Ein großes Wohnhaus mit einem Gerüst für Renovierungsarbeiten.
Das noch ungedämmte Gebäude mit bereits demontierten Fenstern. (Quelle: Darius Heller / Zukunft Altbau)

Gebäude + Energie 2025-05-08T08:29:22.298Z Per Sanierungssprint zum Effizienzhaus

Gerade wurde der erste Sanierungssprint Baden-Württembergs erfolgreich abgeschlossen: Innerhalb von nur 21 Werktagen bewerkstelligten die Projektbeteiligten die energetische Sanierung einer 1966 erbauten Doppelhaushälfte.

Das Sanieren eines Altbaus dauert oft mehrere Monate. Das hält viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer davon ab, eine Modernisierung anzugehen. Hinzu kommt, dass die Baukosten häufig höher ausfallen als ursprünglich gedacht. Das Konzept des Sanierungssprints will hier Abhilfe schaffen: Es soll eine energetische Sanierung in maximal 22 Werktagen mit standardisiertem Verfahren ermöglichen und das zu einem festen Preis. Gerade erfolgreich abgeschlossen wurde der erste Sanierungssprint Baden-Württembergs: Initiiert von Projektleiter Darius Heller haben Fachleute eine Doppelhaushälfte in Esslingen-Berkheim aus dem Jahr 1966 innerhalb von 21 Werktagen energetisch saniert. Das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau will das Konzept künftig in der Region verbreiten und begleiten.  

Im Schnelldurchlauf zum Energieeffizienzhaus 55 

Gute Planung ist das A und O eines erfolgreichen Sanierungssprints. „Nur wenn alle auf der Baustelle tätigen Gewerke gut aufeinander abgestimmt arbeiten, gelingt der Sprint und die Sanierung wird nicht zur Dauerbaustelle“, sagt Frank Hettler von Zukunft Altbau. „Wir wollen zeigen, dass es möglich ist, die Sanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern massiv zu beschleunigen.“ Gelingt dies, so das Kalkül, wären auch mehr Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer bereit, ihr Haus umfassend energetisch sanieren zu lassen.  

Die Sanierung in Esslingen ist Beleg für die Möglichkeiten der Methode. Projektleiter und Initiator des dortigen Sanierungssprints war Darius Heller. Der Mitarbeiter am Institut für Baubetriebslehre an der Uni Stuttgart hat das Projekt südöstlich von Stuttgart auch wissenschaftlich begleitet. Eine weitere zentrale Aufgabe in dem Projekt hatte Bauleiter Matthias Stöffler. Er koordinierte die Baustelle und hatte den Taktplan im Blick, das Herzstück des Sanierungssprints. Darin werden alle Arbeiten der unterschiedlichen Handwerkerinnen und Handwerker halbtagesgenau geplant, jede Aufgabe erhält ein konkretes Zeitfenster, standardmäßig arbeiten die Handwerker mehrerer Gewerke parallel. 

Energiebedarf um 89 Prozent gesenkt 

Ein Haus wird renoviert, wobei ein Baugerüst die Fassade umgibt. Ein Arbeiter ist mit der Fassadenarbeit beschäftigt.
Die Dämmung wird aufgebracht. (Quelle: Darius Heller / Zukunft Altbau)

Die Doppelhaushälfte in Esslingen-Berkheim verfügt über eine ärmeWohnfläche von 115 Quadratmetern. Bislang lag der rechnerische Energiebedarf bei 364 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Geheizt wurde mit Öl, eine Dämmung existierte nicht. Aus diesem Altbau sollte nun dank des Sanierungssprints ein KfW-Effizienzhaus 55 werden. Eine enorme Herausforderung, geht man davon aus, dass die komplette Gebäudehülle angepackt werden muss, um den Energieverbrauch so drastisch zu senken. 

Geplant wurden folgende Maßnahmen: 

  • Eine Wärmedämmung der Außenwände, des Dachs und der Kellerdecke
  • Die Erneuerung aller Fenster und der Außentüren
  • Die Installation einer wasserdurchströmten Deckenheizung
  • Eine Photovoltaikanlage mit einer installierten Leistung von 10,2 Kilowatt peak

Nach der Sanierung liegt der Energieverbrauch des ehemaligen „Worst Performing Building“ bei nur noch 42 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr – elf Prozent des vorherigen Verbrauchs. Als Worst Performing Building bezeichnet man Gebäude, die hinsichtlich des energetischen Sanierungs­zustands zu den schlechtesten 25 Prozent in Deutschland gehören. Für die Sanierung eines solchen Gebäudes hin zu einem Effizienzhaus erhalten Eigentümerinnen und Eigentümer einen Extra-Zuschuss von zehn Prozent von der Förderbank KfW.  

Informelle Koordination während des Mittagessens 

Ein Wohnhaus mit hellgelber Fassade und mehreren Fenstern, umgeben von einem Garten.
Fertig! Links vor dem Haus ist die Wärmepumpe zu sehen. (Quelle: Darius Heller / Zukunft Altbau)

Für Projektleiter Darius Heller war es von großer Bedeutung, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Handwerkerinnen und Handwerkern auf der Baustelle zu fördern. „Der Austausch untereinander ist besonders wichtig bei solch einer durchgetakteten Baustelle“, sagt der Doktorand. Vor allem das tägliche gemeinsame Mittagessen aller Beteiligten auf der Baustelle sei von großer Bedeutung für das Gelingen des Sanierungssprints gewesen, betont Heller. Die Stimmung zwischen den Mitarbeitern der tätigen Firmen sei gut gewesen und ein nicht zu unterschätzender Teil der Kommunikation zum jeweiligen Stand der Arbeiten fand informell während der gemeinsamen Mahlzeiten statt.   

Auch für die teilnehmenden Handwerksbetriebe bietet ein Sanierungssprint Vorteile: neben der hohen Zufriedenheit der Hauseigentümer ein effizientes und kooperatives Arbeiten auf der Baustelle, eine schnelle Lösung eventuell auftretender Schwierigkeiten sowie eine reibungslosere Zahlungsabwicklung.  

Konzept soll in Baden-Württemberg etabliert werden 

Bislang wurde das Konzept des Sanierungssprints bei fünf Gebäuden in Deutschland umgesetzt. Nach dem Erfolg von Esslingen plant Projektleiter Darius Heller weitere Sanierungssprints in Baden-Württemberg. Zukunft Altbau wird das Konzept gemeinsam mit den regionalen Energie- und Klimaschutzagenturen weiter in die Breite tragen: „Ziel ist es, mit Sanierungssprints Hauseigentümerinnen und Hauseigentümern im Südwesten ein attraktives Sanierungskonzept anbieten zu können“, sagt Frank Hettler von Zukunft Altbau. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 08. Mai 2025
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