Excelsiordecke-Reinboth

Bauwerkserhaltung 2016-04-04T00:00:00Z Prüfen, Erhalten, Kosten sparen

Rissbildungen an den historischen Decken im Rathaus Dessau ließen Zweifel an deren Tragfähigkeit aufkommen. Mit den unzureichenden historischen Bauunterlagen konnten die einzelnen Deckenarten nicht genau bestimmt werden. Deshalb war es unter anderem nicht möglich, einen rechnerischen Standsicherheitsnachweis zu führen. Erst durch Belastungsversuche der MFPA Leipzig wurde der Nachweis der Tragfähigkeit der historischen Deckenkonstruktionen für die künftige Nutzung als Büroräume erbracht. Ein Abbruch der Decken und erhebliche Sanierungskosten konnten somit vermieden werden. 

An dessen historischen Massivdecken wurden 2011 erhebliche Rissschäden festgestellt. Vor einer möglichen Sanierung mussten diese Bauschäden einer qualifizierten Untersuchung unterzogen werden. Die Tatsache, dass nur unzureichende historische Bauunterlagen zu den vorhandenen Deckenkonstruktionen vorhanden waren, erschwerte die Beurteilung der Standsicherheit.

Rathaus Dessau wurde mehrfach erweitert und umgebaut

Der Vorgängerbau des heutigen Dessauer Rathauses genügte trotz eines Umbaus im Jahr 1883 nicht mehr den zum damaligen Zeitpunkt gestiegenen Anforderungen einer Stadtverwaltung. Deshalb beschloss der Gemeinderat einen Neubau, der nach einem Architektenwettbewerb ab 1899 errichtet wurde. 1934/35 wurde das Gebäude erweitert, und nachdem das Rathaus im zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff schwer beschädigt worden war, wurden beim Wiederaufbau in den Jahren 1949/50 weitere erhebliche bauliche Veränderungen im gesamten Gebäude vorgenommen.

Nach einem vorliegenden TÜV-Bericht handelt es sich bei den historischen Decken vorrangig um „Försterdecken“ (Abb. 1) und „Excelsiordecken“ (Abb. 2). Die Försterdecke war um 1900 eine weit verbreitete Deckenart. Sie wurde bewehrt oder unbewehrt ausgeführt. Im Rathaus Dessau wurden bei Untersuchungen nur unbewehrte Försterdecken festgestellt.

Die Höhe der verwendeten Formsteine beträgt circa zehn Zentimeter. Sie lagern auf Stahlträgern und überspannen zusammengefügt eine Weite von jeweils 1,30 bis 1,50 Meter. Nach einem Großbrand im Jahr 1910 und beim Wiederaufbau in den 1950er-Jahren könnte ein Teil der historischen Decken erneuert worden sein.

Im August 2011 lösten sich in einem Büroraum des Rathauses große Teile des Putzes. Daraufhin wurden alle Decken auf mögliche Hohlstellen des Deckenputzes untersucht.

Während der Sanierung des Deckenputzes wurden an einigen Decken unterschiedlich breite Risse entdeckt. Diese verliefen mittig quer zur Spannrichtung der Deckenkonstruktion. Somit war die Tragfähigkeit der Decken verringert.

Deshalb untersuchte man circa 30 Prozent der Deckenfelder mit scheitgerechten Ziegelkappen auf vorhandene und auffällige Rissbildungen. Vermutlich handelt es sich bei den ausgewählten Deckenfeldern um „Försterdecken“. Die sichtbar geschädigten Deckenkonstruktionen wurden daraufhin erneuert.

An den verbliebenen geputzten Decken waren keine Risse sichtbar. Dennoch konnte nicht ausgeschlossen werden, dass diese Decken durch Risse geschädigt waren. Deshalb entschloss man sich, die verputzten Deckenfelder auf ihre Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit experimentell mit Belastungsversuchen zu prüfen. Die MFPA Leipzig wurde mit den Untersuchungen Anfang 2013 beauftragt.

Standsicherheit sollte für zukünftige Risse bewertet werden

Die untersuchten Räume im Rathaus Dessau waren bis zum Auftreten der Schadensbilder als Büroräume genutzt worden. Da sie auch zukünftig für diesen Zweck vorgesehen sind, musste für die Deckenkonstruktionen eine Nutzlast von 2,00 kN/m² nachgewiesen werden. Zusätzliche Lasten durch den Einbau leichter Trennwände oder das Anbringen von Unterhangdecken waren in diesen Räumen nicht vorgesehen.

Für die Belastungsversuche wurden exemplarisch sechs Deckenfelder ausgewählt, in denen unterschiedlich breite Risse sichtbar waren (Abb. 3–6). Die Grundlage der Belastungsversuche bildete die Richtlinie „Belastungsversuche an Betontragwerken“ des Ausschusses für Stahlbeton“, Ausgabe September 2000.

Für den Auftraggeber war das Hauptziel der Belastungsversuche, die Standsicherheit auch bei eventuell wieder auftretenden Rissen bewerten zu können.

Der Deckenaufbau wurde vorab ermittelt

Der Deckenaufbau wurde vorab vom Auftraggeber ermittelt. Die Gesamtdicke der Deckenkonstruktionen beträgt circa 34,5 Zentimeter. Als oberste Schicht fand man einen Estrich, der im Mittel etwa acht Zentimeter dick war. Darunter war eine 17 Zentimeter dicke Schüttung aus Hochofenschlacke eingebaut.

Autor: Lutz Reinboth

Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 3-2015

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zuletzt editiert am 09. April 2021