„Oberflächlich? – Putz in der Architektur“ so lautete der Titel des dritten Architekten-Webkongresses, den der Baustoffhersteller Saint-Gobain Weber am 13. und 14. November in Kooperation mit der db deutsche bauzeitung präsentierte.
Die zweitägige Veranstaltung beleuchtete den Stellenwert und das Potenzial des Materials für Architekten unter anderem mit den Gästen Eike Roswag, Martin Bez, Jürgen Mayer H. und Pinar Gönül. Das Fazit: Putz als Oberflächenfinish eignet sich zur Umsetzung unterschiedlicher Architekturanliegen, auch im Bestand. Seine zahlreichen gestalterischen und bauphysikalischen Vorteile müssen jedoch teilweise neu entdeckt werden.
Ist Putz langweilig?
In einer im Vorfeld des Webkongresses durchgeführten Umfrage unter Architekten bezeichneten 27 Prozent der Befragten Putz als „langweilig“. Wie kommt es zu diesem Image? Martin Bez vom Stuttgarter Architekturbüro Bez + Kock fand dafür folgende Erklärung: „Putz ist das gängige Material, das ‚Normalmaterial‘. Wenn man einem Bauherrn die Fassadengestaltung nicht erklären will, dann wählt man Putz.“ Die Schweizer Architektin Pinar Gönül, Mitherausgeberin des Buches „Über Putz“, bedauerte dies ausdrücklich: „Die Bandbreite der Putze ist heute wahrscheinlich größer als je zuvor und birgt großes innovatives Potenzial. Doch viele klassischen Verarbeitungsformen sind nicht mehr bekannt.“
Putz birgt vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten
Wie unterschiedlich Putzfassaden aussehen können, zeigten Objekte der teilnehmenden Experten. So nutzt Eike Roswag von Ziegert | Roswag | Seiler in Berlin den Baustoff Putz im Rahmen seiner nachhaltigen Architekturauffassung. Ein beim Webkongress vorgestelltes Beispiel hierfür ist die Berliner Villa „Westend Grün“. Im Zuge einer Komplettsanierung erhielt das Wohnhaus eine Schilfrohrdämmung mit feiner Kalkputzoberfläche. Den Einwand eines Zuschauers, dies sei eine romantische Bauauffassung, konterte er: „Putze zählen zu den wirtschaftlichsten Oberflächen überhaupt.“
Vergessene Techniken wiederbeleben
Einig zeigten sich die Teilnehmer darin, dass sowohl Handwerker als auch Architekten den Umgang mit Putz neu lernen müssen, um die Möglichkeiten des Werkstoffs nutzen zu können. So berichtete Martin Bez aus der Praxis, wie bei einem seiner Objekte mit anthrazitfarbener Putzfassade die beauftragten Handwerker die gewünschte Kratzputztechnik zunächst erlernen mussten. Jürgen Mayer H. ergänzte: „Im Gegensatz zu Stahl oder Beton hat Putz eine andere Feinheit, eine andere Art von Sensibilität, die man ergründen muss.“
Wer die Online-Übertragung am 13. und 14. November verpasst hat, kann die Videos der beiden Kongresstage auf www.youtube.de unter dem Stichwort „Architekten-Webkongress 2013“ abrufen.
