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Der Magedeburger Dom ist das Wahrzeichen der Stadt. (Abb.: Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser)

Bauwerkserhaltung 2013-11-27T00:00:00Z Noch lange gen Himmel streben

Der Magdeburger Dom ist eines der ältesten gotischen Bauwerke in Deutschland und zugleich das Wahrzeichen der Stadt. Bei der größten Sanierungsmaßnahme der zurückliegenden Jahre sah das Restaurierungskonzept der Denkmalschutzbehörde vor, den Originalbestand weitgehend zu erhalten und die verschiedenen Zeitspuren sensibel zu bewahren. Auf die verschiedenen Schadensbilder wurde mit einem breiten Spektrum an Restaurierungs- und Konservierungstechniken reagiert, um diese Ziele zu erreichen.

Der Magdeburger Dom wurde 1209 begonnen und gründet auf dem schmalen Domfelsen, der in die Elbe hineinragt. Die Bauarbeiten dauerten mit Unterbrechungen über 300 Jahre an. Im Laufe der Jahrhunderte traten viele Belastungen auf. Die Türme streben im Wechsel der Jahreszeiten auseinander und wieder zusammen, der Sandstein verschwand unter Krusten, auch Witterung und bauschädliche Salze leisteten ihr Zerstörungswerk. Hinzu kamen unzulängliche Maßnahmen während der großen Überarbeitungsphasen Anfang des 19. und 20. Jahrhunderts. Kriegsschäden wurden bis in die 1960er-Jahre beseitigt. Mit der jetzigen größten Sanierungsmaßnahme der zurückliegenden Jahre sollte die Magdeburger Kathedrale für die nächsten Jahrzehnte ertüchtigt werden.

Denkmalpflegerische Zielvorgaben entwickelt

Zu Beginn der Restaurierung wurden die historische Konstruktion mit ihren komplexen Schadensphänomenen und die unterschiedlichen Steinvarietäten mit ihren physikomechanischen Eigenschaften sorgfältig untersucht. Im Anschluss erfolgte eine genaue fotografische und zeichnerische Dokumentation für eine Bauschadenskartierung. Auf dieser Grundlage erarbeitete die Denkmalschutzbehörde eine denkmalpflegerische Zielvorstellung. Danach sollte der Originalbestand weitgehend erhalten bleiben und die verschiedenen Zeitspuren sensibel bewahrt werden.

70 Meter hohes Fassadengerüst erleichterte die Voruntersuchungen

Das mehr als 70 Meter hohe Fassadengerüst bot die Gelegenheit, neben den für die Restaurierung relevanten wissenschaftlichen Voruntersuchungen weitere Fachdisziplinen zu befriedigen. So konnten Hypothesen der Bauforschung am Westbau erstmals überprüft werden: Wo liegen genau die Bauphasengrenzen und wie zeichnen sie sich ab?

Die Beantwortung dieser Fragen hatte neben dem kunstgeschichtlichen Erkenntnisgewinn auch einen direkten Bezug zur Ermittlung geeigneter Restaurierungstechniken und -materialien. Denn die Planung restauratorischer Maßnahmen an historischen Natursteinbauwerken basiert nicht nur auf der Kenntnis der unmittelbar sichtbaren Schadensphänomene und den ermittelten Kennwerten der äußeren Fassadenmaterialien. Zwingend erforderlich ist darüber hinaus, den konstruktiven Aufbau und die petrografischen und chemisch- physikalischen Materialvarietäten zu erforschen. Konstruktive Abgrenzungen innerhalb eines Bauteils aufgrund vorhandener Bauphasenübergänge müssen genau untersucht werden. Allein der Wechsel des Bindemittels innerhalb des Mauerwerks von Kalk zu Gips hätte direkte Auswirkungen auf die Wahl von Sanierungsmaterialien mit Tiefenwirkung, wie beispielsweise zementhaltige Hinterfüll-, Verpress- und Injektionsmörtel.

Darüber hinaus wurden in den Archiven relevante Informationen gesammelt. Außerdem suchten Fachrestauratoren für Malerei nach Fassungen am Gebäude und dem reichhaltigen architektonischen und skulpturalen, steinernen und metallischen Bauschmuck. Fachrestauratoren für Stein erstellten Schadenskataloge, die später in Maßnahmenkataloge übersetzt wurden und auf deren Grundlage erst auf das Gebäude abgestimmte restauratorische Maßnahmen beschrieben werden konnten.

Maßnahmenkonzept zielte auf Erhalt statt Austausch

Geeignete objektspezifische Restaurierungsmethoden und -materialien wurden früh im Projektverlauf von Fachrestauratoren von ProDenkmal auf ihre technische und ästhetische Wirkungsweise anhand einer Musterfläche im Portalbereich überprüft. Auf die verschiedenen Schadensbilder wurde mit einem breiten Spektrum an Restaurierungs- und Konservierungstechniken reagiert. Leitmaterialien für die Restaurierung und Konservierung oberf lächennaher Schäden waren sowohl mineralische als auch kieselsäureethylester- gebundene Mörtel, Suspensionen und Schlämmen.

Damit wurde die Tradition der Vorgänger, des handwerklichen Steinaustauschs und weitgehenden Verzichts auf Reinigungs- und Konsolidierungsverfahren, am Dom nicht fortgeführt. Das neue Leitmotiv war vielmehr, die Substanz unter Wahrung der Authentizität der Oberflächen so weit wie möglich zu erhalten – unter Abwägung der Exposition, des Erhaltungszustands und der denkmalpflegerischen Wertung von Fassadenelementen.

Darüber hinaus sollten oberflächennahe und bestandsgefährdende Salzdepots reduziert sowie die Steinoberflächen gereinigt werden. Denn dichte schwarze Krusten, die vorwiegend gipsgebunden waren, stellten eine besondere Gefahr für die Dauerhaftigkeit des Bestandsgesteins dar. In den Regenschattenzonen (Bereich unter Gesimsen) konzentrierten sich die Schäden aufgrund besonders starker Durchfeuchtung und Krustenbildung.

Dies er Beitrag ist Teil eines Artikels aus B+B BAUEN IM BESTAND, Ausgabe 04.2013

Autoren: Jens Engel, Volkmar Hillig und Martin Pomm

zuletzt editiert am 09. April 2021
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