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Die Energie-Kennwerte des Rathauses Löhne unterschreiten heute die Passivhaus-Neubaustandards. (Alle Abb.: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG)

Gebäude + Energie 2013-04-19T00:00:00Z Rathaus zum Passivhaus saniert

Das Rathaus der nordrhein-westfälischen Stadt Löhne wurde 1968 errichtet und bereits 1977 erweitert. Seit 2007 war es sanierungsbedürftig. Im Rahmen der Modernisierung ist eines der ersten Rathäuser in Deutschland auf Passivhausniveau entstanden.

Ist die Sanierung eines öffentlichen Gebäudes nach Passivhausstandard reiner Luxus oder ein wirtschaftlich wie ökologisch nachhaltiges Unterfangen? Mit dieser Frage wandten sich die Verantwortlichen an den Passivhausspezialisten Dr. Bernd Steinmüller. Für ihn begannen damit Bestandsaufnahme und Rechenarbeit gleichermaßen. "Das Rathaus in Löhne ist ein Gebäudekomplex, wie er in vielen Kommunen in vergleichbarer Art und Weise vorkommt: Ein vier- bis achtgeschossiger Verwaltungsbau mit einer Nettogrundfläche von gut 5.700 m2. Seit 2007 befand sich das Gebäude in sanierungsbedürftigem Zustand. Von der Vorhangfassade lösten sich Platten, Dachteile waren durchfeuchtet, Fenster marode. Hohe Heizkosten und sommerliche Überhitzung markierten energetische Mängel", berichtet Dr. Bernd Steinmüller.

   

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Von der Vorhangfassade des Löhner Rathauses lösten sich Platten, Dachteile waren durchfeuchtet.

Und auch im Gebäudeinneren war Einiges zu tun: Der Brandschutz musste an vielen Stellen dem aktuellen Stand der Technik angepasst werden, alte Geräte und Beleuchtungssysteme verursachten einen hohen Stromverbrauch. Gleichzeitig standen Heizkörper und Wärmeverteilung am Ende ihres Lebenszyklus. Im Angesicht leerer Stadtkassen stellte sich jedoch die Frage, wie tiefgreifend die energetische Modernisierung gehen sollte und konnte. Immerhin beliefen sich die Heiz- und Stromkostenabrechnungen zuletzt auf 60.000 bis 70.000 Euro pro Jahr.

Kapitalbarwertvergleich brachte Klarheit

"Das Grundkonzept entstand auf Basis eines Kapitalbarwertvergleichs künftiger Heizkosten bei verschiedenen Sanierungsvarianten", erläutert Matthias Kreft, Leiter der Immobilienwirtschaft der Löhner Stadtverwaltung. "Dabei zeigte sich, dass der Barwert der hochgerechneten Heizenergiekosteneinsparung im Vergleich zum Istzustand mit rund zwei Millionen Euro bereits rund 60 Prozent der geschätzten Sanierungskosten erreichte. Die ökologischen und ökonomischen Einsparpotenziale vereint mit den durch eine Sanierung deutlich verbesserten Komfort- und Arbeitsbedingungen haben schließlich zu dem Beschluss geführt, das Rathaus mithilfe der Passivhaustechnologie zukunftsfähig zu machen."

Schwerpunkt Gebäudehülle

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Für die Fixierung der neuen Vorhangfassade wurde eine nahezu wärmebrückenfreie Edelstahlunterkonstruktion gewählt.

Das Hauptaugenmerk bei der Sanierung wurde auf die Optimierung der Gebäudehülle gelegt. Auf den Dächern wurden Kies, Betonplatten, Mobilfunkmasten, durchfeuchtete Bereiche der Dämmung sowie wärmebrückenträchtige Attiken weitgehend entfernt und eine 300 bis 500 mm dicke Gefälledämmung (mittlerer U-Wert einschließlich Abdichtungsbahn < 0,095 W/(m2K)) aufgebracht. Die Bestandfassade war als Stahlbetonskelett mit einer Pfosten-Riegel-Konstruktion realisiert worden, ausgefacht mit Kalksandstein. Etwa 50 Prozent der Wandflächen waren mit einer alten, 40 mm dicken Lage aus Holzwolle-Leichtbauplatten versehen. In Teilbereichen, auf denen später ein WDVS zum Einsatz kommen sollte, musste diese entfernt werden. Die vorgehängte hinterlüftete Fassade am Hauptgebäude konnte mit ihrer neuen Dämmung hingegen einfach vorgesetzt werden.

"In der Passivhausplanung bewegen wir uns in U-Wert-Bereichen, die zum einen nur mit Dämmstoffen in niedrigen Wärmeleitgruppen, zum anderen nur durch eine nahezu komplette Vermeidung von Wärmebrücken zu erreichen sind. Bei der vorliegenden Sanierung wurden bereits in einem frühen Stadium alle wesentlichen Wärmebrücken gesichtet", beschreibt Dr. Bernd Steinmüller.

Vorgehängter Wärmeschutz

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Die in zwei Lagen verlegten Steinwolle-Dämmplatten wurden exakt eingeschnitten...

