Mit dem neustark-Verfahren karbonatisierte RC-Gesteinskörnung wird entladen. (Quelle: Claus Schulte)

Betoninstandsetzung

12. May 2022 | Teilen auf:

Neuartiger Recycling-Beton im Praxistest

Um die hohen Treibhausgas-Emissionen und Ressourcenverbräuche im Bausektor zu reduzieren, setzt das Land Berlin auf den Einsatz von nachhaltigen Baustoffen sowie auf zirkuläres Bauen. Noch in diesem Jahr soll ein neuartiger ressourcenschonender Recycling-Beton erstmals eingesetzt werden.

Recycling-Beton ist ein Baustoff, für den der Einsatz von Rohstoffen aus dem Materialkreislauf (Recycling-Gesteinskörnung) sowohl normativ geregelt als auch bereits marktreif erprobt ist. Über zahlreiche Pilotprojekte konnten in Berlin wichtige Marktimpulse gesetzt werden, die mittlerweile bei Transportbetonwerken in Berlin zu einer Aufnahme von diesem ressourcenschonenden Beton (R-Beton) ins Standardportfolio führte.

Die Firma neustark hat nun ein neuartiges Verfahren entwickelt, das durch die sogenannte beschleunigte Karbonatisierung CO2 in RC-Gesteinskörnung speichert. Die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz (SenUMVK) hat sich zum Ziel gesetzt, die Klimabilanz von ressourcenschonendem Beton weiter zu verbessern. Aus diesem Grund hat sie gemeinsam mit den Unternehmen Heim Recycling, neustark, Berger Beton und dem ifeu Heidelberg das Projekt „CORE (CO2-Reduzierter Beton)“ initiiert. So kann das neustark-Verfahren im Raum Berlin in Pilotprojekten eingesetzt werden.

Karbonatisierte RC-Gesteinskörnung erhält Zertifizierung und Zulassung

Im Rahmen des Projekts wurde der von dem Unternehmen Heim zu einer RC-Gesteinskörnung gebrochene Altbeton mit CO2 beaufschlagt, das in den Poren und auf der Oberfläche des RC-Gesteins im Sinne einer Karbonatisierung zu Kalkstein umgesetzt wird. Werden diese RC-Gesteinskörnungen in Betonrezepturen eingesetzt, kann zudem der Zementanteil reduziert werden, was in Summe die Betonproduktion deutlich klimaverträglicher macht. Im Rahmen des Projekts ist es mittlerweile erstmalig gelungen, für diese karbonatisierte RC-Gesteinskörnung eine Zertifizierung und Zulassung als Zuschlag für die Verwendung im Transportbeton zu bekommen. Es gilt das gleiche Regelwerk (DIN EN 12620) wie für die Verwendung von Kies oder Splitt.

Aus diesem produzierten Material sowie aus nicht karbonatisiertem Referenzmaterial wurden anschließend im Labor der Firma Berger eine Reihe Betonrezepturen mit erhöhten Recyclinggehalten und reduzierten Zementgehalten hergestellt. Dabei wurden sowohl aktuelle als auch zukünftige regulatorische Rahmenbedingungen für den R-Beton (insbesondere Verwendung von Brechsanden 0-2 Millimeter) beachtet. Die Karbonatisierungsraten sind umso höher, je feiner das Material beziehungsweise je größer die spezifische Oberfläche ist. Über entsprechende Versuche im Betonlabor ist es gelungen, Rezepturen mit reduzierten Zementgehalten zu entwickeln, ohne die produktspezifischen Anforderungen zu gefährden. Der R-Beton genügt ohne Einschränkungen den Anforderungen an die DIN 1045-2 und DIN EN 206-1 beziehungsweise den entsprechenden Normen.

90.000 Tonnen schädlicher Treibhausgase könnten eingespart werden

Nach Bilanzierungen des beteiligten Umweltforschungsinstitutes ifeu Heidelberg zeigte sich, dass mit den entwickelten Rezepturen eine relevante Umweltentlastung erzielt werden kann und dies über alle betrachteten Umweltwirkungskategorien hinweg. Der Aufwand der Bereitstellung des CO2 und der Beaufschlagung der RC-Gesteinskörnung steht in einem guten Verhältnis zu den damit verbundenen Umwelteinsparungen. Die Umweltwelteinsparungen resultieren aus der Einsparung von Zementmengen und aus der über die Karbonatisierung erzielten CO2-Bindung. Im Vergleich zur Referenzprobe kann durch die Behandlung der RC-Gesteinskörnung die Klimawirksamkeit von dem ressourcenschonenden Beton um bis zu 20 Prozent gesenkt werden. Bei flächendeckendem Einsatz könnten in Berlin so insgesamt rund 90.000 Tonnen an schädlichen Treibhausgasen pro Jahr eingespart werden.

Dieser CO2-reduzierte, ressourcenschonende Beton soll nun – unter Einhaltung aller einschlägigen Normen – im Herbst erstmals in einem Bauabschnitt der Quartiersentwicklung Friedenauer Höhe in Tempelhof-Schöneberg, einem Joint Venture der OFB Projektentwicklung und der Instone Real Estate, eingesetzt werden. Damit soll der Nachweis erbracht werden, dass das CORE-Verfahren den Praxistest besteht und Umweltentlastungen auch im kommerziellen Betrieb zu erzielen sind. Weitere Informationen >>>

zuletzt editiert am 12.05.2022