Während moderne Gebäude für eine Nutzungsdauer von etwa 50 Jahren ausgelegt werden, gilt es bei historischen Funden kulturellen Wertes eine Konservierung für die Ewigkeit zu gewährleisten. Im Rahmen des auf zehn Jahre angelegten „Pompeii Sustainable Preservation Project“ der Technischen Universität München, der Fraunhofer Gesellschaft und der ICCROM soll herausgefunden werden, wie man Pompeji langfristig vor dem Verfall schützen kann. Der Erhalt der Ausgrabung stellt ganz besondere Anforderungen an Materialien und Beteiligte.
Erwin Emmerling, Professor am Lehrstuhl für Restaurierung der TU München, nennt dieses Vorgehen eine präventiven Restaurierung. „Die gibt es in dieser Form noch nicht. Wir wollen herausfinden, wie geht das eigentlich, das kontinuierliche Restaurieren“, sagt Emmerling. Da bei der Restaurierung antiker Bauten nur traditionelle Baustoffe zum Einsatz kommen dürfen, diese aber den Anforderungen einer langfristigen Erhaltung des Weltkulturerbes nicht genügen, wird im Projekt zusätzlich mit Hightech-Materialien experimentiert. So soll Nanotechnologie helfen die Fließfähigkeit des Kalks zu erhöhen, damit Fresken mittels Hinterspritzung dauerhaft stabilisiert werden können. Kalk und Siliziumverbindungen sollen Farbschichten auf Bildern langfristig fixieren.
Auch bei den Baumaschinen muss auf traditionelle oder spezielle Materialien zurückgegriffen werden. Kräne oder größere moderne Geräte können in den engen Gassen der Stadt nicht verwendet werden. Flankierend zur Sanierung werden auch Forschungen anderer Disziplinen mit in das Projekt einfließen. Genaue Vermessungen und seismische Untersuchungen helfen dabei, das Monument für zukünftige Belastungen zu rüsten. Dabei werden neben Restauratoren insbesondere Statiker und Bauingenieure für das Projekt gebraucht. Das groß angelegte „Pompeii Sustainable Preservation Project“ soll in Zukunft zu einem interdisziplinären Forschungszentrum und einer Ausbildungsstätte für Konservatoren aus aller Welt werden.
Das Weltkulturerbe Pompeji
Der Ort Pompeji wurde vor fast 2000 Jahren durch den Ausbruch des Vesuv verschüttet. Da die Katastrophe die Bewohner im gewöhnlichen Alltag überraschte, liefert Pompeji ein wertvolles und unverfälschtes Zeugnis des damaligen Lebens in der Römischen Provinz. Erst im 18. Jahrhundert begann man, die antike Stadt Stück für Stück wieder freizulegen. Zahlreiche Funde, wie Fresken und Alltagsgegenstände, sind bis heute in Museen konserviert. Die sensationelle Ausgrabungsstätte verfällt unter den Umwelteinflüssen der vergangenen Jahre allerdings mehr und mehr.
Weitere Informationen finden Sie auch in der
Pressemitteilung des Fraunhoferinstituts
und auf der Seite der
Europäischen Kommission