Wenn keine feuchte- und salzbelasteten Untergründe vorliegen, können Lehmputze auch beim Bauen im Bestand erste Wahl sein. Ihre Eigenschaft, im Vergleich zu herkömmlichen Kalkzement- und Gipsputzen ein Vielfaches an Feuchtigkeit aufnehmen zu können, begünstigt eine optimale und nur gering schwankende Raumluftfeuchte. Dabei ist heutiger Lehmputz keinesfalls aufwendig zu verarbeiten. Durch ausgeklügelte Lehm-Sand-Verhältnisse und angepasste Sieblinien stehen seit Jahren maschinentaugliche Putzsysteme zur Verfügung.
Das Wissen über bauphysikalische Zusammenhänge, Eigenschaften der Baustoffe, Stand der Technik hinsichtlich der Möglichkeiten und Maßnahmen ist die Voraussetzung für eine geeignete Materialwahl bei einer Sanierung. Auch die zukünftige Nutzung der Räume muss berücksichtigt werden. Denn es spielt eine maßgebliche Rolle, ob das Gebäude zukünftig zum Beispiel als Lagerraum, Fitness- oder Saunaraum, Büro, Wohnraum oder Restaurant genutzt werden soll.
Lehmputz kann durchaus auf Untergründen im Bestand die ideale Beschichtung sein. Aber wenn Innenräume zur Renovierung anstehen, deren Mauern und Wände feuchtigkeits- und salzbelastet sind, ist er sicher keine gute Wahl. Ein Lehmputz kann einen Sanier- oder Sperrputz nicht ersetzen. Dagegen eignet sich Lehmputz beispielsweise als Putzbeschichtung, wenn Ziegel-, Porenbeton oder Kalksandsteinmauerwerk trocken und tragfähig sind.
Lehm kann viel Feuchtigkeit aufnehmen
Viele verbinden mit dem Einsatz von Lehm aufwendige Verarbeitungs- und Applikationstechniken. Dabei sind die Zeiten, in denen man Lehm in aufwendiger Art und Weise anmischen und auftragen musste, längst vorbei. Durch ausgeklügelte Lehm-Sand-Verhältnisse und angepasste Sieblinien stehen seit Jahren maschinentaugliche Putzsysteme zur Verfügung. Lehmputze werden in der Regel aus Lehm oder Tonrohstoffen hergestellt, denen Sande unterschiedlicher Körnung beigegeben werden, aber keine verarbeitungsverbessernden Zusatzmittel.
Die besonderen Eigenschaften von Lehmputzen beruhen im Wesentlichen auf dem Vorhandensein von Tonmineralien. So kann ein toniger Lehm bei einer Lehmputzschicht von zwei Zentimetern bis zu fünfmal mehr Feuchtigkeit aufnehmen als herkömmliche Kalkzement- und Gipsputze. Dadurch stellt sich in lehmverputzten Räumen eine optimale und nur gering schwankende Raumluftfeuchte ein. Je größer die Schichtdicken sind, umso größer ist die Gesamtspeicherkapazität. Diese Eigenschaft des Lehms kann zum Beispiel helfen, dass Atemwege nicht so leicht austrocknen und damit das Infektionsrisiko sinkt.
Lehmwände und mit Lehm verputzte Wände verhindern zu niedrige Luftfeuchte, vor allem in Verbindung mit einer Wandheizung oder auch holzbefeuerten Öfen. Diese sorptiven Eigenschaften von dickschichtigem Lehmputz können voll zum Tragen kommen, wenn er nicht gestrichen wird.
Lehmputz muss gut durchtrocknen
Lehmputze sind auf fast allen Untergründen und Mauerwerksarten einsetzbar. Dabei haften sie am Untergrund ausschließlich durch mechanische Verkrallung. Eine chemische Reaktion, wie man sie von anderen Putzmaterialien kennt, findet nicht statt. Die entsprechende Untergrundvorbehandlung sollte auf den jeweiligen Putzgrund abgestimmt werden.
Die Lehmhaftschlämme hat einen erhöhten Tonanteil. Sie sorgt so für eine bessere Verbindung von Untergrund und Grundputz. Nach ihrem Auftrag wird der grobe Lehmgrundputz in die mattfeuchte Lehmhaftschlämme in einer Dicke von
10 bis 15 Millimetern eingearbeitet. Die Grundputzschicht wird mit der Kartätsche abgezogen, die Oberfläche für den späteren Feinputzauftrag entsprechend aufgeraut.
Um seine Festigkeit gut auszubilden, muss der Lehmgrundputz richtig durchtrocknen. Nur wenn der Trocknungsvorgang vollständig abgeschlossen ist, können schwindrissfreie Oberflächen sichergestellt werden. Lehmputz bindet nicht ab, sondern verfestigt sich allein durch die Abtrocknung des Anmachwassers.
Grundsätzlich sollte daher bei einer Unterputzauftragsstärke von 15 Millimetern eine Standzeit von vier Wochen kalkuliert werden. Je nach Umgebungsbedingungen beträgt die Austrocknungszeit pro Millimeter Putzdicke zwei bis drei Tage, wobei sich die Austrocknungsgeschwindigkeit stark an der gegebenen Raumluftfeuchte orientiert. Deshalb ist bei der Verwendung von Lehmputz generell auch eine zusätzliche Entfeuchtung mit einem Kondensationstrockner einzuplanen.
Bei nichtsaugenden Untergründen, wie zum Beispiel altem Klinkermauerwerk, eignen sich Schilfrohrputzträgermatten, um eine Haftgrundlage für den nachfolgenden Lehmputz zu schaffen. Armierungs- oder Jutegewebe sind überall dort erforderlich, wo sie auch beim Arbeiten mit Kalkputzen eingesetzt werden, etwa bei Materialwechseln im Untergrund.
Das Schimmelrisiko ist etwas höher
Das Schimmelrisiko ist bei Lehmputz in Kombination mit schlechtem Feuchtemanagement etwas höher als bei Kalk oder zementgebundenen Putzen, wenn die anfänglich hohe Feuchte, die Lehmputz naturgemäß mitbringt, über längere Zeit nicht abtrocknet. Aus diesem Grund müssen bei jedem Einsatz von Lehmputz die Saugfähigkeit des Untergrunds und die Lüftungs- und Trocknungsbedingungen der Räume mit bedacht werden. Durch den Einsatz von Kondenstrocknern kann der Trocknungsprozess unterstützt werden.
Auch nutzungsbedingt können Folgeschäden wie Schimmelbildungen entstehen. Hier hilft der vorbeugende Hinweis auf eine entsprechende Klimatisierung (Beheizung, Entfeuchtung), die ein erfahrener Heizungs- und Klimatechnikfachbetrieb bemessen muss.
Dieser Beitrag ist Teil eines Artikels aus: B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 5.2012
Autorin: Barbara Wiedemann

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