Michael Henke Interview Fliesen und Platten
"Es gibt keinen Grenzwert, bis zu dem Asbest ungefährlich wäre" sagt B+B-Redakteur Michael Henke. (Abb.: Fliesen & Platten/M. Schmidt-Driedger)

Schadstoffe 2016-10-14T00:00:00Z „Natürlich richten wir uns auch an Fliesenfachbetriebe“

Das Thema Asbest ist unbequem. Trotzdem muss man sich auch als Bausanierer, Trockenbauer oder Fliesenfachbetrieb damit auseinandersetzen. Die Zeitschrift Fliesen & Platten, die ebenfalls in der Verlagsgesellschaft Rudolf Müller erscheint, hat B+B-Redakteur Michael Henke zum 7. B+B DIALOG – Asbest bei der Innenraumsanierung befragt.

F&P: Michael Henke, viele unserer Leser kennen Sie noch als Redakteur von FLIESEN & PLATTEN, wo Sie bis 2011 tätig waren. Anschließend sind sie innerhalb des Verlags zur Zeitschrift B+B Bauen im Bestand gewechselt. Können Sie kurz die Inhalte dieser Zeitschrift erläutern und erklären, an welche Zielgruppen sich das Heft richtet?

Michael Henke: Die Zeitschrift wendet sich an technische Fachplaner, Bausachverständige und Führungskräfte in Fachunternehmen mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Bauen im Bestand, wobei wir uns dabei auf den Hochbau beschränken. Inhalte, die wir bei B+B abbilden, sind unter anderem Bauwerksabdichtungen, Mauerwerks- und Fassadensanierungen sowie energetische Sanierungen. Daneben zählen aber auch Schimmelpilz- oder Schadstoffsanierung zu den Themen, die regelmäßig behandelt werden.

F&P: Am 24. November 2016 findet in Bonn der 7. B+B Dialog zum Thema „Asbest bei der Innenraumsanierung“ statt. Um was für eine Veranstaltung handelt es sich bei der B+B Dialogreihe?

Michael Henke: Die erste Dialogveranstaltung fand 2010 zum Thema Innendämmung statt. Damals begegnete man dieser speziellen Dämmungsart in der Fachwelt noch mit großen Vorbehalten, wozu auch einige bekannt gewordene Schadensfälle beitrugen. Dem wollten wir etwas entgegensetzen. Ziel des ersten B+B Dialogs war, Besucher und Referenten miteinander ins (Fach-)Gespräch zu bringen, und daran hat sich im Prinzip bis heute nichts geändert. Mittels Vorträgen und Podiumsdiskussionen wollen wir den fachlichen Austausch zu Themen anstoßen, die in der Branche noch kontrovers betrachtet werden.

F&P: Beim kommenden Dialog haben Sie sich für das Thema Asbest entschieden. Wieso?

Michael Henke: In Fachkreisen wird Asbest zwar schon länger diskutiert, allerdings ist es in den vergangenen zwei Jahren verstärkt in den Fokus gerückt, da jetzt mit Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern neue bauchemische Materialien genannt werden, in denen Asbestfasern früher zum Einsatz kamen. Vor dem allgemeinen Verbot galt Asbest als wahres Wundermittel, denn es sorgte bei den so behandelten Mörteln für eine besonders sahnige Konsistenz und ein besseres Abrutschverhalten. In der Vergangenheit richtete sich das Augenmerk in Sachen Asbest vor allen Dingen auf schwach gebundene Materialien, bei denen die Fasern bereits im normalen Alltag freigesetzt werden können.

F&P: In Putzen und Klebern sind die Asbestfasern nicht schwach gebunden und bleiben in der Regel ungefährlich ...

Michael Henke:  Ja, solange sie nicht maschinell bearbeitet werden. Dann allerdings werden, je nach Bearbeitungsmethode, erhebliche Mengen der Fasern freigesetzt. Und um es an dieser Stelle deutlich zu machen: Es gibt keinen Grenzwert, bis zu dem Asbest ungefährlich wäre.

F&P: An wen richten Sie sich mit Ihrer Veranstaltung?

Michael Henke: Wir wenden uns explizit nicht an das Spezialunternehmen, das in der Asbestsanierung tätig ist. Vielmehr ist der Dialog gedacht für „normale“ Handwerker, für Gebäudebetreiber, professionelle Bauherren und Planer, die in der Sanierung unterwegs sind.

F&P: Sie sprechen also bewusst auch Fliesenleger als Zielgruppe des B+B Dialogs an. Warum?

Michael Henke: Natürlich richten wir uns auch an Fliesenfachbetriebe, da sie die betroffenen bauchemischen Produkte wie Fliesenkleber oder auch Spachtelmassen verarbeiten. Sobald der Fliesenleger in der Sanierung Fliesen abschlägt oder den Untergrund anschleift, zählt er zur Gruppe der Gefährdeten. Ein typischer Fall, der selten bedacht wird, sind in diesem Zusammenhang die gespachtelten Stöße im Trockenbau. Auch diese Spachtelmassen enthielten früher Asbestfasern und werden im Sanierungsfall bearbeitet.

F&P: Was dürfen Fliesenleger von der Veranstaltung erwarten? Welche Programmpunkte sind geplant?

Michael Henke: Teilnehmer können beispielsweise mit Informationen rechnen, was es beim Arbeitsschutz alles zu beachten gilt. Darüber hinaus werden Verantwortlichkeiten eine große Rolle spielen: Fällt es in das Aufgabengebiet des Fliesenlegers, in Erfahrung zu bringen, ob er bei seinen Sanierungstätigkeiten Asbestfasern freisetzt? Wie kann ich als Unternehmer meine Mitarbeiter schützen? Welche Arbeitsverfahren muss ich dabei anwenden? Wie verhalte ich mich korrekt sowohl als Chef als auch als Auftragnehmer?

F&P: Können Fliesenleger also davon ausgehen, dass sie nach dem Dialog ganz konkret wissen, wann von einer Asbestkontamination auszugehen ist und wie sie sich künftig in solch einem Fall auf der Baustelle verhalten müssen?

Michael Henke: Nein. Selbst Experten sehen Klebern oder Spachtelmassen nicht an, ob sie Asbest enthalten. Ohne die Probennahme eines Labors lässt sich das nicht feststellen. Bei einem Verdacht sollte der Bauherr auf die mögliche Gefahr hingewiesen werden. Wir würden gerne ein standardisiertes Verhalten mit auf den Weg geben, leider gibt es das aber derzeit noch nicht. Wir haben allerdings unsere Referenten angehalten, konkrete Tipps zu Verhaltensweisen zu geben.

F&P: Zum Schluss noch einige organisatorische Fragen: Wo können sich Interessierte für den B+B Dialog anmelden?

Michael Henke: Am einfachsten geht es im Internet über die Seite www. bauenimbestand-dialog.de. Dort gibt es auch weitere Informationen zur Veranstaltung.

F&P: Und was kostet die Teilnahme am B+B Dialog?

Michael Henke: Der Normalpreis beträgt 169,– Euro. Abonnenten von FLIESEN & PLATTEN zahlen einen Sonderpreis von lediglich 149,– Euro.

F&P: Herr Henke, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Autor: Michael Schmidt-Driedger, Redaktion Fliesen & Platten

Weitere Infos zum Programm und die Anmeldung zum B+B DIALOG finden sie unter: http:// www.bauenimbestand-dialog.de/programm/

Weitere Informationen zu Fliesen & Platten finden sie hier.

zuletzt editiert am 09. April 2021
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