Dieses Bild zeigt ein Holzbausystem, das eine symmetrische, geometrische Struktur aufweist und von einem gelblichen Hintergrund umgeben ist.
Das abgebildete Holzbausystem minimiert den Materialverbrauch und die Konstruktionshöhe von punktgestützten Bodenplatten. (Quelle: Hans Jakob Wagner / Universität Stuttgart, ICD)

Nachhaltigkeit 2024-08-22T06:45:00Z Nachhaltige Technologien für die Praxis

Architektur, Konstruktion und Digitalisierung für mehr Nachhaltigkeit im Bauwesen zusammenbringen: Daran arbeiten Forschende der Universität Stuttgart in drei neuen Forschungsverbünden. Der Europäische Innovationsrat (EIC) fördert die Vorhaben im Rahmen der EIC Pathfinder Challenge 2023, weil sie radikal neue Technologien in die Praxis bringen wollen.

Der EIC Pathfinder ist eine der Hauptförderlinien des im Jahr 2021 gestarteten Programms Horizon Europe. Im Rahmen dieser Förderlinie wird nicht die klassische Grundlagenforschung gefördert, sondern visionäre Projekte in einem frühen Entwicklungsstadium zu neuen Technologien, die das Potenzial haben, neue Märkte zu schaffen. Im Themenfeld „Architektur, Ingenieurwesen und Bauwesen - Digitalisierung für einen neuartigen Dreiklang aus Entwurf, Fertigung und Material“ der EIC Pathfinder Challenge 2023 fördert die Europäische Union internationale und interdisziplinäre Konsortien, darunter das Projekt „UniversalTimberSlab“ der Universität Stuttgart und zwei weitere, an denen sie als Partner beteiligt ist. Alle drei Forschungsvorhaben sind an den Exzellenzcluster Integratives Computerbasiertes Planen und Bauen für die Architektur (IntCDC) angebunden.

„UniversalTimberSlab“: Maßgeschneiderte Holzdecken für nachhaltige Gebäude

Im Rahmen von „UniversalTimberSlab“ entwickelt ein multidisziplinäres Team aus Nachwuchsforschenden der Universität Stuttgart neuartige computergestützte Methoden und robotische Prozesse, um ein ressourcenschonendes System für Holzgeschossdecken zu planen und herzustellen. Die maßgeschneiderten und leistungsfähigen Holzdecken sind punktgestützt, und ermöglichen Planern maximale Freiheit im Gebäudeentwurf, so wie es bislang nur mit Geschossdecken aus Stahlbeton möglich war. Besonders interessant ist das neue Verfahren für Gebäude in Innenstädten, da die Decken auch 30 Prozent dünner als alternative Holzbausysteme ausgeführt werden können. Unter Koordination des Instituts für Computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung (ICD) der Universität Stuttgart beteiligen sich die Institute für Tragkonstruktionen und konstruktives Entwerfen (itke), für Akustik und Bauphysik (IABP), für Werkstoffe im Bauwesen (IWB) sowie die Materialprüfungsanstalt (MPA) an dem Projekt.

„Archiobiofoam“: Organische Baustoffe für atmende Gebäude

Mit dieser additiven Fertigungsplattform zur robotergestützten Materialprogrammierung werden an der Uni Stuttgart nachhaltige und vielseitige Bioschäume unter anderem zu tragfähigen Strukturen geformt.
Mit dieser additiven Fertigungsplattform zur robotergestützten Materialprogrammierung werden an der Uni Stuttgart nachhaltige und vielseitige Bioschäume unter anderem zu tragfähigen Strukturen geformt. (Quelle: Universität Stuttgart, ICD)

Das Verbundprojekt „Archiobiofoam“ zielt darauf ab, die CO2-Emissionen im Bausektor zu verringern, indem Beton, Stahl und Glas durch multifunktionale Architektursysteme aus Monomaterialien und robotergestützter additiver Fertigung ersetzt werden. Zu diesem Zweck entwickelt das interdisziplinäre Team nachhaltige und vielseitige Bioschäume, die mechanisch stabil sind und so „programmiert“ werden können, dass sie ihre Form an Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen anpassen. Damit eignet sich das Material nicht nur für die Dämmung, sondern auch für die tragende Struktur und die passive Belüftung von Gebäuden. Das Institut für computergestütztes Entwerfen und Konstruieren (ICD) der Universität Stuttgart bringt seine Expertise im Bereich des adaptiven Architekturdesigns und der robotergestützten additiven Fertigung in das Projekt ein. Das ICD-Team ist für die Steuerung der Extrusion von Strukturen auf der Basis von Bioschaum mit einem großformatigen 4D-Drucker verantwortlich. „Archiobiofoam“ wird von der Aalto-Universität in Finnland koordiniert. Weitere Partner sind die Universität von Mailand und das finnische Start-up-Unternehmen Woamy.

„RAW“: Natürliche und recycelte Materialien für die Kreislaufwirtschaft

Die Forschenden, die im Konsortium „RAW“ - Computation for a New Age of Resource Aware Architecture“ zusammenarbeiten, wollen eine neue digitale Infrastruktur aufbauen, die zerstörungsfreie Materialerfassungstechnologien mit adaptivem Design und Fertigung kombiniert. Dies soll der Bauindustrie ermöglichen, natürliche Materialien in der Variabilität zu bewerten und zu verwenden, in der sie gewachsen sind oder wiedergewonnen wurden. Hierdurch können Prozesse der Materialstandardisierung minimiert werden, die derzeit viel Energie verbrauchen und viel Abfall erzeugen. Mit dem Schwerpunkt auf wiederverwertetem Holz, Biopolymeren aus landwirtschaftlichen Abfällen und Verbundwerkstoffen aus schnell wachsenden Hanffasern wird das Projekt dazu beitragen, CO2-Emissionen zu reduzieren, die Kreislaufwirtschaft zu unterstützen und neue ästhetische Möglichkeiten für die Architektur zu schaffen. Die Universität Stuttgart bringt ihr Fachwissen auf dem Gebiet der Datenmodellierung und der Naturfasermaterialien über ihre Abteilung für Computing in der Architektur am Institut für rechnergestütztes Entwerfen und Konstruieren (ICD/CA) und das Institut für Baukonstruktionen und Tragwerksplanung (itke) in das Projekt ein. Unter der Leitung der Königlich Dänischen Akademie beteiligen sich fünf weitere europäische Universitäten an „RAW“.

zuletzt editiert am 28. Mai 2025
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