Am 14. Februar 2017 wurde der Landbaukulturpreis in der Schinkelschen Bauakademie in Berlin verliehen. Unter den Hauptgewinnern: zwei Lösungen für denkmalgeschützte Bauwerke, dabei ein Erweiterungsbau. Die drei Anerkennungspreise gingen an Sanierungsprojekte.
Ein stattliches altes Gut mit eindrucksvollen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden und eine Lösung für ein neues Press- und Kelterhaus, das sich harmonisch in einen denkmalgeschützten Hof einfügt: Diese Objekte wurden aus insgesamt 150 Wettbewerbsbeiträgen zu den Siegern gekürt. Ein weiterer Hauptpreis wurde für den Neubau von 20 kleinen Winzerhäuschen für den Tourismusbetrieb verliehen. Die Hauptpreise sind jeweils mit 10.000 Euro dotiert. Zudem wurden drei Anerkennungspreise und ein Regionalpreis verliehen.
Heiner Farwick, Präsident des Bundes Deutscher Architekten und Vorsitzender der Jury, würdigte die preisgekrönten Bauten als Zeichen einer außerordentlich vielfältigen Baukultur auf dem Land. Alle Preisträger sind aktive Landwirte oder Winzer.
Die Hauptpreise gingen an:
▪ Gut Dollrott , Dollrottfeld/Schleswig-Flensburg: Bei der Renovierung des Wirtschaftsgebäudes hat Landwirt Erk Westermann-Lammers auf alten Mauern und unter Wiederverwendung von altem Baumaterial ein modernes funktionales Wirtschaftsgebäude errichtet, das heutigen Anforderungen gerecht wird und sich zugleich in Konzept und Ausführung an die vorhandene historische Bausubstanz anpasst. So präsentiert sich das von Wassergräben umgebene Gut als eine stimmige Gesamtanlage, die geprägt ist von ortstypischem Mauerwerk, Holzdrempel und alten, zum Teil aufgearbeiteten Fenstern. Architekt: Baugeschäft Claus Becker GmbH & Co. KG.
▪ Winzer Hugo Brennfleck, Sulzfeld am Main: Bei der Sanierung des 400 Jahre alten Weingutdenkmals wurde auch ein neues Press- und Kelterhaus gebaut. Die Jury befand die Lösung als höchst preiswürdig, denn der Neubau mit moderner Optik in Sichtbeton füge sich, trotz beengter Lage des Hofes mitten im Ort, stilsicher und gestalterisch unaufdringlich in die Umgebung ein. So sei ein Objekt entstanden, das den Verbleib des Betriebes im Ort ermögliche und so das kulturelle und wirtschaftliche Leben dort stärke.
Architekten: Dold & Versbach, Gerbrunn und Proform, Jutta Burrlein, Mainstockheim
▪ Den Neubau von zwanzig kleinen Winzerhäuschen auf dem Weingut Longen (Bauherren: Sabine und Markus Longen). Architekten: Matteo Thun & Partners, Mailand – ARCHITEKTEN STEIN HEMMES WIRTZ, Kasel – HKK Landschaftsarchitektur GmbH, Frankfurt am Main

Die Anerkennungspreise erhielten:
▪ Der historische Vierseitenhof Bauer von Bauherrin Kristina Bauer im thüringischen Sickenberg. Das denkmalgeschützte Ensemble wurde von 2005 an nach und nach restauriert, Wohngebäude, Stallungen, Torhaus und historisches Backhaus wurden nach baubiologischen und denkmalpflegerischen Grundsätzen erneuert. So zeigt sich der Hof mit Café, Pension und Bio-Landbau (Getreide, Gemüse und Beerenobst) heute als lebendiges Beispiel einer Wiederinbetriebnahme einer zuvor ein halbes Jahrhundert brachliegenden Landwirtschaft. Architektin : Dipl. Ing. Barbara Töpfer-Werner, Mackenrode.
▪ Der Umbau eines Bauernhofes zur Hofmolkerei . Landwirt Stefan Engel aus Hetzerath im Landkreis Bernkastel-Wittlich hat damit nach Urteil der Jury eine vorbildliche Lösung für die nach Aussiedlung der Milchkühe leerstehenden Ställe gefunden. Eine angrenzende Scheune wurde zum Wohnhaus umgebaut. Sowohl die Fassadengestaltung als auch die Innenräume befand die Jury für preiswürdig; auch beeindruckte offenbar, dass die Landwirtschaft in Ortslage damit wieder ins Blickfeld gerückt sei. Architekt: Helmut Weyer
▪ Der Scheunenumbau auf einem typischen Eifeler Bauernhof (Stefan Schiltz aus Hofweiler) im Landkreis Trier-Saarburg. Die als Trierer Langhaus bekannte Gebäudeform besticht in neuer Ausführung als Wohnraum unter anderem durch „die sehr hohe architektonische Qualität, die spannungsvoll gesetzten neuen Fensteröffnungen und die sorgsam gestalteten Details“. Der Jury gefiel vor allem, dass die „Scheune“ dem Haupthaus des weiterhin bewirtschafteten Hofes die Hauptrolle lässt.
Architekt : Rainer Roth Architekt BDA
Münsterlandhof mit Preis für NRW gewürdigt
Mit dem Sonderpreis für Westfalen (3.000 Euro) wurde der Umbau eines Wirtschaftsgebäudes im Kreis Borken gewürdigt. Der Münsterländische Hof von Leo Rehring liegt am Ortsrand von Schöppingen. Die freistehende ehemalige Durchfahrtscheune wurde mit Sandsteinen behutsam und stilsicher zu drei Wohnungen und von einer Werbeagentur genutzten Räumen umgebaut. Hofflächen wurden entsiegelt, es entstanden dadurch grüne Freiräume in Hoflage. Der Sonderpreis würdige die mit großem Respekt vor der vorgefundenen Baukultur durchgeführten Maßnahmen, so die Preisrichter.
Architekt : Dipl. Ing. Rainer Scharlau
Weitere Informationen zum Preis, zu allen Preisträgern und den ausgezeichneten Bauten sind auf der Internetseite des Landbaukulturpreises zu finden.