In der 10. Sitzung des „Sonderpräsidialausschuss Bauwerke“ war die Umsetzung der Normungsroadmap „Bauwerke Planen – Bauen – Betreiben“ das vorherrschende Thema. Quelle: DIN
In der 10. Sitzung des „Sonderpräsidialausschuss Bauwerke“ war die Umsetzung der Normungsroadmap „Bauwerke Planen – Bauen – Betreiben“ das vorherrschende Thema. Quelle: DIN

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10. December 2020 | Teilen auf:

Praxisrelevante und verständliche Normen sind das Ziel

In der 10. Sitzung des „Sonderpräsidialausschuss Bauwerke“ war die Umsetzung der Normungsroadmap „Bauwerke Planen – Bauen – Betreiben“ das vorherrschende Thema. Vor allem müssten die Folgekosten und Nutzen neuer Normen gegenübergestellt und bei europäischen Normen Lücken oder Inkonsistenzen vermieden werden, so der allgemeine Tenor.

Bund, Länder, Kommunen, Kammern, Wirtschaft, Verbraucher und das Deutsche Institut für Normung (DIN) arbeiten im 2016 vom DIN eingerichteten „Sonderpräsidialausschuss Bauwerke“ (SPB) zusammen. Bereits 2018 hatte das Gremium die Normungsroadmap „Bauwerke Planen – Bauen – Betreiben“ veröffentlicht. In diesem Papier sind damals strategische Ziele formuliert worden: Normung müsse relevant und zielorientiert, transparent und leistbar sowie praxisgerecht und europäisch orientiert sein. Normen müssten lesbar, anwendbar und rechtssicher sein sowie Wirtschaftlichkeit sicherstellen. Um dies gewährleisten zu können, sei auch der Einfluss Deutschlands in der europäischen Baunormung zu stärken. Die Umsetzung dieser Ziele sollte durch den SPB strategisch begleitet werden. In der 10. Sitzung des SPB am 18. November ging es um die bisherige sowie aktuelle Arbeit in Bezug auf diese Normungsroadmap.

Christian Frölich, Bauunternehmer und vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V. (ZDB) delegiertes Mitglied im SPB, charakterisierte auf der Sitzung zunächst die Herausforderungen, vor denen die Bauwirtschaft steht: Die sich schnell und ständig fortentwickelnde Technik inklusive der Digitalisierung, der Fachkräftemangel, die Umsetzung der Energiewende, die Anforderungen aus dem Europäischen Green Deal und dem Aktionsplan Kreislaufwirtschaft stünden der Forderung nach Schaffung bezahlbaren Wohnraums und der bevorstehenden Renovierungswelle gegenüber. Um diese Aufgabenstellungen bewältigen zu können, bräuchten die Bauunternehmen praxisrelevante und verständliche Normen, die den anerkannten Regeln der Technik entsprechen. „Neue Normungsprozesse bei DIN müssen dabei zukünftig einer generellen Relevanzprüfung und einer Betrachtung von Folgekosten und Nutzen unterworfen werden. Und auf europäischer Ebene dürfen erarbeitete Normen nicht durch Lücken oder Inkonsistenzen zu Anwendungsproblemen in Deutschland führen.“

Zum Thema Folgekosten habe das Bundesinnenministerium 2019 ein Forschungsvorhaben mit dem Ziel beauftragt, die Kostenrelevanz von Baunormen für den Wohnungsbau sowie Einsparpotenziale zu untersuchen, so Ministerialdirigent Lothar Fehn Krestas, Unterabteilungsleiter Bauwesen/Bauwirtschaft im Innenministerium. „An beispielhaften Normen des DIN e.V. werden Folgekostenabschätzungen vorgenommen. Es soll eine Systematik entwickelt und eingeführt werden, die Transparenz und Nachvollziehbarkeit gewährleistet. Abschließend wird ein Vorschlag für eine unabhängige Stelle unterbreitet, die eine Plausibilitätsprüfung der Folgekostenabschätzung von Baunormen vornehmen soll. Der Endbericht soll im Herbst 2021 vorliegen.“ Anschließend solle die unabhängige Stelle dann dauerhaft ihre Arbeit aufnehmen.

Deutsche Interessen bei der EU-Bauproduktenverordnung wahren
Die hohe Aktualität und Präsenz der in der Normungsroadmap formulierten strategischen Ziele zeige sich beispielsweise auch bei den Herausforderungen der EU-Bauproduktenverordnung (BauPVO), so das DIN in seiner Pressemitteilung zur Sitzung des SPB. Es bedürfe „einer gemeinsamen nationalen Anstrengung, um den europäischen Binnenmarkt für Bauprodukte weiterhin auch im Sinne der strategischen Ziele der deutschen Bauenden zu entwickeln“. Die auch mit dem SPB angestoßenen Arbeiten an einzelnen Normen und Normungsaufträgen unterstützten diese Arbeiten durch konkrete Leitlinien für die Normungsgremien. „Wesentliche Merkmale von Bauprodukten für erste Normungsaufträge werden von nationaler Seite durch das DIN systematisch erfasst und gemeinsam vertreten.“

Fehn Krestas wies darauf hin, dass die Bundesregierung gemeinsam mit dem DIN die drängendsten aktuellen Probleme auf europäischer Ebene thematisiert. Hier gehe es insbesondere um die erhöhten juristischen Anforderungen, die die Kommission an harmonisierte Normen in Folge ihrer Auslegung des James-Elliott-Urteils des EuGH von 2016 stellt und den daraus folgenden Stillstand in der Referenzierung von Normen im EU-Amtsblatt. Im Rahmen der angekündigten Revision der BauPVO solle zudem weiterhin die Normung durch CEN/CENELEC (European Committee for Standardization (CEN), European Committee for Electrotechnical Standardization (CENELEC)) das zentrale Instrument der technischen Regelfindung bleiben. Die von der Kommission in Betracht gezogenen alternativen Pfade lehne die Bundesregierung ab. Außerdem stehe weiterhin die Lösung der Lückenproblematik im Fokus der deutschen Aktivitäten.

Architekten halten weitere Maßnahmen für geboten
„Im nächsten Schritt der Umsetzung der Normungsroadmap Bauwerke sind weitere Maßnahmen wichtig und wünschenswert“, betonte Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer (BAK) und ebenfalls Mitglied des SPB. „Es stellt sich die Frage, wie und unter welchen Kriterien Innovationen in der Normung zum Bauwesen verankert werden können und sollten. Zudem benötigen wir Maßnahmen zur Strukturierung der Mitwirkung bei und Einflussnahme auf europäische Normung und zur Einordnung der Freiwilligkeit von europäischen und internationalen Normen sowie zum Umgang mit dem Deutschen Normenwerk im Verhältnis zum deutschen Rechtssystem.“ Dr. Ulrich Klotz, Mitglied des Vorstandes der Ed. Züblin AG, ergänzte: „Für die Umsetzung der Normungsroadmap Bauwerke sind zudem Maßnahmen zur Bereitstellung aufeinander abgestimmter und um Produktanforderungen erweiterter Planungs-, Bemessungs- und Anwendungsnormen für die gesamte Wertschöpfungskette Bau sinnvoll.“ Mehr Informationen finden Sie auf der Website des DIN.