Für das Hauptgebäude fiel die Wahl auf eine mineralwollgedämmte vorgehängte hinterlüftete Fassade, die über eine spezielle Unterkonstruktion wärmebrückenfrei fixiert wurde. An den bestehenden Kalksandsteinwänden wurden dafür zunächst spezielle Edelstahl-Stabwerke zur Lastabtragung befestigt. Der Vorteil: Durch die kleinen Querschnitte und die geringe Anzahl der zu setzenden Stäbe pro Quadratmeter (maximal 1,35 Stück/m2 z. B. im Brüstungsbereich) sowie die niedrige spezifische Wärmeleitfähigkeit von Edelstahl besitzt das System "VHF-plus" von mCon die offizielle "Wärmebrückenfrei"-Zertifizierung des Passivhaus Instituts in Darmstadt. "Durch die Kombination einer wärmebrückenfreien Unterkonstruktion mit einer Dämmung wurden die rund 2.000 m2 großen Fassadenflächen mit einem U-Wert von 0,13 W/( m2K) optimal energetisch ertüchtigt", erläutert Dr. Steinmüller.

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... und umschließen die Stabwerke der Unterkonstruktion vollständig.

Diesen Wärmeschutz erzielten die Löhner Stadtväter durch den Einsatz einer 260 mm dicken Steinwolle-Dämmung. In zwei Arbeitsschritten wurden einmal 120 mm und dann 140 mm dicke Platten der formstabilen "Fixrock 035 VS" Platten von Rockwool montiert. Sie dämmen und leisten als nichtbrennbare (A1) Platten einen Beitrag zum vorbeugenden baulichen Brandschutz. Mit ihrer Diffusionsoffenheit unterstützen sie das im Konzept angestrebte Raumklima im Inneren des Gebäudes. Vor die mit einem schwarzen Vlies kaschierten Platten wurde mit einem Abstand von circa 20 mm eine Fassadenbekleidung aus Aluminiumkassetten gesetzt.

   

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Zwischen Vorhangfassade und der 260 mm dicken Dämmschicht sorgt ein 20 mm breiter Spalt für eine gute Hinterlüftung der Fassade.

Ergänzt wurden die Arbeiten an der Fassadendämmung durch Modernisierungsmaßnahmen an allen Wanddurchdringungen. Nicht benötigte Fenster und Lichtkuppeln wurden geschlossen und ebenfalls gedämmt, die übrigen Fenster gegen dreifachverglaste Elemente ausgetauscht. Gemessen an der Gebäudegröße fiel der Energieverlust über das kalte Erdreich vergleichsweise gering aus. Entsprechend entschied man sich, die Kellerdecke im Hauptgebäude mit lediglich 100 mm starken Dämmplatten in der WLG 035 von unten zu dämmen. Im Nebengebäude erhielten die erdberührenden Bodenflächen eine etwa ein Meter tief reichende Sockelranddämmung. Deckenflächen, die an die Außenluft grenzen etwa über der Durchfahrt zum Nebengebäude , wurden wiederum wie die Außenwände gedämmt.

Gebäudetechnik und -betrieb

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Die Fassadenbekleidung erfolgte mit anthrazitgrauen Aluminiumpaneelen.

Für die Lüftung im sanierten Rathaus sorgt ein zentrales System mit Wärmerückgewinnung, durch das die Zuluft kostengünstig parallel zum Hauptfahrstuhlschacht in abgehängte Flurdecken verteilt wird, während die Abluft über die Flure frei zurückströmt. "Die Modernisierung der Gebäudehülle reduziert die Wärmeverluste so stark, dass der Wärmebedarf im Gebäude zu 2/3 passiv durch freie Wärme gedeckt werden kann und nur noch zu 1/3 aktiv eingespeist werden muss.

Die Restwärmeversorgung erfolgt über Fernwärme, wobei das kostengünstige, minimierte Verteilungssystem seine Wärme über Kleinstheizkörper oberhalb der Flurtüren an die Räume abgibt. Über Rauch- und Wärmeabzugfenster in den oberen und unteren Fluretagen können in der Übergangs- und Sommerzeit die Wind- und thermischen Auftriebskräfte zur wirkungsvollen passiven Tag- und Nachtlüftung beziehungsweise -kühlung genutzt werden. Eine spezielle Beleuchtung verhindert zusätzlich, dass sich die Räume unerwünscht aufheizen", beschreibt Dr. Steinmüller.

Besser als Neubaustandard

Im Ergebnis unterschreiten die Energie-Kennwerte des Rathauses Löhne sogar die im Passivhaus-Neubaustandard vorgeschriebenen. Der Heizwärmebedarf sank um circa 90 Prozent auf unter 15 kWh/m2a und der Primärenergiebedarf um circa 70 Prozent auf rund 80 kWh/m2a. Der entsprechende Primärenergiebedarf für Heizung und Beleuchtung liegt damit 80 Prozent unter dem EnEV-Neubaustandard.

Bautafel

www.rockwool.de

zuletzt editiert am 09. April 2021
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