicht. Sie zeigen den Besucherinnen auf unterschiedliche Weise, wie biobasierte Materialien neue Wege für eine regenerative Architektur ermöglichen. Bis zum 6. Oktober sind beide Bauten als Teil der Landesgartenschau erlebbar, nach Ausstellungsende verbleiben sie auf dem Gelände.
Hybrid-Flachs Pavillon: Ressourcenschonende Holz-Naturfaser-Hybridkonstruktion
„Dieser Pavillon ist das erste Gebäude weltweit, das auf diese Weise Naturfasern verwendet. Die Schneelast, die der Pavillon in Wangen tragen muss, beträgt bis zu 360 kg/qm und ist damit außergewöhnlich hoch“, sagt Professor Jan Knippers, Leiter des Instituts für Tragkonstruktionen und konstruktives Entwerfen an der Universität Stuttgart.
Der Hybrid-Flachs Pavillon ist ein zentraler Ausstellungsbau auf dem Landesgartenschaugelände. Seine Holz-Naturfaser-Hybridkonstruktion ist eine Alternative zu konventionellen Bauweisen. Die in dieser Form einzigartige Konstruktion kombiniert schlanke Brettsperrhölzer mit robotisch gewickelten Flachsfaserkörpern in einem neuartigen, ressourcenschonenden Tragsystem aus regionalen, biobasierten Bauwerkstoffen mit einem besonderen örtlichen Bezug. So wurde Flachs vormals in der örtlichen Textilindustrie verarbeitet, deren altes Spinnereigelände im Zuge der Landesgartenschau saniert wurde. Die wellenartige Dachkonstruktion bietet, gemeinsam mit dem kreisförmigen Grundriss und dem zentral angeordneten Klimagarten, einen fließend in die Landschaft übergehenden Raum.
Wangen Turm: Schlanke und leistungsfähige Holzkonstruktion

Der Wangen Turm ist imposante 22 Meter hoch und bietet einen beeindruckenden Blick über das Allgäu und die Voralpen. Er ist der weltweit erste begehbare Turm, der gekrümmte Brettsperrholz-Bauteile verwendet, die sich durch das Schwinden des Holzes selbsttätig formen. Die tragende, spiralförmig aufstrebende Holzstruktur des Turms bietet ein spannendes räumliches Erlebnis und stellt mit gerade einmal 130 Millimetern Materialstärke auch eine schlanke, ressourcenschonende und zugleich leistungsfähige Holzkonstruktion dar.
Ausführliche Informationen zum Wangen Turm und zum Hybrid-Flachs Pavillon sowie Fotosammlungen finden Sie auf den folgenden Projektwebsites: Wangen Turm , Hybrid-Flachs Pavillon .