Ein Balkendiagramm zeigt die Zustimmung verschiedener Wählergruppen zur Aussage über den Wunsch nach mehr Planungssicherheit und Verlässlichkeit in Bezug auf das Eigenheim.
Inwiefern stimmen Sie folgender Aussage zu? „Ich wünsche mir von der Bundesregierung mehr Planungssicherheit für mein Eigentum.“ (Quelle: IKND & RTG, 2024. Daten: B+L Marktdaten GmbH, 2024. N=2028)

Gebäude + Energie 2025-01-09T09:46:28.284Z Politik-Chaos als Bremsklotz

Die Diskussionen um das Gebäudeenergiegesetz verunsichern die Eigentümer:innen von Ein- und Zweifamilienhäusern zusehends und verhindern so notwendige energetische Sanierungen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage unter mehr als 2.000 Eigenheimbesitzern, die von der B+L Marktdaten GmbH deutschlandweit im August und September 2024 im Auftrag der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) sowie der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG) durchgeführt wurde.

Sowohl die IKND als auch die RTG fordern daher stabile politische Rahmenbedingungen im Gebäudesektor. Das Gebäudeenergiegesetz müsse zwar in der kommenden Legislaturperiode ohnehin weiterentwickelt werden, um EU-Vorgaben umzusetzen. Dies müsse jedoch behutsam und ohne populistische Debatte geschehen. Diskussionen um eine komplette Rücknahme seien nicht förderlich. 

Nahezu alle Hausbesitzerinnen und -besitzer (91,5 Prozent) in Deutschland wünschen sich von der Bundesregierung mehr Planungssicherheit und Verlässlichkeit bei politischen Maßnahmen, die ihr Haus betreffen. Dieser Wert ist über das gesamte politische Spektrum hinweg sehr hoch, bei Wählerinnen und Wählern von CDU/CSU jedoch mit insgesamt 95 Prozent am höchsten. 

Ein Balkendiagramm zeigt die Umfrageergebnisse zur politischen Verunsicherung durch die Debatte über Sanierungsförderung und Heizungsregelungen, aufgeteilt nach Parteipräferenzen.
Warum haben Sie Ihr Haus nicht energetisch saniert und planen dies auch nicht? (Quelle: Quelle: IKND & RTG, 2024. Daten: B+L Marktdaten GmbH, 2024. N=927)
Ein Balkendiagramm zeigt die Umfrageergebnisse verschiedener deutscher Parteien und Gruppen.
Quelle: IKND & RTG, 2024. Daten: B+L Marktdaten GmbH, 2024. N=927

Insbesondere vermissen die Eigenheimbesitzer:innen verlässliche Rahmenbedingungen für die energetische Sanierung – also für Maßnahmen wie den Heizungstausch, das Dämmen eines Gebäudes oder die Modernisierung der Fenster. So geben mehr als 50 Prozent der Befragten an, bisher nicht saniert zu haben, weil sie aufgrund der politischen Debatte über die Sanierungsförderung und das als „Heizungsgesetz“ bezeichnete Gebäudeenergiegesetz verunsichert seien. Besonders ausgeprägt ist die Verunsicherung unter Wählern der CDU/CSU mit einer Quote von 61 Prozent und der FDP mit 69 Prozent. Gleichzeitig befürchtet die Hälfte der Befragten, dass sich binnen weniger Jahre die Anforderungen an Sanierungen erneut verändern werden, was den Modernisierungseifer stark bremst.

„Das sind schlechte Neuigkeiten, denn der Hausbestand in Deutschland überaltert derzeit immer mehr. Um Klimaziele und Vorgaben der EU zu erreichen, müssten jährlich mindestens 2 Prozent der deutschen Wohnhäuser saniert werden, wir liegen aber aktuell bei weniger als 1 Prozent“, sagt Carolin Friedemann, Gründerin und Geschäftsführerin der Initiative Klimaneutrales Deutschland.  

Sanierungen brauchen politische Verlässlichkeit 

 „Wer ein Haus besitzt, ist auf Verlässlichkeit angewiesen, das ist ein Wert an sich. Sie ist die Grundlage für Sicherheit im Alltag und im Ruhestand – und eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Gebäudeeigentümer über eine energetische Sanierung nachdenken. Diese Verlässlichkeit hat die noch amtierende Bundesregierung mit dem Gebäudeenergiegesetz verspielt. Die nächste Regierung ist gefordert, den Besitzerinnen und Besitzern von Häusern Vertrauen zurückzugeben und die Wärmewende voranzubringen“, sagt IKND-Geschäftsführerin Friedemann. „Das bedeutet für uns eine Weiterentwicklung statt einer Rückabwicklung des Gebäudeenergiegesetzes.“ 

RTG fordert stabile und attraktive Bedingungen 

„Auch die Bauwirtschaft braucht dringend sichere und verlässliche Förderprogramme und Gesetze“, ergänzt Thomas Drinkuth, der mit der Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG) verschiedene Branchen der Bauindustrie vertritt. „Jahrelang war der Bausektor eine Konjunkturstütze in Deutschland. Mehr als 420 Milliarden Euro sind im Jahr 2023 in die Errichtung und Modernisierung von Gebäuden geflossen. Beide Bereiche sind nun auf dem Rückzug. Die nächste Bundesregierung muss stabile und attraktive Bedingungen schaffen, um diesen Negativtrend umzukehren und die Baukonjunktur wieder zu stärken. Bauherren investieren hohe Summen – dafür ist Vertrauen das A und O.“ 

„Diese Umfrage unter Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern spiegelt auch die Lage der Wohnungseigentümer wider, die in unserem Verband Mitglied sind“, ergänzt Dr. Sandra von Möller, Vorständin des Verbraucherschutzverbandes Wohnen im Eigentum. „Wohnungseigentümergemeinschaften haben aufgrund ihrer strukturellen Besonderheiten bei Sanierungsprojekten lange Vorlauf- und Planungszeiten, denn sie müssen zunächst einen oder häufig sogar mehrere Beschlüsse fassen, was sie in der Regel einmal im Jahr auf der Eigentümerversammlung tun können.“ 

„Auch deshalb ist die Sanierungsquote im Wohnungseigentum gering. Umso wichtiger sind verlässliche politische Rahmenbedingungen und Förderprogramme. Ansonsten ist zu befürchten, dass energetische Sanierungen entweder zum Stillstand kommen oder gar nicht erst in Angriff genommen werden“, so Dr. von Möller weiter.  

Die vollständige Studie steht hier zum Download zur Verfügung. Im Jahr 2022 führte die IKND eine ähnliche Umfrage durch, auf der die aktuelle Erhebung aufbaut. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 09. Januar 2025
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